Pep Guardiola winkte ab, Carlo Ancelotti blieb lieber in Brasilien, und Andrea Pirlo war schon wieder weg, bevor er überhaupt da war: Jetzt soll Roberto Mancini und damit ein alter Bekannter das Chaos im italienischen Fußball beseitigen und der am Boden liegenden Nationalmannschaft zu altem Glanz verhelfen. Der 61-Jährige übernimmt zum zweiten Mal die Squadra Azzurra als Nationaltrainer, und die Hoffnung im Land des viermaligen Weltmeisters ist groß. Schließlich lieferte Mancini mit dem überraschenden Gewinn des EM-Titels 2021 eine der wenigen Sternstunden in der jüngeren Fußball-Geschichte Italiens.
"Ich bin der Meinung, dass Roberto Mancini der richtige Mann für diese Position ist", sagte der massiv in der Kritik stehende Verbandspräsident Giovanni Malago über den Nachfolger von Gennaro Gattuso, der im April nach dem Aus in den WM-Playoffs zurückgetreten war. Mancini soll am Mittwoch offiziell vorgestellt werden. Ihm zur Seite steht künftig der 74-jährige Claudio Ranieri als Sportdirektor. Der einstige Meistermacher von Leicester City folgt auf Paolo Maldini, der das Amt nur 16 Tage ausgeübt hatte.
Italien war seit der erneut verpassten WM im Chaos versunken. Mancini, der bereits von 2018 bis 2023 Nationaltrainer war, sich dann aber trotz eines laufenden Vertrags nach Saudi-Arabien verabschiedete, muss den Umbruch moderieren. Italien hatte schon die Qualifikation für die WM-Endrunden 2018 in Russland und 2022 in Katar verpasst. Ranieri, der bis 2025 bei der AS Rom als Trainer verantwortlich war, soll Mancini mit seiner Erfahrung zur Seite stehen. "Wir haben jetzt einen neuen Trainer und einen neuen Sportdirektor", sagte Malago, der nur noch in die Zukunft schauen will.
Mancinis Ruf in Italien hat gelitten
Denn die Krise ist riesig - sportlich und sportpolitisch. Zuletzt schien Fan-Idol Pirlo den Posten als Nationaltrainer sicher zu haben, doch aufgrund seiner Verbindungen zum russischen Wettanbieter Fonbet war er für den Verband FICG nicht mehr tragbar. Das habe er "mit großer Bitterkeit" erfahren, kommentierte der Weltmeister von 2006.
Im Zuge der Absage an Pirlo traten auch Maldini und Berater Leonardo nach nur 16 Tagen zurück. Kurzzeitig war als Nachfolger für Maldini auch Giorgio Chiellini im Gespräch. Doch der Manager des Rekordweltmeisters Juventus Turin winkte schnell ab. "Ich möchte klarstellen, dass ich mit meiner Rolle bei Juventus glücklich bin und Giovanni Carnevali in seiner Funktion unterstützen möchte", sagte Chiellini, der beim EM-Triumph vor fünf Jahren im Londoner Wembleystadion noch Kapitän war.
An diesen Erfolg soll Mancini nun anknüpfen, sein Ruf in der Heimat hat allerdings durch den Wechsel nach Saudi-Arabien gelitten, damals wurde er heftig kritisiert, nun im Verband wieder als Heilsbringer willkommen geheißen. Er soll die Nationalmannschaft zur EM nach Großbritannien und Irland 2028 führen. Mancini wird sein Comeback am 25. September im Nations-League-Heimspiel gegen Belgien geben. Dann soll eine neue Zeitrechnung im italienischen Fußball starten.
Die Ernennung eines neuen Trainers hatte sich in den vergangenen Tagen zum Chaos entwickelt. Zunächst sagte der Wunschkandidat ab, der frühere Barcelona-, Bayern- und Manchester-City-Trainer Pep Guardiola. Dann gab es Streit um die Zweitlösung, den einstigen Weltklassespieler Pirlo. Wegen der Kontakte nach Russland rund um die Zusammenarbeit mit einem Wettanbieter kam für ihn am Wochenende das Aus. Daraufhin legten nach Medienberichten der erst vor gut zwei Wochen verpflichtete Technische Direktor Paolo Maldini und dessen Berater Leonardo ihre Ämter nieder. "Italien muss neu gegründet werden", kommentierte die Gazzetta.

