Heute EM-Finale gegen Spanien

Diese Juwelen machen Deutschland Hoffnung für die Zukunft

11.07.2026 | 08:00 Uhr
Die deutsche U19-Nationalmannschaft greift bei der EM in Wales nach dem ersten Titel seit zwölf Jahren. Im Finale wartet mit Rekordsieger Spanien der härteste Gegner. Das Endspiel könnte trotzdem zur großen Bühne für einige DFB-Youngster werden. 

Die U19-Auswahl des DFB hat sich mit einem 2:1-Krimi-Sieg gegen die Ukraine ins Endspiel der Europameisterschaft gekämpft und steht erstmals seit 2014 wieder in einem EM-Finale. Damals holte der Jahrgang um den heutigen DFB-Kapitän Joshua Kimmich den gegen Portugal den Titel. Am Samstagabend (19:30 Uhr, live bei RTL, auf RTL+ und dem Youtube-Kanal von RTL Sport) warten Spanien auf den DFB-Nachwuchs, in dieser Altersklasse mit neun Triumphen Rekordsieger. Ein Brocken für die deutschen Junioren und zugleich die Chance für eine Revanche. In der Vorrunde hatten die Iberer die Mannschaft von Christian Wörns mit 4:0 böse abgewatscht. Wörns schonte damals allerdings mehrere Leistungsträger, das Endspiel verspricht daher ausgeglichener zu werden.

Der Einzug ins Finale trägt ganz klar die Handschrift der Offensive um Torjäger Otto Stange (Hamburger SV) und Kapitän Francis Onyeka, der ab kommender Saison für den Bundesliga-Neuling SV Elversberg aufläuft. Im Halbfinale drehten beide die Partie gegen die Ukraine in einer mustergültigen Co-Produktion: Stange traf kurz vor der Pause zum Ausgleich, Onyeka entschied die Partie in der Nachspielzeit per Volley nach Stange-Vorlage. 

Schon in der Vorrunde überzeugte die deutsche Mannschaft offensiv und qualifizierte sich frühzeitig für die K.o.-Phase. U19-Bundestrainer Wörns baute das Team im unbedeutenden dritten Gruppenspiel gegen Spanier daher auf mehreren Positionen um. Ohne die Offensiv-Säulen Stange und Onyeka verlor Deutschland deutlich mit 0:4. Die Pleite baut für das Finale nun einen Spannungsbogen auf: War sie ein Vorgeschmack spanischer Dominanz oder nur eine schwache Momentaufnahme der durchrotierten DFB-Elf? 

U19-Junioren träumen vom EM-Titel

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DFB-Faktenlage: Kein Nachwuchsproblem

Wunsch-Bundestrainer Jürgen Klopp soll nicht nur die A-Nationalmannschaft, sondern auch den deutschen Fußball in Zukunft ordentlich umkrempeln. Neben personellen Veränderungen fordern Experte wie Lothar Matthäus strukturelle Reformen: "An Talenten mangelt es uns nicht", sagt der Weltmeister von 1990. Entscheidend sei aber, diese besser auszubilden und konsequenter zu fördern. Zudem müsse man beim DFB wieder stärker auf das Leistungsprinzip setzen.

Die These von Matthäus wird gestützt durch das Abschneiden der DFB-Junioren in den letzten Jahren: Die U17 wurde 2023 Welt- und Europameister, die U19 stand 2025 im EM-Halbfinale, die U21 im gleichen Jahr sogar im Endspiel. Dennoch schaff(t)en nur wenige Youngster bisher den Durchbruch. Die Basis ist eigentlich da, jetzt müssen sich die Junioren im harten Alltag des Profi-Fußballs behaupten. Ein paar verheißungsvolle Talente spielen auch bei dieser U19-Europameisterschaft vor, allen voran Stange und Onyeka.

Deutsche U19 zieht dramatisch ins EM-Finale ein

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Rekordjagd von Onyeka und Stange 

Besonderen Reiz erhält das Endspiel gegen Spanien auch beim Blick auf die Torschützenliste: Otto Stange und der spanische Flügelspieler José Antonio Morante führen mit jeweils vier Treffern die Tabelle an. Stange traf bereits zum Auftakt doppelt gegen Dänemark, legte gegen Wales nach und glich im Halbfinale gegen die Ukraine aus. Der Angreifer macht mit diesen Leistungen auf sich aufmerksam, was auch den HSV freut. Stange hat das Fußballspielen beim FC St. Pauli gelernt, wechselte dann über den SC Victoria und Eimsbütteler TV 2022 ins Nachwuchsleistungszentrum des HSV. Unter dem damaligen Trainer Tim Walter durfte er im Oktober 2023 erstmals bei den Profis mitmischen.

Gut ein Jahr später, am 8. November 2024, gab er mit 17 Jahren und 273 Tagen unter Ex-Coach Steffen Baumgart sein Zweitliga-Debüt, als er bei der 1:3-Niederlage gegen Eintracht Braunschweig in der Schlussphase eingewechselt wurde. Um auf hohem Niveau regelmäßig Spielpraxis zu sammeln, war Stange in der vergangenen Saison bis Februar 2026 an die SV Elversberg ausgeliehen. Für die Saarländer traf er drei Mal. Jetzt kehrt er mit guten Leistungen und Hoffnung auf Einsatzzeiten zu den Rothosen zurück.

Stanges Offensivpartner Onyeka indes hat mit drei Treffern nicht nur zum Finaleinzug beigetragen, sondern auch den deutschen U19-Torrekord für Deutschland eingestellt. Er teilt sich den ersten Platz mit Davie Selke, der wie Onyeka insgesamt 14-mal für die DFB-Junioren traf.

Onyeka trägt seit der U8 das Bayer-Kreuz auf der Brust, durchlief in Leverkusen sämtliche Nachwuchsteams und wurde 2025 mit der U19 deutscher Vizemeister. In der vergangenen Saison verlieh Bayer den Mittelfeldspieler in die 2. Bundesliga zum VfL Bochum, wo er einen großen Sprung machte: Beim Revierklub stieg er schnell zum Leistungsträger auf und zählte zu den auffälligsten Spielern der Liga. In 30 Einsätzen für den VfL erzielte er acht Tore und bereitete einen weiteren Treffer vor. Nun geht es für Onyeka auf Leihbasis zu Aufsteiger SV Elversberg - der nächste große Schritt, diesmal in der Bundesliga. Leverkusen setzt langfristig auf das Talent, der Vertrag des 20-Jährigen wurde bereits Mitte Juni vorzeitig bis 2032 verlängert.

BVB-Legende Wörns freut sich auf Spanien-Revanche

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Spanien als Maßstab

Spanien schafft es dagegen deutlich konstanter eigene Talente ins A-Team zu integrieren. Bei der WM sind vor allem die Flick-Schützlinge um Lamine Yamal und Pau Cubarsí gefordert. Der spanische U19-Nachwuchs ist nicht nur gespickt mit einzelnen Top-Talenten, sondern vor allem in der Breite sehr gut aufgestellt. Spieler wie José Morante, Sergio Esteban und Ousmane Diallo strahlen unglaubliche Torgefahr aus und sind Namen, die man sich für die Zukunft merken sollte.

Die Iberer gewannen alle drei Vorrundenspiele, setzten sich in einer Gruppe mit Gastgeber Wales, Dänemark und Deutschland souverän durch und unterstrichen im Halbfinale gegen Kroatien ihren Status als Titelfavorit. Wie auch die A-Mannschaft in Amerika glänzt die kleine rote Furie vor allem defensiv: Im gesamten Turnierverlauf kassierte sie noch kein Gegentor.

Aus diesen DFB-Junioren wurden später Stars

Für Deutschland ist das Finale damit auch ein Gradmesser, ob der eigene Nachwuchs zur Spitze Europas gehört. Der letzte Titel 2014 war eher ein Ausnahmefall als der Beginn einer Serie - diesmal könnte ein neuer Jahrgang das Narrativ drehen und den Startschuss für eine erfolgreiche Zeit des deutschen Fußballs geben. 

Verwendete Quellen: ntv.de, pzi/mwe