Nach einem besonders kniffligen Arbeitstag in Mannheim pustete Schiedsrichter Robert Schröder ordentlich durch. Die Partie gehöre "mindestens mal" zu den "Top Fünf" der schwersten Spiele seiner Karriere, sagte Schröder nach dem von massiven Ausschreitungen überschatteten Südwest-Derby zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern (0:1 nach Verlängerung) im DFB-Pokal. Schröder bestätigte, dass die Erstrundenpartie nach der regulären Spielzeit dicht vor dem Abbruch stand.
"Wenn Raketen aufs Spielfeld oder sogar auf die Tribünen fliegen und Menschen verletzt werden können, dann ist das immer eine sehr sensible Situation", sagte der 40 Jahre alte Referee am Sky-Mikrofon: "Und ich persönlich muss auch sagen, wenn irgendwo Menschen gefährdet sind, dann hört der Spaß auf und dann ist man sehr nah am Abbruch." Schröder pfiff die Partie nach rund 30-minütiger Unterbrechung schließlich zur Verlängerung an, nachdem sich die Lage auch aufgrund eines großen Polizeieinsatzes beruhigt hatte.
"Die intensive Vorbereitung aller beteiligten Institutionen und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten haben sich ausgezahlt. Unser taktisches Konzept ging voll auf", sagte Polizeidirektor Michael Reichert, Gesamteinsatzleiter des Präsidiums Mannheim.
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel lobte die Arbeit der Sicherheitskräfte und übte scharfe Kritik an den eskalierenden Fans. "Das war heute in Mannheim kein normales Derby. Es war ein Hochrisikospiel mit Ansage – unsere Polizei in Mannheim war hochprofessionell vorbereitet", sagte Hagel der "Bild"-Zeitung: "Wer den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller. Genau so werden wir diese Typen auch behandeln, um Recht und Ordnung in unseren Stadien durchzusetzen."

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"Schadet allen"
Quasi mit Abpfiff der regulären Spielzeit waren die Spieler beider Mannschaften aneinandergeraten, dann schossen Fans Raketen auf das Spielfeld und die Haupttribüne. Einige Mannheim-Anhänger stürmten auf den Platz. Auch berittene Polizisten kamen auf den Rasen.

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"Es war ein Derby und das muss auf dem Platz bleiben. Was dann auf den Rängen abgegangen ist, das war drüber", sagte Kaiserslauterns Sportgeschäftsführer Thomas Hengen: "Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fußball." Er selbst habe "nicht gedacht, dass wir es noch zu Ende spielen können", fügte Hengen an.
Im Rahmen der Krawalle wurden nach Angaben der Polizei 33 Beamte der Bundespolizei sowie zwei Polizisten aus Baden-Württemberg leicht verletzt. Insgesamt waren rund 1.400 Sicherheitskräfte im Einsatz – darunter Beamte aus Rheinland-Pfalz und Bayern. Die Polizei ermittelt nun wegen Beleidigungen, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte sowie Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.
Beiden Vereinen droht ein Nachspiel. "Wir werden das im Sonderbericht alles erfassen. Der wird entsprechend lang sein und dann ist es die Aufgabe des Spielausschusses oder des Sportgerichtes, da die Sanktionen zu finden", sagte Schröder.

