Aytekin rechnet zum Abschied ab"Immer wieder dieser Hass. Hält meine Familie das aus?"

Deniz Aytekin ist einer der bekanntesten und beliebtesten Schiedsrichter Deutschlands. In diesem Sommer beendet er seine Karriere und findet zum Schluss nachdenkliche Worte.
Kurz vor seinem Karriereende hat Deniz Aytekin den "Hass" gegen Schiedsrichter verurteilt und um mehr Verständnis geworben. Er habe sich in seiner Laufbahn häufiger die Frage gestellt: "Macht das noch Sinn? Immer wieder dieser Hass, will ich das ertragen? Hält meine Familie das aus? Kein Sport der Welt ist es wert, dass man sich in Gefahr bringt", berichtete Aytekin im Interview mit dem Magazin "Stern". Bei ihm habe aber "die Liebe zum Fußball jedes Mal über solche Zweifel gesiegt".
In der Öffentlichkeit fehlt aus Sicht des 47-Jährigen das Bewusstsein für den Druck, der auf den Referees auf der höchsten Ebene lastet. "Viele denken immer noch, wir fahren da am Samstag hin, pfeifen mal rechts, mal links, und dann gehen wir wieder nach Hause", sagte Aytekin, der seit 2008 in der Bundesliga Spiele leitet. "Aber den Aufwand, der dahinter steht, sehen sie nicht, die Opfer, die wir bringen, sehen sie nicht."
Wenn der Chefarzt plötzlich austickt
Auf dem Feld sei das Stresslevel durch die Entwicklung des Fußballs dazu "permanent am Anschlag". Es gebe "bald gar keine Ruhephasen mehr". Und: "Selbst wenn wir alles richtig machen, gibt es Leute, die gegen uns sind", monierte Aytekin. Dies sei ein "Teil des Jobs".
Der gebürtige Nürnberger, der von den Spielern hierzulande 2011 zum unbeliebtesten Schiedsrichter gewählt worden war, inzwischen aber als einer der besten gilt, berichtete von Hassnachrichten. Nach einem Spiel habe er einst eine Mail von einem Mann mit Klarnamen erhalten. "Der war Chefarzt einer großen deutschen Klinik. Der hat mich so dermaßen beleidigt, Arschloch war da noch das freundlichste", sagte Aytekin: "Was läuft bei so einem, der tagtäglich anderen hilft, falsch, dass er sich so vergisst?"
Aytekin blickt jedoch auch auf viele positive Momente zurück. Etwa auf den Austausch während der Spiele mit dem Ex-Münchner Thomas Müller. "Das war immer unterhaltsam und oft auch nah am Kabarett, weil der verbal so gut gekontert hat, da kam ich manchmal richtig ins Grübeln", sagte Aytekin.