Plötzlich "Trainer-Killer"?

Jürgen Klopps Rolle bei Ole Werners RB-Aus wirft Fragen auf

imageVon Emmanuel Schneider
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18.06.2026 | 12:06 Uhr
Trainer Ole Werner muss trotz des sportlichen Aufschwungs bei RB Leipzig seinen Hut nehmen. Es stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt dabei Red Bulls "Global Head of Soccer" Jürgen Klopp?

Jürgen Klopp ist in diesen Tagen auf Dauersendung. Bei der Fußball-WM in Nordamerika fungiert er als Experte von Magenta TV an der Seite von Weltmeister Thomas Müller, ordnet mal mehr, mal weniger flapsig das Geschehen auf der größten Bühne der Fußballwelt ein. Dabei unterlief ihm auch schon ein größerer Fauxpas. Als er an der Seite von Müller witzelte, Julian Nagelsmann sei "noch" Bundestrainer. Großes Gelächter. Dann großer Ärger. Der Spruch kam bei vielen und dem DFB gar nicht gut an.

Klopp kroch sofort zu Kreuze und entschuldigte sich live am TV-Pult bei Nagelsmann. Der Bundestrainer nahm die Hand Klopps entgegen. Dass ihm ein "blöder" Spruch rausgerutscht ist, sollte man ihm abkaufen, für freche Sprüche war Klopp schon immer bekannt. Nicht erst 2026. Auch die Entschuldigung. Offene Kritik von Klopp an Nagelsmann gab es ja nicht. Bloß: Viele neue Sympathiepunkte brachte es dem eigentlichen Sympathieträger nicht ein.

"Dämlicher" Klopp kriecht bei Nagelsmann zu Kreuze

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Was ist da in Leipzig los?

Daran ändert wohl die neueste spannende Entwicklung in Leipzig wenig. Auch bei dieser spielt der frühere Dortmund- und Liverpool-Trainer eine große Rolle. Dort ist die Lage so: Der in der vergangenen Saison mit vielen Lorbeeren und warmen Worten (gerade auch von Klopp) verpflichtete Coach Ole Werner führt RB Leipzig aus den Nicht-Europa-Plätzen zurück in den internationalen Wettbewerb, sogar in die Königsklasse. Platz drei und Champions League. Die ambitionierte Zielsetzung des Brause-Konzerns wurde also mehr als erfüllt. Die Punkteanzahl von 65 wurde bislang in nur drei Saisons übertroffen. Fazit: Werner hat mindestens grundsolide gearbeitet.

Doch das reichte den RB-Bossen nicht. Und beinahe, so berichten es Medien übereinstimmend, wäre Werner schon viel früher geflogen. Schon im Winter kippte offenbar die Stimmung. Das Verhältnis zu Klopp soll schon länger zerrüttet gewesen sein, berichten "Bild" und Sky.

Und Klopp ist ein mächtiger Mann im Fußball-Imperium Red Bull. Dort schwebt er seit dem 1. Januar 2025 als Global Soccer über dem Fußballgeschäft des Unternehmens. Er selbst erklärt, er sei beratend in der Causa Werner tätig gewesen.

"Zerrüttetes Verhältnis" zwischen Klopp und Werner

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Zu weiteren Fakten gibt er sich am Magenta-Mikrofon schmallippig. Die Argumentation für den Trainer-Rauswurf klingt schon ziemlich abenteuerlich. "Ole hat einen Klasse-Job gemacht. Wir haben uns für die Champions League qualifiziert. Aber wir müssen auch zeitgleich nach vorn gucken." Das klingt eher nach Beförderung als nach Begründung für ein Ende des Engagements.

Begründung überzeugt nicht

Dass Klopp mögliche interne Verwerfungen nicht nach außen kehren will, liegt auf der Hand, aber etwas mehr fundierte Grundlage für dieses Durchgreifen hätte man sich dann doch gewünscht, gerade von einem, der Kommunikation bekanntlich gut kann. Stattdessen: "Wir haben dann darüber nachgedacht, wie das aussehen könnte mit der Belastung, die auf uns zukommt. Dann hat man sich in Leipzig für den Wechsel entschieden", sagte Klopp und erklärte damit eher weniger als mehr.

Berichten zufolge sollen neben dem "Global Sports Director" von Red Bull Soccer auch Aufsichtsratschef Oliver Mintzlaff und Ex-Nationalspieler Mario Gomez (bei der Fußball-Abteilung als Technischer Direktor von Red Bull Soccer International angestellt) ebenfalls unzufrieden mit Werner gewesen sein.

Ein Kritikpunkt, der zu lesen war: Die von Werner implementierte neue Spielidee überzeugte offenbar nicht. Auch die geringe Punkteausbeute gegen Top-Teams sei ein wunder Punkt, man habe zu viel Glück gebraucht, um in die Königsklasse zu kommen. Nur: Wenn dies so war, sollte man dies aber auch so benennen. Denn ansonsten wachsen Kritik und die Fragezeichen weiter.

Viele Trainerwechsel im RB-Kosmos

Klopp, der als aktiver Trainer selbst oft die überschnelle Entlassung von Coaches kritisierte, ist nun selbst der Chef einer Fußball-Maschinerie, die reihenweise Trainer austauscht. Das böse Wort "Trainerkiller" geistert schon umher. In den Red-Bull-Filialen in New York, Salzburg, Brasilien und Japan wurde bereits eifrig das Trainerkarussell gedreht. Nun auch schon zum zweiten Mal in Leipzig. Im vergangenen Frühjahr hatte eine Elefantenrunde um Klopp das Aus von Marco Rose beschlossen. Dieser musste gehen, Werner übernahm. Nun wiederholt sich die Geschichte, obwohl Letzterer sportlich erfolgreicher war.

Müller und Hummels geben spontanes Ständchen im Stadion

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Die Folge: Seine eigenen Worte holen Klopp nun etwas ein. Bei seinem Amtsantritt betonte er in seinem Rollenverständnis, nicht das "Damoklesschwert" zu sein, "das über unseren Trainern schwebt". Genau ein solcher Verdacht könnte nun aber doch entstehen.

Der Nachfolger von Werner soll übereinstimmenden Berichten nach der frühere Bayern-Spieler Martin Demicheles werden. Letzte Details sind noch zu klären. Diesen Namen wollte Klopp indes nicht kommentieren und sich nicht an Spekulationen beteiligen. "Alles, was dazu zu sagen ist, kommt aus Leipzig", sprach er und spielte den Ball damit offensiv nach Sachsen. Demichelis konnte zuletzt mit RCD Mallorca den Abstieg aus der spanischen LaLiga nicht verhindern, nun wartet die Herkulesaufgabe Red Bull. Einfacher wird es dort wohl nicht.

Verwendete Quelle: ntv.de