Zinédine Zidane ist der Fußball-Welt als verkörperte Eleganz im kollektiven Gedächtnis geblieben. Der Franzose agierte zu seiner aktiven Zeit auf dem Rasen wie ein General mit dem totalen Überblick. Der Ball gehorchte ihm, was immer auch "Zizous" Füße anstellten, es schien die unwillkürliche Konsequenz mühelosen Tuns zu sein. Als Nationaltrainer Frankreichs hat die Legende nun einen weitaus weniger eleganten Auftritt hingelegt.
Bei dem sehenswerten Tor von Bayern-Star Michael Olise zum 1:0-Sieg der "Equipe Tricolore" im Nations-League-Duell in Belgien, jubelte Zidane an der Seitenlinie wie von der Tarantel gestochen. Als der Ball im Netz zappelte, rannte der enthemmte Fußball-Lehrer geradewegs auf einen auf einem Hütchen ruhenden Ball zu und pfefferte die Murmel mit dem rechten Spann irgendwo hin.
Er sei Olises Sturmlauf, der in der eigenen Hälfte der Franzosen begann, gefolgt, sagte Zidane hinterher. "Und weil ich gespürt habe, dass er einen Dribbling-Versuch startet und eine außergewöhnliche Aktion zeigt, wollte ich ihm folgen." Dann habe er den Ersatzball auf dem Hütchen erblickt und sich gesagt, er müsse schießen. "Das mag ein bisschen lächerlich sein, aber das spielt dann auch keine Rolle", sagte der 54-Jährige.

Atemberaubendes Solo: Joker Olise rettet Frankreich
Auf Olise angesprochen, geriet Zidane ins Schwärmen. "Er spürt den Fußball, er spürt die Situationen. Er weiß, wann er loslegen und wann er sich zurückhalten muss", lobte der Nachfolger von Didier Deschamps bei TF1 den Offensivmann des FC Bayern. Überhaupt hätten seine Bleus "mutig" und ohne Angst bei den Roten Teufeln agiert. "Alle sind eingebunden - genau das lieben wir. Ich bin zufrieden mit allem, was ich heute Abend gesehen habe."
Sorgen löste wohl nur Zidane mit seinem Torjubel aus. "Er hätte sich einen Muskel zerren können", kommentierte Bixente Lizarazu die Freuden-Explosion seines Weltmeister-Kameraden von 1998.
