Redelings Nachspielzeit

"Im Leben nicht!"Wie der FC Schalke 04 (fast) alle Experten vorführte

27.04.2026, 19:57 Uhr Ben-RedelingsVon Ben Redelings
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Der FC Schalke 04 spielt eine herausragende Saison, die aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Aufstieg gekrönt wird. Das konnte man vor der Spielzeit tatsächlich so nicht voraussehen. Doch einige Experten trauten den Schalkern auch nach der erfolgreichen Hinrunde wenig zu - sehr zum Ärger der königsblauen Fans.

"Ob der Experte, dessen Qualifikation sich weitestgehend darin erschöpft, 'der Bruder von' zu sein, am Saisonende die Eier hat, sich zu entschuldigen?" Auf Schalke genießt man aktuell nicht nur still und leise diese einzigartige Erfolgsgeschichte - sondern erinnert auch gerne bisweilen arg polemisch daran, dass man sich gegenüber vielen Unkenrufen, die immer wieder den Absturz der Mannschaft vom Tabellenthron prophezeiten, behaupten musste. In der Kritik stand dabei in den letzten Wochen eben auch Felix Kroos, der noch in der Winterpause gemeint hatte: "Ich rechne damit, dass sie in der Rückrunde einbrechen werden. Schalke wird nicht aufsteigen."

Doch mit dieser aller Voraussicht nach falschen Prognose ist Felix Kroos beileibe nicht alleine gewesen. Schon kurz nach dem (erfolgreichen) Start der Saison hatte Peter Neururer gemeint: "Im Augenblick bringt die Mannschaft ihre Qualität auf den Platz. Das reicht möglicherweise, um oben mitzuspielen. Aber den Aufstieg als Ziel auszugeben, wäre eine Katastrophe."

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"So kann sich nichts entwickeln"

Was er damit meinte, hatte er schon einige Wochen vorher, nach dem eher glücklichen Nichtabstieg des Klubs in der Spielzeit 2024/25, erklärt: "Auf Schalke müsste man mal lernen, dass es nicht der Trainer ist, der da Fehler macht. Die brauchen jede Woche gefühlt einen neuen. Aber eigenartigerweise sind die Leute, die die Entscheidungen treffen, immer noch da. So kann sich nichts, aber auch gar nichts entwickeln. Mit dem Ziel Wiederaufstieg solch eine Mannschaft trainieren? Im Leben nicht!"

Doch dann kam als neuer Sportdirektor Frank Baumann. Offensichtlich eine (erste) richtige Entscheidung, die diese "Leute" trafen. Denn Baumann war es auch, der mit der Verpflichtung von Trainer Miron Muslić nicht nur für Verwunderung sorgte, sondern vor allem die entscheidenden Weichen für diese jetzt schon herausragende Saison stellte.

Wer den Trainer am ersten Spieltag beim hart erkämpften 2:1-Sieg über die Hertha genauer beobachtete und sah, wie er mit geballten Fäusten sein Team immer wieder anstachelte und nach vorne trieb, der konnte bereits da erahnen, mit welcher Power und welchem Glauben der S04 in die Saison gegangen war. Und genau diesen Glauben hat sich die Mannschaft bis heute bewahrt.

"Ich glaube, Schalke muss in die Relegation"

Wie die Schalker die beiden Spitzenspiele der letzten Wochen in Elversberg und in Paderborn für sich auf dem Platz, trotz aller Widrigkeiten, erkämpften, hat auch alle Experten schlecht aussehen lassen, die, wie beispielsweise Torsten Mattuschka, auch nach der Hinrunde noch nicht an den Erfolg der Königsblauen glauben wollten: "Ich glaube, dass ein Großer - wahrscheinlich Schalke - in die Relegation muss."

Tatsächlich muss man sagen, dass der S04 gerade in der Hinrunde ganz oft das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite hatte und enge Spiele für sich entscheiden konnte. Doch genau das hätte die Experten wachsam machen müssen. Denn häufig sind es genau diese Teams, die am Ende gerade wegen dieser Erfolge in engen Spielen das Aufstiegsrennen für sich entscheiden.

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Funkel sah es kommen

Einer, der sich mit diesem Thema am besten auskennt, da er insgesamt siebenmal als Trainer in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen ist und damit den Rekord innehält, ist Friedhelm Funkel. Und genau der hatte nach der Hinrunde gemeint: "Wenn es keinen totalen Einbruch gibt - und den kann ich mir aktuell nicht vorstellen -, dann ist die Chance absolut da, dass Schalke nächste Saison wieder erstklassig spielt. Ich bin davon überzeugt, dass sie unter die ersten drei kommen, ich gehe von einem direkten Aufstieg aus."

Seine Begründung für diese Voraussage klang damals durchaus schlüssig: "Schalke steht bei 37 Punkten. Ich bin überzeugt: Wenn sie in der Rückrunde noch 25 Zähler holen - und das wären zwölf weniger als in der Hinrunde -, dann stehen sie bei 62 Punkten. Das sollte für den Aufstieg reichen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schalke weniger holt, weil die Defensive einfach herausragend ist. Dazu kommt ein sehr starker Torwart."

Als man dann auch noch mit Edin Dzeko zwischenzeitlich für ordentlich Wirbel in den vorderen Reihen sorgte und vor allem aber auch die Aufstiegsambitionen mit der Verpflichtung des Mannes aus Bosnien-Herzegowina unterstrich, konnte eigentlich nicht mehr viel schiefgehen - schließlich hat kaum ein anderer Klub weltweit so viele Spieler auf dem Platz stehen, die selbst große Fans des eigenen Vereins sind.

"Es gibt nichts Schöneres ..."

Stellvertretend für alle Königsblauen, die den Klub im Herzen tragen, steht Timo Becker, der voller Stolz die Binde um den Arm auf dem Rasen trägt: "Für mich ist es das Größte auf der Welt, so einen großen Klub als Kapitän zu vertreten. Das ist eine Riesenehre."

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Und genau dieser Timo Becker hat die Tage nach dem 4:1-Sieg gegen Preußen Münster etwas gesagt, das den Geist dieser unfassbar erfolgreichen Spielzeit des S04 symbolisiert: "Es gibt nichts Schöneres, als gerade für Schalke 04 zu spielen." Das "gerade" darf man in diesem Satz nicht stark genug betonen. Denn es gab noch vor nicht einmal zwölf Monaten auch ganz andere Zeiten. Und diesem Lichte mag man den Experten ihre Fehlprognosen nachsehen. Denn dass das alles tatsächlich so wunderbar in einer Saison aufgehen würde, hätten sicherlich auch viele Hardcore-Schalker genau vor einem Jahr noch nicht zu träumen gewagt.

Doch jetzt sollen sie ihren Erfolg, der aller Voraussicht nach mit dem Aufstieg gekrönt wird, erst einmal tüchtig feiern. Und ein wenig Häme gegenüber den Experten, die mit ihren Prognosen danebenlagen, darf durchaus auch sein. Denn alle wissen: Es kommen auch wieder andere Zeiten - da kann man den Moment auch einmal etwas lauter und forscher genießen!

Quelle: ntv.de

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