Nach einem verweigerten Dopingtest fordert die Nationale-Anti-Doping-Agentur (NADA) eine vierjährige Sperre für den deutschen 100-Meter-Rekordhalter Owen Ansah. Diesen Sanktionsvorschlag teilte die NADA mit. Wird er akzeptiert, reduziert sich die Dauer automatisch auf drei Jahre.
Ansah hat hat nun 20 Tage Zeit, die Feststellungen der NADA zu akzeptieren oder die Einleitung eines Disziplinarverfahrens beim Deutschen Sportschiedsgericht (DIS) zu verlangen. Ansah werde den Vorschlag der NADA allerdings "nicht akzeptieren", teilte Rainer Tarek Cherkeh, Anwalt des Leichtathleten vom Hamburger SV, in einer Stellungnahme mit: "Er fokussiert sich nun auf die anstehende Leichtathletik-EM."
Auch der Deutsche Leichtathletik Verband reagierte. "Es bleibt dabei: Der DLV hat die Organisation und Durchführung von Dopingkontrollen sowie das Ergebnismanagement und Disziplinarverfahren an die NADA abgegeben. Wir stehen gleichzeitig weiter an der Seite unseres Athleten", sagte Jörg Bügner, Vorstand Leistungssport.
Ansah wehrt sich
Ansah hatte einem NADA-Kontrolleur Anfang Juli die Abgabe einer Dopingprobe verweigert. Die NADA leitete daraufhin ein Verfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen ein. Im sportrechtlichen Ergebnismanagementverfahren wurden Verstöße gegen die Anti-Doping-Bestimmungen des Anti-Doping-Codes des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und gegen Artikel 2.3 des Nationalen-Anti-Doping-Codes (Weigerung oder Unterlassen, sich einer Probenahme zu unterziehen) festgestellt.
Ansah hatte in einer DLV-Mitteilung angegeben, der Kontrolleur habe außerhalb des von ihm angegebenen Zeitfensters für eine Kontrolle geklingelt. Weiter erklärte der in Mannheim trainierende Sprinter, er sei unter Zeitdruck gewesen und habe so kurzfristig keine Probe abgeben können, auch weil er kurz zuvor die Toilette besucht habe.
Der 25-Jährige, der im Juni die deutsche 100-m-Bestmarke auf 9,98 Sekunden verbessert hatte, wurde von der NADA wenige Tage vor Beginn der EM in Birmingham (10. bis 16. August) nicht vorläufig suspendiert. Die Sperre beginnt laut Mitteilung "erst mit dem Tag der entsprechenden finalen Entscheidung der NADA oder eines Disziplinarorgans oder mit dem Tag, an welchem die vorgeschlagene Sperre akzeptiert wurde".
Zudem sollen alle Wettkampfergebnisse Ansahs, der zuletzt in Wattenscheid zum DM-Titel gesprintet war, im Zeitraum vom Verstoß (9. Juli) bis zum Beginn einer vorläufigen Suspendierung oder Sperre annulliert werden. Der Profi vom Hamburger SV gehört zum Aufgebot für die am Montag beginnende EM in Birmingham. Dort stehen am kommenden Dienstag die 100 Meter auf dem Programm. Bei einer Medienrunde am Donnerstag hatte er keine weiteren Details genannt. "Ich habe mega Lust zu rennen. Ich freue mich sehr und bin happy, dass ich Deutschland repräsentieren kann", sagte Ansah. "Ich kann gut Sachen ausblenden." Er soll bei der EM auch über 200 Meter antreten.

