Hoffnung beim Sorgenkind

Nach Zeckendrama: Lückenkemper reist mit Zuversicht zur EM

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Gina Lückenkemper berichtete nach dem 100-Meter-Finale von einem Zeckenbiss in den Hinterkopf.
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07.08.2026 | 13:40 Uhr
2022 war Gina Lückenkemper die deutsche Heldin der Leichtathletik-EM. Nun reist sie mit gedämpften Erwartungen nach Birmingham - wegen einer Zecke.

Es gibt durchaus gute Nachrichten für Gina Lückenkemper: Die Gefahr durch den Gemeinen Holzbock, der in Europa gängigen Zeckenart, ist derzeit in den West Midlands allgemein und in Birmingham speziell sehr gering. Deutschlands Topsprinterin, gerade leidlich von einem Zeckenunfall genesen, kann zumindest in dieser Hinsicht beruhigt in ihre bislang schwierigste EM starten. Und auch generell sieht Lückenkempers Welt vor ihrem 100-m-Start am Montag wieder sonniger aus.

"Wir sind auf einem guten Weg. Ich komme immer besser wieder in meinem Körper an und fühle mich immer wohler", sagt die 29-Jährige: "Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich das Feeling über die letzten anderthalb bis zwei Wochen wieder zurückkriege. Im freien Lauf fühlt es sich richtig cool an."

Kurz vor der Abreise nach Birmingham wirkt das Sorgenkind der vergangenen Wochen gelöst-zuversichtlich. Allerdings wird es ein Trip ins Ungewisse: "Ich bin sehr gespannt, wohin die Reise gehen wird und wie sich das Ganze entwickelt." 

Umjubelter Star in München

Lückenkemper und Europameisterschaften - das ist eine Erfolgsstory. 2022 war sie in München umjubelter Star, gewann die 100 m in einem Fotofinish für die Ewigkeit, führte die Staffel zu Gold. Sechs Medaillen holte sie bei vier EM-Teilnahmen, ging nur 2024 in Rom knapp leer aus. 

Und jetzt? War nicht einmal selbstverständlich, dass Lückenkemper im Flieger nach Birmingham sitzen wird: "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich zwischendurch nicht gedacht habe: Boah, scheiß drauf!"

Wenig lief im EM-Sommer zusammen, in den sie mit einem Infekt gestartet war. Saisonbestzeit: 11,21 Sekunden, 35. in Europas Bestenliste, frustrierend für eine, die 20-jährig 10,95 gesprintet war.  

Nach holprigem Saisonstart biss sich eine Zecke - "das Haustier, das niemand haben will" - bei Lückenkemper fest und brachte ihr Nervensystem durcheinander. "Sechs Wochen ist es jetzt her, und ich habe immer noch eine kleine Beule am Hinterkopf. Wahnsinn, welchen Einfluss so eine Kleinigkeit aufs ganze System haben kann." 

Nervensystem wackelt plötzlich

Doch Lückenkemper machte es zeckenhaft, biss sich fest und durch, trat bei der DM Ende Juli in Wattenscheid an, rettete in für sie eigentlich indiskutablen 11,29 Platz drei. Einfach heilfroh, sagte sie den Tränen nahe, sei sie gewesen, "dass mein Körper heute drei Runden durchgehalten hat". Drei Rennen müsste ihr Körper auch am Montag in Birmingham packen, will sie zum vierten Mal in Serie das EM-Finale über 100 m erreichen - es wäre eine Überraschung.

Dass sie im Einzel mit ihren auch zeckenbedingten Startproblemen wahrscheinlich nicht mit Europas Topfrauen mithalten werden kann, ist ihr bewusst. In der Staffel am vorletzten Wettkampftag, dem Samstag kommender Woche, und im folgenden Mixed liegt für Lückenkemper aber die Chance, die Saison mit ihrer siebten internationalen Staffel-Medaille (nach einmal Olympia, zweimal WM, dreimal EM) zu retten.   

"Wer läuft, entscheidet der Bundestrainer", sagt Lückenkemper, der strahlende München-Star ist nicht mehr gesetzt. Aber das ist ihr im Moment eigentlich gar nicht wichtig: "Ich bin einfach nur dankbar, dass der Körper mitmacht und ich mich überhaupt auf die Bahn stellen kann."          

Verwendete Quellen: ntv.de, msc/sid