Running Back Chris Johnson war in seiner aktiven Zeit in der National Football League kaum zu halten. Schon in seiner zweiten Saison 2009 lief er für 2006 Yards und wurde damit zu einem von nur neun Spielern der Liga-Geschichte, die für mehr als 2000 Yards in einer Saison gelaufen sind. Für die Tennessee Titans wurde er damit schnell zum Star und zu einem der spektakulärsten Spieler der Liga. Jetzt trat er jedoch acht Jahre nach seinem Karriereende erneut ins Rampenlicht, um einen Schicksalsschlag zu verkünden. In der TV-Sendung "Good Morning America" erklärte er, dass er an der heimtückischen Krankheit ALS erkrankt ist.
Mithilfe eines Sprachcomputers, den er mit seinen Augen kontrolliert, sagte der 39-Jährige zu Moderator und Football-Hall-of-Famer Michael Strahan: "In meiner Familie gibt es bislang keinen ALS-Vorfall. Meine Ärzte gehen davon aus, dass es sich bei meinem Fall um sogenannte sporadische ALS handelt - die Form, unter der tatsächlich der überwiegende Großteil aller ALS‑Fälle auftritt … Das ist einer der Gründe, warum diese Krankheit so schockierend sein kann. Sie kann Menschen treffen, die niemals damit gerechnet hätten."
"Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob man das jemals wirklich ganz verarbeitet", sagte er mit Blick auf die Diagnose. "Am Anfang stehst du unter Schock. Dann wird dir klar, dass du zwei Optionen hast: Du kannst aufgeben - oder du kannst kämpfen. Ich habe mich fürs Kämpfen entschieden."
Langes Leben mit ALS ist möglich
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine schwere Erkrankung des Nervensystems, bei der nach und nach die Nervenzellen sterben, die unsere Muskeln steuern. Dadurch werden Bewegungen wie Gehen, Greifen, Sprechen und Schlucken immer schwieriger, bis am Ende oft auch die Atmung betroffen ist. ALS ist derzeit unheilbar und verläuft meist innerhalb weniger Jahre, auch wenn Tempo und Verlauf von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein können. In den USA ist diese Krankheit auch als "Lou Gehrig's Disease" bekannt, benannt nach dem legendären Baseballspieler der New York Yankees, bei dem sie im Jahr 1939 diagnostiziert worden war. Auch der weltberühmte Physiker Stephen Hawking litt an der Krankheit, an der er im Jahr 2018, über 50 Jahre nach der Erkrankung, verstarb.
Johnson, der seit der 2000-Yard-Saison den Spitznamen "CJ2K" trug, sagte, dass er erstmals Symptome spürte, als er Kraft in seinen Händen verlor und zunächst davon ausgegangen war, dass dies eine Folge seiner zehn Jahre in der NFL hätte gewesen sein können. Mit einer ALS-Diagnose jedoch habe er nie gerechnet. Zudem gab er Einblick in seinen Krankheitsverlauf. "Die Krankheit hat sich viel schneller entwickelt, als ich es mir je vorgestellt hätte. Ich möchte, dass die Menschen verstehen, wie rasend schnell ALS den eigenen Körper angreifen kann. Noch vor gut einem Jahr habe ich meine siebenjährige Tochter hochgehoben, damit sie sich beim Geburtstagskuchen etwas wünschen kann. Heute wäre ich dazu nicht mehr in der Lage."
Titans-Besitzerin Amy Adams Strunk veröffentlichte anlässlich von Johnsons Diagnose ein Statement, in der sie betonte, dass die Führungsqualitäten des ehemaligen Running Backs auf dem Feld sowie sein Einfluss in der Kabine und in der Community in Nashville ihn dauerhaft in die Geschichte dieser Franchise eingeschrieben hätten. Strunk sagte zudem, die Titans würden Johnson auf seinem weiteren Weg umfassend unterstützen.
Der Grund für die Öffentlichmachung seiner Situation ist indes, dass er auf die Krankheit aufmerksam machen wolle. Und dass er betonen will, dass er immer noch dieselbe Person wie während seiner NFL-Karriere ist: "Ich möchte, dass die Menschen wissen, dass ich immer noch ich bin. ALS hat verändert, was mein Körper leisten kann, aber es hat nicht verändert, wer ich bin", sagte er. "Menschen sehen manchmal nur die körperliche Behinderung und glauben, man sei innerlich nicht mehr derselbe. Aber ich denke immer noch wie früher. Ich habe immer noch Träume. Ich liebe meine Familie immer noch. Nur mein Körper macht nicht mehr mit."
