Der Kölner Marlin Klein wagte vor sieben Jahren die Reise ins Ungewisse, um sich den Traum vom NFL-Profi zu erfüllen. Nun ist er seinem Ziel so nah wie nie zuvor. Der 23 Jahre alte Tight End steht im Kader der Houston Texans, die in Woche 1 zu Hause auf die Buffalo Bills treffen.
"Ich liebe es hier unten und hoffe, für immer hierbleiben zu können", sagte Klein während der Vorbereitung voller Vorfreude auf die neue NFL-Saison. Der 1,98 Meter große und etwa 113 Kilogramm schwere Musterathlet fiebert einem möglichen Debüt am Sonntag (19 Uhr/live bei RTL) entgegen.
Das deutsche Football-Talent verließ 2019 sein Heimatland - mit damals noch vollkommen offenem Ausgang. "Ich bin nach Hause gegangen und habe meinen Eltern gesagt, dass ich in die USA ziehen werde. Wie ihr euch wahrscheinlich vorstellen könnt, haben meine Mutter und mein Vater mich angesehen und gedacht, ich sei verrückt", erzählte Klein.

Zwei Deutsche greifen nach den Sternen
Doch der Rheinländer hatte seinen eigenen Kopf, ließ sich von seinem Weg nicht abbringen. "Zwei Monate später saß ich in einem Flugzeug nach Atlanta im Bundesstaat Georgia. Als ich im August 2019 dort landete, stellte ich fest, dass ich überhaupt kein Englisch sprechen konnte."
Klein hatte anfangs eine "sehr einsame Zeit"
Es sei eine "sehr einsame Zeit gewesen", berichtete Klein. Fern von der Familie in einem fremden Land. "Aber es war ein Segen - und eine ziemlich außergewöhnliche Geschichte." Denn Klein verbesserte nicht nur Stück für Stück sein Englisch, sondern auch sein Spiel mit dem Ei. Erst an einer High School im US-Bundesstaat Georgia, dann bei den Michigan Wolverines im College Football, mit denen er in der Saison 2023 sogar die nationale Meisterschaft bejubelte.
Der Tight End machte durch seine Leistungen auch die NFL-Teams auf sich aufmerksam. Im Frühjahr wählten ihn die Texans an 59. Stelle im Draft aus. "Es ist schwierig für mich jetzt zu sagen, das wird in die Richtung gehen oder die Richtung gehen, aber ich bin auf jeden Fall zuversichtlich", sagte RTL/Sky-NFL-Experte Marcel Dabo, der selbst drei Jahre von 2022 bis 2025 bei den Indianapolis Colts im Trainingskader stand. In den 53-Mann-Kader schaffte er es aber nie.
"Das ist eine Wahnsinnsleistung in den 53-Mann-Kader zu kommen. Das haben nicht viele geschafft", so Dabo, der zugleich vor zu großen Erwartungen warnt. "Ich glaube, wenn wir von unserer Seite auch die Erwartungshaltung nicht so wahnsinnig hochschrauben, sondern einfach mal Schritt für Schritt das Ganze beobachten, einfach Woche für Woche. Ich glaube, dann wird das was."
Klein geht in die Saison als nominelle Nummer drei auf seiner Position hinter dem etablierten Starter Dalton Schultz und Backup Foster Moreau, den die Texans ebenfalls erst in diesem Jahr verpflichteten. Wie viel Einsatzzeit Klein zu Beginn bekommt, ist offen, zumal Houston nur in knapp 15 Prozent seiner Offensiv-Snaps im Vorjahr mehr als einen Tight End auf dem Feld hatte. Einen Platz im aktiven 46-Spieler-Kader fürs Spiel gegen die Bills, die als Mitfavorit in der AFC in die Saison gehen, sollte er damit aber in jedem Fall ergattern.

