Mit großer Vorfreude blicken die Buffalo Bills auf die Heimpremiere in ihrem neuen Highmark Stadium gegen die Detroit Lions (Freitag, 2.15 Uhr live bei RTL/Sky). Doch nicht jeder war im Vorfeld begeistert von dem 1,7 Milliarden Dollar teuren Stadion in Orchard Park/New York. Das rund 60.000 Zuschauer fassende Open-Air-Stadion wies diverse Mängel auf, die nur zum Teil wirklich solche sind.
Kaum war die übliche Kritik an der Finanzierung eines solchen Bauprojekts einigermaßen verblasst - 850 Millionen Dollar kommen vom Steuerzahler, hinzu kommen künftige Instandhaltungskosten -, rückten die ersten Eindrücke des neuen Stadions in den Fokus. In zwei Preseason-Spielen gegen die Carolina Panthers und Pittsburgh Steelers im August bekamen Fans den ersten Eindruck ihrer neuen Heimstätte. Und der fiel nur bedingt positiv aus.
Da waren vor allem die Plätze mit eingeschränkter Sicht, für die offenbar dennoch Vollpreis bezahlt werden muss. Bilder auf Social Media zeigen Sitzplätze in den oberen Rängen: Geländer, Treppenaufgänge, Kabel und Podeste verdecken von dort die Sicht. Einige Fans berichteten sogar von eingeschränkter Sicht auf Premiumplätzen in der Tribünenmitte. Die für viele zu kleinen Videowände in den Kurven sind ebenfalls ein Punkt, der Unmut und Spott hervorruft.
Doch der größte Kritikpunkt sind naturgemäß die hohen Einlasskosten. Die in den USA gängigen "Personal Seat Licenses" (PSL) schlagen dabei besonders deutlich aufs Gemüt. CNN will erfahren haben, dass die Bills je nach Sitzplatzkategorie zwischen 750 und 50.000 Dollar verlangen sollen. Zur Erklärung: eine PSL ist eine einmalige, zusätzliche Zahlung, die Fans das Recht gibt, für einen bestimmten Platz im Stadion Dauerkarten zu kaufen. Nur wer eine solche erwirbt, kann dann auch für einen weiteren hohen Betrag die entsprechende Dauerkarte kaufen. Offenbar sollen sich die Preise dafür im Vergleich zu früher etwa verdoppelt haben.
Bills bleiben trotz Kritik gelassen
Die Bills reagierten gelassen auf die laute Kritik in den sozialen Medien. Man arbeite zwar stetig an Verbesserungen des Stadionerlebnisses, habe aber lediglich von rund einem Prozent der PSL-Inhaber Kritik erhalten. Die Sitze mit eingeschränkter Sicht sollen zudem gar nicht für die PSL infrage kommen, geschweige denn für Footballspiele zum Verkauf stehen.
Skeptisch äußerten sich einige Besucher, was die Erreichbarkeit von Toiletten oder Imbiss-Ständen betrifft. Und: obwohl die Tribünen anders als beim Vorgänger-Stadion alle überdacht sind, ist Schutz vor Regen nicht unbedingt überall gegeben. Die Idee, heutzutage überhaupt noch ein Freiluftstadion im Nordosten der USA zu bauen, ist ohnehin schon fraglich, doch die Bills setzen zweifelsohne darauf, in den Playoffs durch die Witterung einen Heimvorteil zu haben - ähnlich wie die großen Division-Rivalen New England Patriots oder auch die Kansas City Chiefs, an denen man in diesem Jahrzehnt diverse Male im Januar scheiterte. Aber selbst die Chiefs werden in naher Zukunft in ein voll überdachtes Stadion wechseln.

Völlig losgelöst von Kritik der Fans, die am Ende hohe Preise bezahlen, um sich die Spiele der Bills anzusehen, hatten aber auch die Spieler ihre Mühe mit dem neuen Zuhause. Größter Kritikpunkt war dabei nach den ersten Spielen der Preseason die Rasenqualität. Teile des Belags, es handelt sich um "Kentucky Bluegrass", sollen sich gelöst haben. "Sports Illustrated" zitierte einen Experten, der vom "schlechtesten Sodenrasen" sprach, "den ich je in meiner NFL-Laufbahn gesehen habe".
Das führte sogar dazu, dass der Rasen nochmal komplett ausgewechselt und neu verlegt wurde. Angesichts der Tatsache, dass man extra von Kunstrasen im alten Stadion zu Naturrasen gewechselt ist, um den Spielern in Sachen Sicherheit entgegenzukommen, ist das kein guter Look. Auch wenn die NFL immer wieder betont, dass es keine großen Unterschiede in den Verletzungsdaten gibt, was Kunst- und Naturrasen im direkten Vergleich betrifft, hat sich die Spielergewerkschaft NFLPA zuletzt wieder deutlich zu dieser Thematik positioniert und Stimmung gegen Kunstrasen gemacht.
Das alles mag sich nicht sonderlich gut anhören. Am Ende sieht der neue Footballtempel in New York aber spektakulär aus und steht den modernen Fußballstadien Europas in nichts nach. Die Bühne für die Premiere ist mehr als angemessen. Sowohl die Bills als auch die Lions haben zum Auftakt ihre Spiele gewonnen und beide über 30 Punkte erzielt. Einem sportlichen Feuerwerk im nationalen TV - selbst wen es auf Prime Video nur im Stream zu sehen sein wird - steht damit nichts im Weg. Bleibt nur zu hoffen, dass auch jeder im Stadion das Geschehen uneingeschränkt sehen kann.

