Haarsträubender Fehler bei Remis

Das dümmste Ende der Football-Geschichte

imageVon Marcus Blumberg
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13.10.2026 | 17:28 Uhr
Die Washington Commanders verschludern einen sicheren Sieg auf unfassbare Art und Weise. Dennoch ist die Schlussphase gegen die New York Giants in Woche 5 nur der neueste Eintrag in eine bedenklich lange Liste des Versagens in der NFL.

Ein Teil der Reise ist das Ende, pflegt nicht nur ein weltberühmtes, wenn auch fiktives Genie zu sagen: der Milliardär, Playboy und Philanthrop Tony Stark aka "Iron Man". Es ist auch ein zentraler Part eines Footballspiels. Einer, mit dem sich auch hochbezahlte Trainer seit Jahrzehnten unerklärlich schwer tun. Allein in den vergangenen drei Wochen sah man in der NFL Paradebeispiele dafür, wie man es nicht macht. Nichts aber ist mit dem zu vergleichen, was sich an diesem Sonntag im Spiel der Washington Commanders gegen die New York Giants (27:27) ereignet hat.

Zuvor durften die Football-Fans bereits ein chaotisches Ende in London bestaunen. Die Philadelphia Eagles hatten die Jacksonville Jaguars durch ein Field Goal mit acht Sekunden auf der Uhr zum 17:16 am Rande der Niederlage. Was folgte, ist nur schwer zu verstehen.

Die Jaguars hatten keine Timeout mehr, ihre Möglichkeiten waren also per se äußerst begrenzt. Die Eagles entschieden sich für einen normalen Kickoff, Jake Elliott kickte den Ball bis an die 8-Yard-Linie und Ameer Abdullah trug das Leder dann spektakulär über 53 Yards bis an die 39-Yard-Linie der Eagles und ging mit genau einer Sekunde auf der Uhr zu Boden. Das Feld war bestellt für Kicker Cam Little, der seine Pflicht tat und das Ei aus 57 Yards durch die Stangen trat - 19:17 Jaguars. Game over!

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Auch Cowboys scheitern an der Taktik

Woran hat et jelegen? Natürlich hätte man nie diesen langen Return zulassen dürfen, doch rein taktisch wäre es vermutlich schlauer gewesen, den Ball in diesem Fall in die Endzone zu kicken. Die Jaguars hätten das Leder zwar an der eigenen 35 bekommen, hätten damit aber wohl nicht mehr viel anfangen können. Sie hatten keine Timeout, sodass Pässe über die Mitte sehr sicher zum Auslaufen der Uhr geführt hätten. Pässe an die Seitenlinie, um von dort ins Aus zu gehen und die Uhr anzuhalten, hätten die Eagles erwartet. Sprich: Jacksonville hätte kaum etwas machen können. Der Kickoff ins Feld gab ihnen die eine Chance, die sie brauchten.

Nur zwei Wochen zuvor im Spiel in Rio de Janeiro fanden sich die Dallas Cowboys in ähnlicher Situation: Sie hatten gerade den Ausgleich zum 31:31 erzielt und es sah alles nach einer Verlängerung aus mit nur noch sieben Sekunden zu spielen. Die Ravens hatten eine Timeout, doch ein Kickoff-Return hätte sie wohl genug Zeit gekostet, um jegliche Chance auf irgendwas vor der Verlängerung zu versuchen.

Die Cowboys jedoch entschlossen sich für den Kick in die Endzone, was den Ravens die Tür offen ließ. Sie hatten noch besagte sieben Sekunden und eine Timeout mit dem Ball an der eigenen 35-Yard-Linie. Lamar Jackson feuerte einen 27-Yard-Pass auf Zay Flowers über die Mitte. Der ging zu Boden, Timeout - mit einer Sekunde zu spielen. Kicker Tyler Loop besorgte den Rest, Field Goal aus 56 Yards, Game over, 34:31 Ravens.

In beiden Fällen kann man sagen, dass jeweils besser hätte verteidigt werden können, doch unterm Strich haben beide Head Coaches jeweils taktische Fehler gemacht - Nick Sirianni mit dem Kickoff ins Feld, Brian Schottenheimer mit dem Kickoff in die Endzone. Coaching ist essenziell im Football und beide haben ihren Teams - nicht zum ersten Mal - geschadet.

All das sind aber relativ herkömmliche Fehler in dieser Liga. Was dagegen bei den Commanders passierte, ist ein ganz anderes Level an Versagen.

Mangelnde Regelkenntnis als Ursache?

In der Verlängerung waren die Giants drauf und dran, das Spiel zu gewinnen, doch Running Back Cam Skattebo verlor den Ball und lud die Commanders damit ein, die Partie mit 1:55 Minuten auf der Uhr, doch noch zu gewinnen. Washington war dann drauf und dran, das Geschenk anzunehmen. Alle fünf Spielzüge im Anschluss brachten Raumgewinn, sodass die Hausherren letztlich an der 24-Yard-Linie der Giants angekommen waren. Sie hatten kein Timeout, aber mit noch 50 Sekunden zu spielen war das natürlich kein Problem.

An dem Punkt hätten sie vieles machen können: ihr Field-Goal-Team aufs Feld schicken, die Uhr herunterlaufen lassen und schließlich mit rund zehn Sekunden zu spiken (absichtlich auf den Boden werfen, um die Uhr zu stoppen) oder den Ball ins Aus zu feuern, um so die Uhr zu stoppen. Was Quarterback Jayden Daniels machte, war nichts davon. Er nahm den Snap, lief ein wenig herum und ging dann mitten im Feld zu Boden. Die Uhr tickte herunter und Washington hatte einen eigentlichen sicheren Sieg verschludert.

Eine wirkliche Erklärung lieferte anschließend weder Daniels noch Head Coach Dan Quinn, der auf seiner Pressekonferenz lediglich den gesamten Prozess kritisierte. Vermutlich war der gesamten Truppe einfach nicht klar, dass man in einer Verlängerung in der Regular Season nur zwei anstatt der sonst üblichen drei Timeouts pro Spiel hatte. Unglaublich, aber denkbar. In jedem Fall war es ein unverzeihlicher Fehler in einem Milliardengeschäft. Die Commanders stehen nun bei einer 1-3-1-Bilanz in dieser Saison und die Playoffs scheinen damit sehr weit weg zu sein. Sie trugen sich mit der Sequenz indes in die Annalen der Liga ein, denn nie zuvor endete ein Spiel unentschieden, wenn ein Team am Ende den Ball innerhalb der gegnerischen 25-Yard-Line hatte.

Wie man ein Spiel im Football beendet, ist fast noch wichtiger als wie man es beginnt. Die vergangenen Wochen unterstreichen mal wieder, dass sich hier die Spreu vom Weizen trennt.

Verwendete Quelle: ntv.de