Es ist zwar noch einigermaßen früh in der NFL-Saison, doch wer in den ersten Wochen schon massive Probleme aufweist und dann auch noch einen schwierigen Spielplan hat, ist nur schwer ernst zu nehmen. Derweil kristallisiert sich schon früh ein MVP-Favorit heraus, der derzeit alle anderen Kandidaten überstrahlt.
Die Patriots haben Sand im Getriebe
Zwei Spiele, zwei Touchdowns. Das ist die Ausbeute der Offense der New England Patriots nach zwei Spielen dieser Saison. Insgesamt sind es nach Elijah Ponders Fumble-Return-Touchdown gegen die Pittsburgh Steelers drei Touchdowns oder 30 Punkte, damit 15 pro Spiel. All das sind Welten entfernt von den 490 Punkten (58 TD) der Vorsaison (28,8 pro Spiel), was nur von den Los Angeles Rams getoppt wurde.
Doch woran liegt das? In erster Linie an Drake Maye, der nach seiner Beinahe-MVP-Saison nur schwer in die Saison findet. Er hat jetzt schon vier Interceptions geworfen - das ist schon jetzt die Hälfte der Vorsaison in der Regular Season. Maye hat im Schnitt 0,06 Sekunden weniger bis zum Pass und wirft auch fast zwei Yards kürzer als 2025. Nach zwei Spielen - sehr kleine Sample Size - fällt zudem auf, dass deutlich seltener auf den Receiver im Slot wirft, was sicher dazu beiträgt, dass die Patriots den Ball nicht sehr zuverlässig bewegen. Er trifft seltener sein Target und man spielt seltener Play Action.
Der Ausfall von A.J. Brown wiegt schwer, da es keinen adäquaten Ersatz gibt. Doch auch das Play-Calling von Offensive Coordinator Josh McDaniels hat bislang nicht wirklich geholfen. Er sorgt eher dafür, dass es für seine Unit noch schwerer wird mit auffällig vielen berechenbaren Läufen in frühen Downs, die dann auch nicht zum Erfolg führen, was eine Success Rate von gerade mal 34,7 Prozent unterstreicht.

Patriots und Steelers leisten sich schmerzhafte Abwehrschlacht
Umso kurioser ist es, dass das beste Play beim 20:3 über die Steelers ein Laufspielzug war. Es war der seltene Moment, in dem die Offensive Line, die Right Guard Mike Onwenu womöglich für lange Zeit mit einer Knöchelverletzung verloren hat, wirklich mal dominant geblockt hat. TreVeyon Henderson, der zwar äußerst flink, dafür aber wenig durchsetzungsfähig ist, fand die Lücke und lief zu einem 39-Yard-Touchdown. Doch das war eben auch schon die größte Tat der Offense an diesem regnerischen Tag in Foxborough.
Die Patriots stehen nun bei 1-1, werden jedoch schwierige Wochen vor sich haben. Die nächsten beiden Gegner sind die Jacksonville Jaguars (So., 19 Uhr live bei Sky Sport) und das derzeit wohl beste Team der Liga, die Buffalo Bills. Läuft es schlecht, ginge man mit 1-3 in die Saison, was einen erneuten Trip in die Playoffs merklich erschweren würde. Es ist noch früh, doch auch angesichts des jetzt schon prall gefüllten Lazaretts - am Sonntag kamen bis zu fünf Spieler des erweiterten Stamms hinzu - könnte dies eine lange Saison werden.
Die Chargers sind verloren
Prediction Markets und Buchmacher waren sich relativ einig: die Los Angeles Chargers sind einer der größeren Super-Bowl-Favoriten in dieser Saison. Und es sprach ja auch wenig dagegen. Die Chargers haben sich endlich von ein paar Altlasten im Coaching Staff getrennt und mit Mike McDaniel einen hochveranlagten und kreativen Offensive Coordinator an Land gezogen. Die zwei Superstar-Tackles Rashawn Slater und Joe Alt kamen zudem von langen Verletzungspausen zurück, während die Defense weitestgehend zusammengehalten wurde.
Was genau sollte also schiefgehen? Wie sich herausstellt, so einiges. Schon vor dem Start der Saison verloren die Chargers Center Tyler Biadasz, der mit einem Kreuzbandriss die Saison verpassen wird. Entsprechend musste schon sehr früh umgestellt werden in der Offensive Line, die schon sehr lange die Achillesferse dieses Teams ist. Rookie-Guard Jack Slaughter wechselte auf Center, sodass Karriere-Backup Kayode Awosika nach vier Jahren in Detroit plötzlich zum Starting Left Guard wurde. Zu allem Überfluss sah man es auch als gute Idee an, den bislang durch die Bank und vielerorts enttäuschenden Cole Strange zum Right Guard zu machen.
Woche 1 verlief ernüchternd. Man blamierte sich zuhause gegen die Arizona Cardinals, Running Back Omarion Hampton verlor einen Fumble und Justin Herbert warf eine Interception, während man ganze 14 Punkte erzielte und keine 400 Yards produzierte. Nun in Woche 2 wurde es nicht besser: die Bolts blamierten sich zuhause gegen die Las Vegas Raiders, Hampton verlor einen Fumble - insgesamt Fumble man sechsmal, wobei nur einer zum Turnover führte - und Herbert warf dieses Mal sogar zwei Interceptions. Erneut erzielten die Chargers ganze 14 Punkte und ließen Kirk Cousins (253 YDS, 3 TD, INT) fast schon wie in besten Zeiten aussehen.

Chargers machen Fehlstart gegen Raiders perfekt
Das wirklich niederschmetternde an diesem Tag jedoch war die Vorstellung vom eigentlichen Star dieser Offensive Line, Joe Alt. Der nämlich ließ nicht nur zwei Pressures zu (zweitmeiste des Teams), er leistete sich auch vier Penalties, wobei die letzte einen Safety zur Folge hatte.
Unterm Strich haben die Chargers damit ihre ersten beiden Saisonspiele zuhause gegen die Teams mit dem dritten respektive ersten Pick im vergangenen Draft verloren. Und die nächsten vier Gegner sind die Bills, Seahawks, Broncos und Chiefs, wobei nur die Broncos nicht in der Ferne warten. Läuft es dumm, sprechen wir hier von einem 0-6-Start, was einem Desaster gleichen würde.
Geht man nun auf Ursachenforschung, bleibt man letztlich am Passspiel hängen, denn überraschend könnte Herbert eines der größten Probleme sein. Er steht nicht sonderlich häufig unter Druck (36,4 Prozent Pressure Rate) und wird auch nicht geblitzt (22,7 Prozent Blitz Rate). Und dennoch sind seine Pässe meist ungenau, obwohl sie in fast der Hälfte der Zeit kurz (bis zu 9 Air Yards) geworfen werden. Ist das reparabel? Sicherlich. Doch angesichts des Spielplans läuft ihnen an der Westküste schon früh die Zeit davon, um noch den Turnaround zu schaffen.
Josh Allen Superstar
Gibt es aktuell einen Quarterback, der besser spielt als Josh Allen? Nein! Allen legt gerade ein unglaublich hohes Niveau an den Tag und das sowohl als Passer als auch als Runner. Er hat jetzt schon fünf Touchdown-Pässe und vier Rushing Touchdowns auf dem Konto. Ganz nebenbei bemerkt hat er nun 83 Rushing Touchdowns in der NFL seit 2018 erzielt und belegt damit jetzt schon Rang 18 in der Geschichte der NFL - vor Hall-of-Fame-Running-Back (!) wie Edgerrin James (80), Tony Dorsett (77) oder Earl Campbell (74) - er ist gleichauf mit Jim Taylor. All das ist völlig verrückt.

Das macht Bills-QB Josh Allen so gut in dieser Saison
Was besonders beeindruckt, ist, wie er gerade in seiner Kerndisziplin als Quarterback spielt. Und zwar in der Pocket. Er sieht das Feld und die gegnerische Defense derzeit wie kaum jemand sonst. Und er macht das in einem beeindruckenden Tempo. Er braucht im Schnitt nur 2,85 Sekunden bis zum Wurf. Das ist zwar nicht ultraschnell nach zwei Spielen, aber auch nicht wirklich viel Zeit im Liga-Vergleich. Er tut dies bei einer durchschnittlichen Passtiefe von 10,84 Yards, was derzeit nur von Malik Willis (11,44) und Lamar Jackson (10,94) getoppt wird. Wir reden hier also nicht von Sicherheitspässen.
Seine ganze Range zeigte er gerade beim starken 41:31-Erfolg über die Detroit Lions, als er scheinbar immer die richtige Antwort auf alle möglichen Fragen hatte. Es ist noch früh in der Saison, aber in der Form blickt die NFL nicht nur auf Allens zweite MVP-Saison, sondern womöglich auch auf den noch fehlenden Schritt in seiner bislang im Januar und darüber hinaus unvollendeten Karriere.
