Nach vier Wochen ist schon fast das erste Viertel der NFL-Saison 2026 hinter uns. Zeit für einen ersten Blick auf das Kräfteverhältnis in der Liga.
Anders als in herkömmlichen Power Rankings schauen wir dieses Mal aber nicht explizit auf jede einzelne Position, sondern betrachten eher die einzelnen Klassen der Teams, da es erfahrungsgemäß zu früh ist, um genau zu sagen, wer denn nun das aktuell beste Team ist, zumal eigentlich alle teils kapitale Schwächen aufweisen.
Das schlechteste Team der NFL
Miami Dolphins (Bilanz: 0-4)
Die Dolphins stehen hier allein. Sie haben den schlechtesten Kader der gesamten Liga und jüngst auch noch ihren einzig unterhaltsamen Spieler in Running Back De'Von Achane mit einem Kreuzbandriss verloren. Sie sind der Favorit auf den ersten Pick im kommenden Draft.
Die anderen schlechten Teams
Tennessee Titans (0-4)
Arizona Cardinals (1-3)
New York Jets (1-3)
Egal, was die Titans versuchen, sie stehen sich im Zweifel einfach auch selbst im Weg. Sie machen zu viele Fehler und haben schon jetzt jegliche Anfangseuphorie verspielt. Man wird Geduld haben müssen. Die Cardinals zeigen sich zwar offensiv zuweilen durchaus brauchbar, haben jedoch eine weiterhin löchrige Defense und sind nicht wirklich für Shootouts gerüstet in einer der härtesten Divisions der Liga. Und die Jets? Bei denen ist die Euphorie des Auftaktsiegs auch schon wieder verflogen. Sie sind zwar der nächsten Gruppe näher gekommen, haben aber noch keine Argumente geliefert, dass sie dieser schon angehören sollten.

Teams unter Durchschnitt
Cleveland Browns (3-1)
New York Giants (3-1)
Carolina Panthers (2-2)
Atlanta Falcons (2-2)
Washington Commanders (1-3)
New Orleans Saints (1-3)
Houston Texans (0-4)
Los Angeles Chargers (0-4)
Tampa Bay Buccaneers (0-4)
Es spricht nicht unbedingt für das Gesamtniveau der NFL, dass sich hier so viele Teams tummeln, doch kann man ruhigen Gewissens den Tabellenführer der AFC North, die Browns, als mehr als unteren Durchschnitt betrachten? Die Ergebnisse mögen dies suggerieren, doch ist gerade die Offense mit Deshaun Watson meist nur ein Papiertiger. Sie haben eine negative Punktedifferenz, was in aller Regel nicht zu einer positiven Bilanz am Ende führt.
Die Giants hatten bei ihren letzten Siegen viel Glück und werden noch einiges Chaos durch Jameis Winston als Quarterback erleben. Die Panthers und Falcons sind gerade im Aufwind, spielen aber auch in der schwächsten Division des Landes. Die Saints auch, doch die scheinen bis auf gute Ansätze wenig Substanz zu haben, zumal man Quarterback Tyler Shough, der die Mitte des Feldes wie der Teufel das Weihwasser meidet, vielleicht etwas überschätzt. Und die Commanders müssen hoffen, dass Jayden Daniels schnell zurückkehrt.
Bleiben noch die der sieglosen Teams der Gruppe: Die Texans wurden bislang von ihrer hochgelobten Defense im Stich gelassen, die Chargers haben erneut etliche Ausfälle in der Offensive Line und Offensive Coordinator Mike McDaniel scheint am Ende doch nicht die Lösung zu sein. Und die Bucs müssen ohne Baker Mayfield auskommen, waren davor aber schon recht trostlos unterwegs, obwohl sie Potenzial für mehr hätten.
Der Inbegriff des Durchschnitts
Pittsburgh Steelers (2-2)
Dieses Team schwankt Woche für Woche zwischen kompetent und unterirdisch. Die Defense ist weiter schwer zu bespielen, doch die Offense gleicht einer Wundertüte. Aaron Rodgers wirft manchmal im Schnitt keine vier Yards pro Pass, hat damit aber Erfolg. Oder er wirft tiefer und verliert. Es fehlt jegliche Konstanz. Die Steelers spielen wie die Steelers der letzten Jahre, nur, dass nun Head Coach Mike McCarthy vor der Aufgabe steht, am Ende nicht weniger Siege als Niederlagen zu haben, was sein Vorgänger Mike Tomlin stets geschafft hat.
Teams über Durchschnitt
Chicago Bears (3-1)
New England Patriots (2-2)
Philadelphia Eagles (2-2)
Dallas Cowboys (2-2)
Minnesota Vikings (4-0)
Las Vegas Raiders (3-1)
Green Bay Packers (2-2)
Detroit Lions (2-2)
Dallas Cowboys (2-2)
Indianapolis Colts (2-2)
Dass hier die komplette NFC North versammelt ist, sagt schon einiges. Diese Teams werden sich am Ende gegenseitig die Siege nehmen. Die Bears sollte man hier jedoch ganz oben ansiedeln und Ben Johnson zum Coach of the Year wählen, denn er hat nun drei Spiele mit drei verschiedenen Quarterbacks gewonnen, "in this Economy"!
Die Vikings sind ungeschlagen, obwohl ihre Offense im Grunde nun schon mehrere Spiele Pause hatte und Brian Flores' Defense den Weg ebnete. Allzu nachhaltig scheint das nicht zu sein. Die Lions und Packers sind hier derweil hauptsächlich des Potenzials wegen, nicht, weil sie so konstante Leistungen bisher gezeigt hätten. Beide zeichnen sich vor allem durch enormes Verletzungspech aus.
Ansonsten stottert im Osten der NFC wahlweise die Offense (Eagles) oder die Defense (Cowboys). Die Patriots wiederum spielen weiter gute Defense, haben am Sonntag in Buffalo aber erstmals auch offensiv wieder produziert, was mit leichter werdendem Spielplan ein gutes Zeichen ist. Zudem kommt Star-Receiver A.J. Brown in den kommenden Wochen auch zurück. Was die Raiders betrifft, ist der Start beeindruckend, doch sollte man Kirk Cousins und Co. noch nicht blind vertrauen. Bei den Colts ist es so, dass sie an guten Tagen glänzen können, sie aber nicht gut genug sind, um an schlechten zu überleben.

Chiefs gewinnen NFL-Krimi gegen die Raiders
Der Verfolgerkreis
Jacksonville Jaguars (3-1)
Denver Broncos (3-1)
Cincinnati Bengals (2-2)
Baltimore Ravens (3-1)
Die Jaguars führen die AFC derzeit mit einer Punktedifferenz von +51 an und lassen zudem die wenigsten Punkte (53) zu. Für ganz oben reicht es aber noch nicht, dazu waren die Gegner bislang noch nicht stark genug und man verlor bereits gegen die Broncos. Jene haben den Start verpatzt und spielen offensiv noch zu oft zu zahnlos, um ganz oben anzugreifen.
Die Bengals sind gut in die Saison gestartet, haben nun aber schon zwei Spiele am Stück verloren. Die Defense scheint aber endlich stabilisiert zu sein. Und die Ravens gehören eigentlich in die Beletage dieser Liste, oder? Eigentlich schon, doch wirken sie weiter nicht sattelfest genug. Ihr Pass Rush bleibt suspekt und sollte Lamar Jackson länger ausfallen, wäre dies ein schwerer Schlag.
Die Favoriten
San Francisco 49ers (4-0)
Kansas City Chiefs (4-0)
Seattle Seahawks (3-1)
Buffalo Bills (3-1)
Los Angeles Rams (2-2)
Allen (schweren) Verletzungen zum Trotz haben die Niners einen perfekten Saisonstart hingelegt. Das Offensiv-Scheme von Head Coach Kyle Shanahan funktioniert hervorragend und produziert die meisten Punkte der NFC (122) und die Defense hält ebenfalls meist dicht. Die Seahawks sitzen ihnen jedoch dicht im Nacken und scheinen auch wenig von der starken Form des Vorjahres eingebüßt zu haben. Sie bleiben oben dran und gewannen selbst mit Backup-Quarterback Drew Lock.
Die Rams wiederum kommen verletzungsbedingt nur schwer in Tritt, der Comeback-Sieg in Philly war jedoch ein deutliches Ausrufezeichen. Die größten Stars werden zudem in einigen Wochen zurück sein, sodass hier noch einiges möglich ist.
Was die AFC angeht, hatten die Bills nun ihren ersten echten Patzer - ausgerechnet gegen New England - und durften davor schon von Glück reden, dass sie nicht etwa in Houston (fallengelassene Interception am Ende) verloren haben. Sie sind zumindest mal unter Beobachtung, auch wenn sie einen MVP-Kaliber-QB haben. Und die Chiefs? Die hatten bis hierhin den leichtesten Spielplan der Liga laut Football Power Index von ESPN. Jetzt folgt der fünftschwerste für den Rest der Saison. Die bisherigen Leistungen sind stark, doch die Prüfungen kommen erst noch.
