Alexander Zverev umklammerte seinen silbernen Trostpreis und holte sich den aufmunternden Applaus von Bundeskanzler Friedrich Merz ab. Bei der Siegehrung mit Prinzessin Kate auf dem "Heiligen Rasen" von Wimbledon konnte der deutsche Tennisstar trotz aller Enttäuschung schnell wieder lachen. "Ich mag dich irgendwie nicht mehr", sagte der Hamburger mit einem Augenzwinkern in Richtung seines Angstgegners Jannik Sinner, der Zverevs Traum vom prestigeträchtigsten aller Tennis-Titel hatte platzen lassen.
Zverev verlor in einem spannenden Finale 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6 gegen den neuen und alten Champion Sinner, kassierte seine bereits zehnte Niederlage in Serie gegen den Dominator aus Südtirol. "Leider hat es nicht geklappt. Herzlichen Glückwunsch an dich, Jannik", fügte Zverev an, dabei hielt er die Silberschale des Zweitplatzierten in der Hand. "Er hat wieder gezeigt, warum er der beste Spieler der Welt ist. Es war schön, den Centre Court mit dir geteilt zu haben. Es ist eine große Ehre, hier zu sein."
Sinner für Zverev unschlagbar
Nach seinem Befreiungsschlag in Paris war Zverev mit einem neuen Selbstvertrauen und "anderem Gefühl" nach Wimbledon gereist. Zu dem Grand Slam, bei dem er bislang immer so verzweifelt war und es nie weiter als das Achtelfinale geschafft hatte. In diesem Jahr hatte Zverev dann zunächst alle Herausforderung kompromisslos aus dem Weg geräumt, auch seine Rasenallergie konnte ihn bei der Jagd nach dem nächsten Coup lange nicht stoppen - bis der Weltranglistenerste Sinner auf dem heiligsten aller Tennisplätze alle Träume von Zverev platzen ließ. Für den Deutschen war es die vierte Niederlage im fünften Major-Finale.
Zverev wäre der erste Spieler in der Open Era (seit 1968) gewesen, der nach seinem ersten Titel direkt beim folgenden Grand Slam den zweiten Sieg gefeiert hätte. Der 29-Jährige wäre zudem der 14. Spieler in der langen Geschichte des Sports gewesen, dem innerhalb weniger Wochen der "Ärmelkanal-Slam" mit dem Titel-Doppelpack in Frankreich und England gelungen wäre.
Als Trostpreis darf er sich zumindest über den Sprung auf Rang zwei der Weltrangliste, der ihm mit dem Einzug in das Endspiel gelungen war, und über ein stattliches Preisgeld in Höhe von umgerechnet 2,11 Millionen Euro freuen. Sinner meldete sich derweil nach seinem schockierenden Zweitrundenaus bei den French Open eindrucksvoll zurück und erhielt für seinen fünften Major-Titel umgerechnet 4,22 Millionen Euro.
Neben Kate und William mit Sohn George und Tochter Charlotte wollte sich auch Bundeskanzler Merz das Spektakel live aus der Royal Box ansehen. "Es ist schon etwas Besonderes und ich hoffe, dass es dem deutschen Tennis auch wieder ein bisschen Aufschwung gibt", sagte der CDU-Politiker unmittelbar vor Beginn bei Prime Video.
Schreckmoment für Zverev
Während Zverev bei windigen Bedingungen sofort mit seinem brachialen Service die Muskeln spielen ließ, fand Sinner nicht direkt sein höchstes Niveau. Die Entscheidung fiel aber erst im Tiebreak, in dem Zverev mit einem donnernden Vorhandwinner nach 14 verlorenen Durchgängen in Serie endlich wieder einen Satz gegen Sinner gewann - und anschließend seine Freude hinausbrüllte. Auch im zweiten Satz ging es über die volle Distanz, hier behielt aber nun Sinner die Oberhand.
Der Italiener war jetzt voll da. Trotzdem erspielte sich Zverev eine Breakchance - und erlebte einen großen Schreckmoment, als er ausrutschte, sein Knie überstreckte und mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen lag. Sinner ging sofort zu seinem Kontrahenten, der glücklicherweise weiterspielen konnte. Doch Zverevs Körpersprache war nun schlecht, und als er das erste Break des Matches kassierte, warf er wütend seinen Schläger auf den Boden. Im vierten Satz konnte er die drohende Niederlage dann nicht mehr verhindern.
