Wirtschaft

Kurssturz im TecDax Apple-Plan schockiert Dialog-Anleger

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picture alliance / Lino Mirgeler

Was passiert, wenn sich der Hauptkunde anderweitig umschaut? Ein Zeitungsbericht aus dem fernen Japan löst unter Anlegern im TecDax tiefe Verunsicherung aus. Die Aktien des Apple-Zulieferers Dialog Semiconductor fallen tiefrot in die Verlustzone.

Dem im TecDax notierten Chipentwickler Dialog Semiconductor drohen unsichere Zeiten. Einem Bericht des japanischen Wirtschaftsblattes "Nikkei" zufolge könnte der US-Technologieriese Apple seine Geschäftsbeziehungen zurückfahren, sollte der iPhone-Hersteller tatsächlich in die Chip-Eigenproduktion einsteigen. Apple ist für Dialog Semiconductor der mit Abstand wichtigste Kunde.

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Das Unternehmen sieht seine Geschäftsbeziehung zu Apple kurzfristig nicht durch etwaige Chip-Pläne bei Apple beeinträchtigt. Dialog habe keinen Anlass, die Geschäftserwartungen mit Apple im kommenden Jahr in Frage zu stellen, erklärte das deutsch-britische Unternehmen.

Dialog Semiconductor-Chef Jalal betonte in einer Telefonkonferenz zwar, 2018 werde es keine Beeinträchtigungen geben. "Wir sehen derzeit keine Veränderung in unserer Geschäftsbeziehung zu Apple." Für 2019 wagte Bagherli aber noch keine Prognose.

Die japanische Zeitung hatte Ende vergangene Woche unter Berufung auf Insider berichtet, Apple wolle künftig mehr wichtige Bauteile für seine Produkte im eigenen Haus entwerfen. Die Sorge um dadurch schwindende Großaufträge sorgte bei Dialog bereits vor dem Wochenende für einen herben Kurssturz: Im Freitagshandel büßten die Dialog-Aktien bis zu 22 Prozent an Wert ein.

Zu Wochenbeginn setzt sich die Talfahrt an der Börse fort. Bis zum Mittag lagen die Dialog-Aktien gut 16,1 Prozent im Minus und notierten damit bei 26,14 Euro. Das bisherige Tagestief liegt bei 25,17 Euro. In der vergangenen Woche hatte sich der Kurs noch auf einem Kursniveau von rund 38 Euro bewegt.

"Unverändert stark"

Dialog betonte, Apple auch weiterhin mit Produkten für eine Reihe von Plattformen zu beliefern. "Die Geschäftsbeziehungen zum größten Kunden bleiben unverändert stark", hieß es in einer Stellungnahme zum "Nikkei"-Bericht. Bisher entwickelt Dialog vor allem die relativ teuren Stromsteuerungschips für Smartphones. Analysten zufolge macht das Unternehmen mit Sitz in Reading westlich von London gut 70 Prozent seiner Umsätze mit Aufträgen von Apple.

Wie es im "Nikkei"-Bericht heißt, arbeitet Apple bereits an eigenen Power-Management-Chips (PM-Chips), die ab dem nächsten Jahr in iPhones verbaut werden sollen. Apple wolle damit die Abhängigkeit von Dialog verringern. Analysten von Credit Suisse zufolge stammen die fraglichen Chips, die Apple in seinen iPhones, iPads und der Apple Watch zur Stromsteuerung verbaut, bisher nahezu ausschließlich von Dialog Semiconductor.

Hauptlieferant für PM-Chips

Auswirkungen auf das Geschäft mit Apple im kommenden Jahr seien derzeit nicht abzusehen, heißt es dazu bei Dialog Semiconductor. Selbst wenn Apple eigene Kapazitäten im Bereich der PM-Chips aufbauen sollte, dürfte Dialog weiterhin Hauptlieferant für diese zentralen Bauteile bleiben.

Für Apple stellt der Schritt offenbar Teil einer größeren Strategie dar. Wie die "Nikkei"-Autoren unter Berufung auf Branchenkreise schreiben, will Apple seine Halbleiter-Expertise grundsätzlich ausbauen, um in zukunftsweisenden Technologien wie beispielsweise Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) besser mit Wettbewerbern konkurrieren zu können.

Apple setzt auf eigene Hardware

Bereits im Frühjahr waren Gerüchte aufgekommen, wonach Apple als wertvollster Technologiekonzern der Welt stärker ins Chipgeschäft einsteigen könnte. Dies würde es Apple laut Analysten ermöglichen, Software und Hardware besser aufeinander abzustimmen und vorn dabei zu sein, wenn es beispielsweise um die Integration von KI-Anwendungen geht.

Im Smartphone-Markt ist derzeit Samsung der wichtigste Rivale von Apple. Der südkoreanische Technologieriese sind in diesem Bereich längst Chip-Marktführer. Durch die stark verschärfte Konzentration im Handy- und Tabletsektor sind Zulieferer in der Regel stark abhängig von den größten beiden Akteuren Apple und Samsung.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/rts

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