Wirtschaft

Expertin: "Too big to fail" Credit Suisse will beruhigen - und erreicht das Gegenteil

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Credit Suisse steckt im Konzernumbau - und sieht sich gezwungen, Anleger und Mitarbeiter zu beruhigen.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Für die Credit Suisse geht es seit Tagen an der Börse bergab. Anleger hegen Zweifel, dass die Schweizer den Umbau der Bank ohne Kapitalerhöhung gestemmt bekommen. Ein Beschwichtigungsversuch steigert die Bedenken nur noch. Inzwischen werden Erinnerungen an die Finanzkrise 2007 wach.

Die Schweizer Großbank Credit Suisse kämpft um das Vertrauen von Anlegern und Mitarbeitern. In einem Memo an die Belegschaft und in einer Reihe von Telefonaten mit Investoren am Wochenende hat sie Kreisen zufolge versucht, die Befürchtungen über eine nicht ausreichende Kapitalstärke zu zerstreuen. An den Märkten allerdings sorgte dies für keine Beruhigung. "Das hat die Unsicherheiten erst so deutlich nach außen getragen und genau das Gegenteil der eigentlich beabsichtigten, beruhigenden Wirkung erreicht", sagt ein Händler. In der Folge setzt sich die Talfahrt der Aktie fort: Das Credit-Suisse-Papier verlor in Zürich zwischenzeitlich mehr als neun Prozent und büßte damit in den vergangenen Wochen fast ein Drittel seines Wertes ein.

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Und dem Sog können sich längst nicht mehr alle entziehen: Anleger flüchten auch aus dänischen Finanzwerten. Die Aktien von Jyske Bank, Sydbank und Danske Bank fielen in Kopenhagen jeweils rund fünf Prozent. "Noch ist es zwar noch nicht so weit, aber Investoren befürchten, dass wir eine neue Finanzkrise bekommen, wo sich die Akteure an den Märkten gegenseitig nicht mehr trauen", sagt Analyst Per Hansen vom Brokerhaus Nordnet. In Deutschland verloren im Tagesverlauf Deutsche Bank und Commerzbank jeweils mehr als 2,5 Prozent.

Die Citigroup spricht bei Credit Suisse inzwischen von einem "Kauf für Mutige". Der Markt scheine eine stark verwässernde Kapitalerhöhung einzupreisen. Ein solcher Schritt sei allerdings keinesfalls eine ausgemachte Sache und daher argumentiere die Citigroup, dass CS auf diesem Niveau ein Kauf sei, aber die Schlagzeilen würden wahrscheinlich negativ bleiben. Die aktuelle Entwicklung der Spreads wird von der Citigroup weniger als Liquiditätssorge angesehen, sondern vielmehr als Unannehmlichkeit für die Refinanzierungskosten und für das Privatbanking. Bei diesem bestehe aufgrund der negativen Schlagzeilen in den Medien das Risiko weiterer Abflüsse.

Auf Basis der Zahlen für das zweite Quartal betrachte er die Kapital- und Liquiditätslage des Instituts als gut, betonte Analyst Kian Abouhossein von der US-Bank JP Morgan. Der Anstieg der CDS müsse im Kontext der unsicheren Konjunkturaussichten gesehen werden. Auch für andere Geldhäuser hätten sich die Ausfallversicherungen zuletzt verteuert. Erste Experten erinnern bereits an 2007, als sich die Finanzkrise zusammenzubrauen begann.

Kann die Bank den Umbau bezahlen?

Credit Default Swaps (CDS) sind Derivate, mit denen sich Anleger eindecken, wenn sie sich gegen die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens absichern wollen. Die verschlechterte Marktlage deutet darauf hin, dass es der Credit Suisse schwerfallen könnte, bei einer Kapitalerhöhung die geplante Restrukturierung zu bezahlen.

Insider sagten, es habe aber keine formelle Anfrage an die Aktionäre für eine Kapitalerhöhung gegeben. Die Credit Suisse kündigte Ende Juli an, dass sie ihre Investmentbank umgestalten und einige andere Geschäftsbereiche aufgeben will. Ziel ist ein schlankeres, weniger risikoreiches Institut, nachdem im vergangenen Jahr Debakel wie Archegos Capital Management der Bank einen Schaden von 5,1 Milliarden US-Dollar beschert hatten.

Die Schweizer verfügen über ein großes inländisches Geschäft, das alle Arten von Kunden bedient und konkurriert weltweit in den Bereichen Vermögensverwaltung, Investment Banking und Asset Management. Die Aktien der Bank werden seit Jahren unter dem Buchwert gehandelt, einer von Anlegern häufig beachteten Kennzahl, da verschiedene Führungsteams darum kämpften, die Probleme innerhalb der Bank in den Griff zu bekommen.

Bankchef verweist auf großen Kapitalpuffer

In dem Memo an die Mitarbeiter wies Bankchef Ulrich Körner darauf hin, dass sich die Bank in einer kritischen Phase befinde, bevor am 27. Oktober ein Strategie-Update vorgelegt wird, in dem die Pläne für die Investmentbank umrissen werden sollen. Körner erklärte den Mitarbeitern, diese sollten die Entwicklung des Aktienkurses nicht mit der Kapitalstärke und Liquidität der Bank verwechseln. In den am Sonntag aktualisierten Gesprächsleitfäden für ihre Banker und Kundenbetreuer erklärte die Credit Suisse, sie verfüge über einen Kapitalpuffer von nahezu 100 Milliarden US-Dollar und rechne für den Rest des Jahres weiterhin mit einer Eigenkapitalquote von 13 bis 14 Prozent für ihr hartes Eigenkapital.

Eine Pleite der Credit Suisse sei nach wie vor sehr unwahrscheinlich, wie Swissquote-Analystin Ipek Ozkardeskaya urteilt. Die Bank sei "too big to fail", sagt sie. Es sei wahrscheinlicher, dass die Credit Suisse ein Übernahmeziel werde oder dass die Schweizer Regierung einspringe, um sie vor der Implosion zu retten, sagte Ozkardeskaya. Der neue Vorstandschef könnte aber auch die Bank im Rahmen der für Ende Oktober geplanten strategischen Überprüfung so stärken, dass sie bis zum nächsten Skandal überleben könnte, meint sie.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts

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