Wirtschaft

Bürger sollen Währung vertrauen Erdogan: Ohne Lira "zum Untergang verurteilt"

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Erdogan verteidigt erneut die unorthodoxe Niedrigzinspolitik des Landes.

(Foto: REUTERS)

Angesichts der Währungskrise in der Türkei ruft Präsident Erdogan die Bevölkerung auf, der heimischen Lira wieder Vertrauen zu schenken. Ersparnisse sollten behalten und Geschäfte in der Landeswährung abgewickelt werden. Hintergrund ist ein zuletzt rasanter Kursverlust der Lira.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, an ihren Ersparnissen in türkischer Lira festzuhalten. "Ich möchte, dass alle meine Bürger ihre Ersparnisse in unserer eigenen Währung behalten und alle ihre Geschäfte in unserer eigenen Währung abwickeln", sagte er bei einer Rede in Istanbul. "Vergessen wir nicht: Solange wir nicht unser eigenes Geld als Maßstab nehmen, sind wir zum Untergang verurteilt. Die türkische Lira, unser Geld, das ist es, mit dem wir vorwärtsgehen werden. Nicht mit dieser oder jener Fremdwährung."

Türkische Lira / Euro
Türkische Lira / Euro ,05

Erdogan forderte die Bevölkerung zudem dazu auf, Goldersparnisse ins türkische Bankensystem einzuspeisen. "Je mehr von den 5000 Tonnen, die unter den Kissen aufbewahrt werden, in die Wirtschaft eingebracht wird, umso mehr erstarken wir als Land und als Volk." Nach offiziellen Daten halten die Bürger der Türkei etwa die Hälfte ihrer Ersparnisse in Gold und Fremdwährungen. Hintergrund ist die Inflation - im November mehr als 21 Prozent - gepaart mit einem Vertrauensverlust in die heimische Lira. Diese verlor 2021 etwa 44 Prozent an Wert zum Dollar. Es ist die zweite Währungskrise in der Türkei seit 2018 und der schlimmste Rückgang in einem Jahr seit dem Beginn der Ära Erdogan vor fast zwei Jahrzehnten.

Den Grund für die Währungskrise und starke Teuerung sehen Experten auch in der unorthodoxen Geldpolitik der türkischen Zentralbank. Diese hat auf Drängen von Erdogan ihren Leitzins wiederholt gesenkt, obwohl Ökonomen eine Anhebung für die geeignete Antwort halten. Erdogan bekannte sich erneut zu dem Ansatz: "Wir haben gekämpft, um die Wirtschaft aus dem Kreislauf von hohen Zinsen und hoher Inflation zu retten", sagte er. Er bemühte auch erneut den Koran, um seine Niedrigzinspolitik zu verteidigen. Der Islam verbietet sehr hohe Zinssätze oder Spargewinne und Wucher, so Erdogan. Gelehrte sind allerdings gespalten in der Frage, wie ein angemessener Gewinn formuliert werden kann.

Quelle: ntv.de, kst/rts/dpa

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