Wirtschaft

Grenzchaos auf britischer Insel Erste Logistiker stoppen EU-Lieferungen

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Slow, langsam, geht es an der britisch-französischen Grenze derzeit voran.

(Foto: REUTERS)

Die neuen Importbedingungen der EU sorgen für Frust auf der britischen Insel. So muss das Logistikunternehmen DPD derzeit jedes fünfte Paket an den Absender zurückschicken, weil notwendige Papiere fehlen. Besserung ist nach Angaben der britischen Regierung vorerst nicht in Sicht.

Eine wachsende Zahl von Logistikunternehmen hat seine Lieferungen von Großbritannien in die EU zurückgefahren oder eingestellt. Hintergrund seien neue Grenzkontrollen und Importsteuern, berichtet der "Guardian". So kündigte der bekannte Kurierdienst DPD auf seiner Webseite an, dass er seine Straßenlieferungen von der britischen Insel nach Europa "pausieren" werde. Das gelte auch für Lieferungen von Nordirland nach Irland.

Nach Angaben von DPD verzögern die neuen Importbedingungen für Pakete die Lieferzeiten deutlich, falls sie überhaupt zugestellt werden können: Jedes fünfte Paket müsse derzeit an den Absender zurückgeschickt werden, weil die benötigen Papiere falsch oder unvollständig seien, erklärte das Unternehmen. Problematisch seien zudem durch lange Staus verursachte Verzögerungen an britischen Häfen. Demnach will DPD ab Mittwoch wieder auf das europäische Festland ausliefern.

Besserung ist vorerst allerdings nicht in Sicht. Der britische Staatssekretär für Kabinettsangelegenheiten, Michael Gove, erklärte, dass er aufgrund der neuen Einfuhrbedingungen weitere Verzögerungen an den Grenzen erwartet. Davon werde vor allem die Route vom englischen Dover ins französische Calais betroffen sein, sagte er im britischen Fernsehen. Die Regierung müsse ihre "Kommunikationsbemühungen verdoppeln", damit jedes Unternehmen wisse, welche Papiere für einen reibungslosen Handel notwendig seien.

Zölle, obwohl zollfrei

Großbritannien war zum Jahreswechsel nach einer Übergangszeit von elf Monaten aus dem EU-Binnenmarkt ausgetreten und hatte den Brexit damit endgültig besiegelt. Am 1. Januar trat das Post-Brexit-Abkommen in Kraft, das zahlreiche Handels- und Zollfragen regelt. Auch Lebensmittel und Kleidung gelten nach wie vor als zollfrei, doch gibt es zahlreiche Ausnahmen. So haben Textilhändler große Schwierigkeiten, weil deren Waren häufig in Asien hergestellt werden. Dem an Heiligabend vereinbarten Handelspakt zufolge fallen für Kleider und Accessoires neuerdings Zölle an, wenn sie zwar von Großbritannien aus in die Europäische Union geliefert werden, aber in Bangladesch oder Kambodscha hergestellt wurden. Nur Waren, die in Großbritannien weiterverarbeitet oder veredelt wurden, dürfen zollfrei eingeführt werden. Die Regeln dazu sind komplex und von Warengruppe zu Warengruppe unterschiedlich.

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Auch der Lebensmittelhandel in Nordirland hat mit den Änderungen zu kämpfen. "Die Menschen hier beschweren sich über leere Regale in den Supermärkten", sagte die nordirische Konfliktforscherin und Brexit-Expertin Katy Hayward von der Queen's University Belfast. Insbesondere bei frischen Produkten komme es zu Störungen der Lieferketten. Firmen seien unsicher, welche Formulare bei der Einfuhr notwendig sind.

Um den Frieden und den Grenzverkehr zwischen Irland und Nordirland auf der irischen Insel nicht zu gefährden, gelten für den Warenverkehr mit Nordirland trotz Brexit nach wie vor die Handelsregeln der EU. Welche Papiere notwendig sind, war aber erst kurz vor dem Jahreswechsel veröffentlicht worden.

Quelle: ntv.de, chr/dpa