Wirtschaft

Weniger frische Waren Nordiren spüren den Brexit im Supermarkt

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Der Hafen von Belfast zu Jahresanfang.

(Foto: REUTERS)

Der Warenfluss nach Nordirland kommt ins Stocken. Seit dem Jahreswechsel sind bei der Einfuhr von Gütern Kontrollen fällig. Viele Firmen sind darauf aber noch nicht eingestellt. Verbraucher finden daher beim Einkaufen nicht mehr das gewohnte Angebot vor. In Schottland gibt es Export-Probleme beim Fisch.

Wenige Tage nach dem Ende der Übergangsphase macht sich der Brexit für Verbraucher in Nordirland bereits im Supermarkt bemerkbar. "Die Menschen hier beschweren sich über leere Regale in den Supermärkten", sagte die nordirische Konfliktforscherin und Brexit-Expertin Katy Hayward von der Queen's University Belfast. Insbesondere bei frischen Produkten komme es zu Störungen der Lieferketten. Unternehmen seien unsicher, welche Formulare bei der Einfuhr notwendig sind. "Viele merken, dass sie nicht vorbereitet sind", so Hayward. Das sei nicht überraschend - normalerweise brauche es Jahre, um solche aufwendigen Veränderungen umzusetzen. Viele Firmen verschieben daher ihre Fahrten, was sich bei frischen Produkten als Erstes bemerkbar macht.

Nach dem Brexit gelten für das zum Vereinigten Königreich gehörende Nordirland spezielle Regeln, die im sogenannten Nordirland-Protokoll festgehalten sind. Damit wird eine harte EU-Außengrenze zwischen Irland und Nordirland vermieden, da durch eine solche das Aufflammen alter Konflikte zwischen den Landesteilen befürchtet wird. Nordirland ist damit enger an die EU gebunden und folgt weiter den Regeln des EU-Binnenmarkts. Bei der Einfuhr von Waren aus Großbritannien nach Nordirland sind daher seit dem 1. Januar Zoll- und Zertifikatskontrollen fällig. Die entsprechenden Vorgaben sind jedoch erst knapp vor dem Jahreswechsel veröffentlicht worden.

Mehrere Lkw bereits zurückgeschickt

Mark Simmonds vom Hafenverband British Ports Association hat bislang kein Chaos an der irischen Seegrenze zu beklagen, rechnet aber damit, dass das nicht so bleiben wird. "Einige Häfen haben Lastwagen zurückgeschickt. Aber die meisten Fernfahrer waren bislang vorbereitet. Die Sorge ist, dass das nicht so bleiben wird, wenn die Mengen zunehmen", sagte Simmonds. Auch er berichtet, dass in der ersten Januarwoche vergleichsweise wenig Fracht die Häfen passiert hat. Pro Lastwagen veranschlagt der Verbandschef in diesem Fall rund fünf Minuten - wenn die Fahrer vorbereitet seien. "Aber selbst ein paar Minuten machen einen Unterschied."

Auch der Handelsverband Northern Ireland Retail Consortium bestätigte, Unternehmen hätten Lieferungen nach Nordirland vorübergehend ausgesetzt. Von der Supermarktkette Tesco hieß es auf Anfrage, es gebe bei den Einfuhren einiger Produkte nach Nordirland Verzögerungen. "Aber wir arbeiten mit unseren Zuliefern zusammen, um diese (Produkte) so schnell wie möglich wieder in die Regale zu bekommen und Kunden, wo wir können, Alternativen anzubieten", sagte eine Sprecherin.

Nordirland-Minister Brandon Lewis zeigte sich im BBC-Interview zuversichtlich, die Waren würden "bald wieder fließen wie 2020". Katy Hayward meint hingegen: "Ich denke nicht, dass sich die Dinge schnell bessern werden." Die Spannungen im Land nähmen merklich zu.

Schottische Fischer stoppen EU-Exporte wegen Brexit-Hürden

Auch aus Schottland werden Probleme nach dem Brexit-Vollzug gemeldet. Wegen bürokratischer Hürden stoppten zahlreiche schottische Fischer den Export in die Europäische Union. Sie beklagen eine tagelange Verzögerung der Lieferzeiten und eine erhebliche Erhöhung der Kosten. Trotz des Handelsabkommens mit der EU mache die Einführung von Gesundheitszertifikaten, Zollerklärungen und anderen Dokumentationsformalitäten die Geschäfte unrentabel, kritisierten Fischexporteure.

In der ersten Arbeitswoche nach dem britischen Austritt aus dem europäischen Binnenmarkt zum Jahreswechsel hätten Lieferungen, die bisher einen Tag gedauert hätten, drei oder mehr Tage benötigt, wenn sie überhaupt angekommen seien. Mehrfach sei nicht sicher nachvollziehbar gewesen, wo sich die Fracht befunden habe.

Der Handelsverband SB Fish riet den Fischern deswegen dazu, auf den Fang für Exportlieferungen zu verzichten. "Wir liefern ein frisches Produkt und die Kunden erwarten, es frisch zu bekommen, also kaufen sie nicht. Es ist eine Katastrophe", sagte Verbandsvertreter Santiago Buesa der Nachrichtenagentur Reuters. Vor allem der Handel mit Lebensmitteln, Nutztieren und frischen Fleisch- und Fisch-Produkten ist von den bürokratischen Brexit-Hürden betroffen.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/rts

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