Wirtschaft

2000 Dollar pro Unze? Gold steuert auf neues Rekordhoch zu

RTR1WNT6.jpg

Wer Negativzinsen entgehen will, findet in Gold eine Alternative.

(Foto: REUTERS)

Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten treiben den Goldpreis. Das Edelmetall bleibt nicht zuletzt wegen der ultralockeren Geldpolitik für Anleger attraktiv. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen und Gold laut einem Hedgefonds-Manager womöglich schon bald auf ein neues Rekordhoch jagen.

Vier Jahre dümpelte der Goldpreis in einer vergleichsweise engen Handelsspanne vor sich hin und stellte Liebhaber des Edelmetalls vor eine harte Geduldsprobe. Anfang 2019 war es so weit: Der Preis begann wieder zu steigen, aktuell liegt Gold im Jahresvergleich etwa 19 Prozent im Plus und damit nur knapp unter dem im September erzielten Mehrjahreshoch mit 1557 Dollar je Feinunze. Das Edelmetall erfreut sich steigender Beliebtheit bei Anlegern und auch das Umfeld für Gold bleibt positiv. Vor allem wegen extrem niedriger Zinsen hat das Edelmetall nach Meinung von Experten das Potenzial für weitere Wertsteigerungen 2020.

*Datenschutz

Greg Jensen, Investmentmanager beim US-amerikanischen Hedgefonds Bridgewater, prophezeit, dass sich dieser Trend fortsetzen wird und Gold auf ein Rekordhoch von über 2000 Dollar steigen könnte. Jensen verweist auf die Zentralbanken, die eine höhere Inflation befürworten, und auf zunehmende politische Unsicherheiten. Etwas vorsichtiger äußert sich der Rohstoffexperte der Commerzbank, Daniel Briesemann, im Gespräch mit ntv.de: "Kurzfristig sehen wir durchaus Korrekturpotenzial für den Goldpreis, da der Anstieg in den vergangenen Wochen zu einem guten Teil spekulativ getrieben war. Charttechnisch betrachtet hat sich das Bild eingetrübt, Gold war deutlich überkauft." Die Commerzbank erwartet im Gegenteil zu den Kollegen aus den USA lediglich einen Preis von 1550 Dollar bis Ende 2020.

Politische Turbulenzen an mehreren Fronten

Wie Jensen der "Financial Times" sagte, dürfte die US-Notenbank Federal Reserve seiner Einschätzung nach die Inflation eine Weile heißlaufen lassen. "Keine der wichtigen Zentralbanken der Industrieländer" werde versuchen, "die Zinssätze zu normalisieren." Dies, so Jensen, sei "eine große Sache".

Wer den Negativzinsen entgehen will, finde in Gold eine Alternative, heißt es auch bei der Commerzbank. Der einstige Nachteil von Gold, eine zinslose Anlage zu sein, sei bei Null- beziehungsweise Negativzinsen außer Kraft gesetzt. Stattdessen könne man heute sagen, Gold "kostet" keine Zinsen.

Zur gleichen Zeit sieht Bridgewater politische Turbulenzen an mehreren Fronten, da die Verlangsamung des US-Wirtschaftswachstums die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert, während die Spannungen mit China und dem Iran die Welt noch weiter beschäftigen werden. Die Commerzbank geht davon aus, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China die Goldnachfrage auch dieses Jahr weiter beeinflussen dürfte. "Eine umfassende und dauerhafte Lösung ist wegen der unterschiedlichen Interessen beider Länder so schnell nicht zu erwarten", sagt Briesemann.

Vor diesem Hintergrund, erklärt Jensen, könne der Goldpreis, der derzeit bei etwa 1550 Dollar gehandelt wird, 30 Prozent zulegen und sollte in den Portfolios der Anleger berücksichtigt werden. "Es gibt so viele schwelende Konflikte, dass es für uns Sinn hat, Gold in ein Portfolio aufzunehmen. Die Menschen sollten auf ein viel breiteres Spektrum potenziell schwankender Umstände vorbereitet sein, als wir es bislang gewohnt sind", sagt Jensen.

Dollar dürfte abwerten

Da die Zentralbanken eine höhere Inflation zulassen und die US-Haushalts- und Handelsdefizite steigen, geht der Hedgefonds-Manager davon aus, dass der Goldpreis weiter steigt. Die Entwicklung könnte schließlich den Dollar als Reservewährung der Welt bedrohen. "Das könnte schnell gehen oder auch erst in einem Jahrzehnt", sagt Jensen. "Aber es ist definitiv im Bereich des Möglichen." Und wenn man sich die geopolitischen Auseinandersetzungen ansehe, stelle sich die Frage: Wie viele ausländische Unternehmen wollen am Dollar festhalten? Auch nach Einschätzung der Commerzbank wird der Goldpreis 2020 von einem schwächeren Dollar profitieren. "Die US-Währung ist fundamental überbewertet und dürfte dieses Jahr abwerten", gibt Briesemann zu bedenken.

Obwohl die Zinsschritte der Fed die Wall Street gestützt haben, ist Bridgewater laut Jensen weiterhin "vorsichtiger" in Bezug auf US-Aktien und beschreibt sie als "schaumig" ("frothy"). Im Gespräch mit der "Financial Times" warnt er davor, dass die Aktienmärkte "ziemlich extremen Situationen ausgesetzt" seien, insbesondere in den USA, was die Attraktivität der Schwellenländer erhöhe. Mit einem höheren Anteil von Goldbeständen an den nationalen Reserven wollen Notenbanken von Schwellenländern ihre Abhängigkeit von der Kursentwicklung des Dollar verringern. Auch die Commerzbank geht davon aus, dass 2020 die Zentralbanken großer Schwellenländer nach einem höheren Goldanteil in ihren Devisenreserven streben werden und sich die Käufe am Goldmarkt daher fortsetzen.

Quelle: ntv.de, jki