Wirtschaft

Gelder versickert "Gorch Fock"-Werft ist pleite

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Seit 2016 wird die "Gorch Fock" in der Elsflether Werft überholt.

(Foto: dpa)

Das Segelschulschiff "Gorch Fock" ist ein Aushängeschild der deutschen Marine. Die Sanierung entpuppt sich jedoch als Fass ohne Boden. Obendrein reicht die zuständige Werft Gelder nicht an die Firmen weiter. Inzwischen ermitteln zwei Staatsanwaltschaften.

Die durch die Sanierung der "Gorch Fock" in die Schlagzeilen geratene niedersächsische Elsflether Werft AG hat einen Insolvenzantrag gestellt. Beantragt wurde ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, dem das zuständige Amtsgericht Nordenham grundsätzlich zustimmte, wie ein Unternehmenssprecher der Werft sagte. Damit bleibt die Geschäftsleitung im Amt, ihr wird allerdings ein sogenannter Sachwalter von außen zur Seite gestellt. Nach Angaben des neuen Werft-Vorstands Axel Birk war zuvor die Belegschaft über die Lage informiert worden.

Unterdessen hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen schwere Vorwürfe gegen die vor drei Wochen abgelöste Werft-Führung. "Die alte Geschäftsführung hat, soweit wir das bisher aufklären konnten, Summen in Millionenhöhe, die die Bundeswehr ihr bereits gezahlt hat für die "Gorch Fock", nicht an die Unterauftragnehmer weitergeleitet", sagte die CDU-Politikerin vor einer Sitzung des Haushaltsauschusses.

"Sie hat ein Firmengeflecht aufgebaut von vielen Tochter- und Unterfirmen. Sie hat Millionen aus der Elsflether Werft in dieses Firmengeflecht geleitet." Die vor drei Wochen eingesetzte neue Geschäftsführung bringe "sehr konstruktiv und professionell Licht ins Dunkel", sagte von der Leyen. Die neue Geschäftsführung kläre derzeit, wohin das Geld abgeleitet worden sei und wer davon profitiert habe. Zur Insolvenz der Werft habe die Entnahme von Geldern geführt, nicht der zwischenzeitlich angeordnete Zahlungsstopp des Verteidigungsministeriums, sagte die Ministerin. Womöglich könne die Instandsetzung der "Gorch Fock" unbelastet fortgeführt werden. Aber davor gebe es noch viele offene Fragen zu klären.

Aus 10 Millionen werden 135 Millionen

Die Kosten für die Sanierung des Dreimast-Seglers sind über die Jahre in die Höhe geschnellt. Ursprünglich waren 10 Millionen Euro vorgesehen, dann wurde auf 75 Millionen Euro erhöht, inzwischen ist der Kostenansatz auf bis zu 135 Millionen Euro gestiegen. Bis zum 2. Januar 2019 seien rund 69 Millionen Euro ausgegeben worden, schreibt die Bundesregierung.

Die Werft in der Wesermarsch macht rund 80 Prozent ihres Umsatzes mit Aufträgen von der Marine. Der "Gorch Fock"-Sanierung ist derzeit der wichtigste Auftrag. Allein in der über 100 Jahre alten Traditionswerft geht es um rund 130 Arbeitsplätze. Zwei Staatsanwaltschaften - Hamburg und Osnabrück - sind mit Ermittlungen beschäftigt. Es geht um den Verdacht der Untreue gegen einen Ex-Vorstand, um den sich die Ermittler in Hamburg kümmern, zudem um einen Korruptionsverdacht, der in die Zuständigkeit von Osnabrück fällt.

Ende Januar wurde der alte Werft-Vorstand ab- und ein neuer eingesetzt. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Werft ist der Hamburger Manager Pieter Wasmuth, neuer Werft-Vorstandschef Birk. Planungsfehler der Marine, Kritik des Rechnungshofs, der Korruptionsverdacht und die Absetzung der Werftleitung machen die Sanierung der "Gorch Fock" zu einem Problem für Verteidigungsministerin von der Leyen.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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