Wirtschaft

Nachhaltige Versandkartons Gründerpaar setzt auf grüne Logistik

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Das Gründerpaar hinter Sendmepack will Versandverpackungen nachhaltiger machen. Im Interview erzählen die beiden, wie ihr Modell funktioniert, wie viel CO₂ damit vermieden werden kann und ob diese Konstellation hin und wieder zu Spannungen führt.

Philip, zusammen mit Michelle hast du ein Unternehmen für nachhaltigere Verpackungslösungen gegründet - was steckt dahinter?

Philip Bondulich: Tatsächlich bereits vor sieben Jahren, als ich einen Onlinehändler betreute, der negative Bewertungen bei Google bekam, weil er, der Umwelt zuliebe, seine Ware in gebrauchten Kartons verschickte. Ich habe mir damals gedacht: Wenn er diesen Grund auch so kommunizieren würde, hätten die meisten wohl kein Problem mehr damit.

Ihr seid nicht nur Geschäftspartner:in, sondern auch Lebenspartner:in. Kurze Einordnung, bitte: Läuft das rund, oder sorgt es für Spannungen?

Michelle Reed: Wir ergänzen uns einfach - sowohl privat als auch beruflich. Philips Background als Diplom-Kommunikationsdesigner ist ein echter Vorteil, vor allem dann, wenn ich eine Idee habe und diese am liebsten sofort umgesetzt haben möchte. Meine Stärke liegt dafür im Bereich Sales: Ich habe kein Problem damit, Leute anzurufen und für unser Vorhaben zu begeistern.

Das klingt nach alter Schule: Gelingt per Cold Call etwa immer noch die beste Kundengewinnung?

Michelle: Da gibt es unterschiedliche Wege. Der eine ist ein warmes Intro, was oft dazu führt, dass die Fulfiller auf uns zukommen, weil wir etwas Neues machen, was das Interesse weckt und sich in der Branche rumspricht. Ganz klassische Kaltakquise gehört natürlich auch dazu!

Kommen wir zu eurer Lösung selbst - wie funktioniert das Modell, das ihr bei Sendmepack aufgebaut haben?

Philip: Unsere Mitarbeiter:innen haben direkt beim Fulfiller eigene Arbeitsplätze, an denen sie die Versandverpackungen aufbereiten. Das heißt, dass die Kartons überprüft und bearbeitet werden, bevor sie einen individuellen QR-Code und unser Label erhalten. Wenn die Empfänger:innen ihre Bestellung bekommen, können sie den QR-Code in unserer App einchecken, um unter anderem zu sehen, in welcher Stadt das Paket schon war.

Michelle: Und auch, wie viel CO₂ durch die Nutzung eines Sendmepacks eingespart wurde. Diese Prozesse sieht man nicht von außen - für den Onlineshop sind wir also in erster Linie ein Anbieter für Versandverpackungen, bei dem man ab 20 Stück Kartons kaufen kann. Zukünftig möchten wir aber noch mehr machen. Zum Beispiel den Kreislauf für Endkund:innen schließen, indem diese ihre Pakete bei Kooperationspartnern abgeben können.

Könnt ihr eine ungefähre Einordnung geben, wie viele Kartons man weltweit aus Fulfillment-Centern retten könnte?

Michelle: Durch erste Erfahrungen können wir einschätzen, wie viel bei welchem Partner anfällt. Was wir davon letztlich retten können, ist aber unterschiedlich. Allgemein kann man sagen, dass circa 90 Prozent aller Kartons, die einmal im Umlauf waren, noch mal genutzt werden können.

Philip: Und dann kann man rechnen: Allein in Deutschland gibt es vier Milliarden Sendungen pro Jahr. Wenn man davon 90 Prozent rettet, sind das eine Menge Bäume, die nicht gefällt werden müssten, um neue Kartons herzustellen.

Wie viel CO₂ soll damit vermieden werden? Und welche Ressourcen werden zudem noch eingespart, welche Benefits ergeben sich?

Michelle: Bei der Herstellung eines kleinen Kartons werden rund 260 Gramm CO₂ ausgestoßen, dazu kommt, dass etwa vier Liter Wasser pro Karton benötigt werden. Rechnet man das auf 3,7 Milliarden Kartons hoch, hat man ein Gefühl dafür, wie viele Ressourcen verbraucht werden. All diese Parameter summieren wir, sodass wir in einem Jahr sagen können: Wir haben Millionen Kartons gerettet, das entspricht so und so viel Liter Wasser, Holz und CO₂.

Dieses Interview ist zuerst bei Business Punk erschienen.

Quelle: ntv.de

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