Wirtschaft

Höhere Preise für Kunden? Meisterpflicht kehrt für viele Berufe zurück

Seit 2004 können Handwerkerleistungen auch ohne einen Meisterbrief angeboten werden. In einem Dutzend Berufen dreht die Große Koalition diese Liberalisierung jetzt zum Teil zurück.

Der Bundestag hat die Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen beschlossen. Das Parlament verabschiedete Änderungen der Handwerksordnung. Die Meisterpflicht wird damit für insgesamt zwölf Gewerke wieder eingeführt - darunter sind etwa Fliesen- und Parkettleger, Rollladentechniker oder Orgelbauer. Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen auch weiterhin ihr Handwerk selbstständig ausüben und sollen einen Bestandsschutz erhalten.

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Aus Sicht des Handwerks hat sich der Abschied vom Meisterbrief nicht bewährt.

(Foto: dpa)

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. Meisterpflicht bedeutet, dass ein entsprechender Betrieb nur mit einem Meistertitel geführt werden darf.

Grundsätzlich unterliegt ein Handwerk dieser Pflicht, wenn es sich um eine "gefahrgeneigte" Tätigkeit handelt und eine Regelung zum Schutz von Leben und Gesundheit erforderlich ist. Darüber hinaus soll die Reglementierung zur Wahrung des materiellen und immateriellen Kulturerbes beitragen. Die Neuregelungen, die im Koalitionsvertrag vereinbart sind, sollen innerhalb von fünf Jahren evaluiert werden.

Höhere Preise, höhere Qualität?

Wirtschaftsminister Peter Altmaier bezeichnete die Rückkehr zur Meisterpflicht als gute Nachricht für das Handwerk und die Kunden. Die Zustimmung zum Handwerk werde in der Bevölkerung weiter wachsen. Die Branche leiste zudem einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung. Das Handwerk genieße in Deutschland und Europa eine hohe Wertschätzung. "Wir möchten, dass dies so bleibt, dass das Handwerk auch in Zukunft einen Beitrag zu hoher Qualität von Dienstleitungen und Wirtschaftsentwicklung leisten kann, aber auch zu Identität, zu Kultur, zu Zusammenhalt vor Ort und in unserem Land insgesamt", so Altmaier. Dafür brauche man eine wirtschaftsfreundliche Politik.

Die Monopolkommission warnte vor negativen Folgen der Rückkehr zur Meisterpflicht für Kunden. "Aus Sicht der Verbraucher wird der Zugang zu Handwerksleistungen mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht schwieriger. Die Wartezeiten und die Preise können steigen", sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hatte von einem "starken Signal" für Qualität und Qualifikation im Handwerk gesprochen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hatte sich seit Langem für eine Rückkehr zur Meisterpflicht starkgemacht. Wollseifer hatte wiederholt vor Marktverzerrungen gewarnt. Im Handwerk gebe es eine zunehmende Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu massiven Problemen etwa bei der Qualität.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP/DJ