Wirtschaft

Kredite stützen "Zombie"-Firmen Ökonom warnt vor Insolvenzwelle im Herbst

imago0101907092h.jpg

Im Mai meldeten erstmals mehrere Firmen mit mehr als Tausend Mitarbeitern Insolvenz an.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Die Zahl der Firmenpleiten in der Corona-Krise steigt nur leicht, doch das Schlimmste steht laut IfW-Chef Felbermayr noch bevor. Grund dafür soll eine Maßnahme der Bundesregierung sein, die "Zombie"-Firmen vorübergehend am Leben hält.

Ökonom Gabriel Felbermayr, Chef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), hat vor den Folgen gewarnt, die der Wirtschaft durch die politischen Rettungsversuche drohen. Grund ist die Entscheidung der Bundesregierung im März, die Antragspflicht für Insolvenzen bis September aufzuheben. Das sei keine gute Idee gewesen, sagte Felbermayr der "Bild"-Zeitung: "Wenn die Pflicht wieder einsetzt, droht dem Land ein massiver Anstieg der Insolvenzen."

Die Stützmilliarden, die der Staat als Kredite an krisengeplagte Firmen vergeben habe, könnten dann zum Pleitegrund werden. "Es gibt 'Zombie'-Firmen, die in den vergangenen Wochen nur deshalb überleben konnten, weil sie durch staatliche Notkredite gestützt wurden. Da wird es noch ein böses Erwachen geben", warnt Felbermayr. Die Überlegung der Politik, die Liquidität der Unternehmen sicherzustellen, sei nachvollziehbar. Es werde sich nun aber zeigen, ob es richtig war, das in Form von Darlehen zu tun, so der IfW-Chef.

Die Zahl der Firmenpleiten ist einer Statistik des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zufolge im Mai weiter gestiegen. 1019 Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland und damit 70 mehr als im Vormonat April hätten sich demnach insolvent gemeldet.

Insolvenzen teilweise verschleppt

Während die Firmen-Zahl relativ leicht anstieg, waren im Mai deutlich mehr Arbeitskräfte als zuvor betroffen. Nach Angaben des IWH beschäftigen allein die fünf größten Firmen darunter insgesamt mehr als 10.000 Menschen. Zuvor hätten sich kaum Firmen mit mehr als 1000 Arbeitskräften insolvent gemeldet. Dass auch große Unternehmen betroffen sind, liegt dem IWH zufolge daran, dass in der akuten Krise ausgelöst durch das Coronavirus oft die nötige Zeit fehle. Jenseits von Wirtschaftskrisen schafften es angeschlagene Großunternehmen eigentlich besser als kleine Firmen, Insolvenzen durch Sanierungsmaßnahmen zu vermeiden, hieß es weiter.

Zudem spiegelten die aktuellen Zahlen lediglich den Anfang der Krise wider, erklärte IWH-Insolvenzforscher Steffen Müller. Das Ausmaß der Pleitewelle wird ihm zufolge erst in den kommenden Monaten sichtbar. Das liege unter anderem am zeitlichen Abstand zwischen der Antragstellung auf Insolvenz und der Bekanntmachung der Eröffnungsentscheidung im Insolvenzverfahren durch die Gerichte. Ein Unternehmen, das beispielsweise im Mai seine Insolvenz bekannt machte, könnte schon im Februar oder März angezeigt haben, nicht mehr zahlungsfähig gewesen zu sein.

Quelle: ntv.de, mba/dpa