Wirtschaft

Hohe Ausgaben im ersten Quartal Schaffte Wirecard gezielt Millionen beiseite?

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(Foto: picture alliance/dpa)

Zahlungsdienstleister Wirecard soll noch im ersten Halbjahr ungewöhnlich hohe Millionenbeträge in sein Geflecht an Partnerfirmen gepumpt haben. Der Verdacht: Kurz vor Auffliegen des Bilanzskandals sollte noch einmal viel Geld beiseite geschafft werden. Wo die Millionenkredite geblieben sind, ist unklar.

Der insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard könnte laut einem Medienbericht kurz vor Aufdeckung des Bilanzskandals hohe Geldbeträge beiseite geschafft haben. Wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet, hat sich der Konzern im ersten Halbjahr 2020 noch einmal 800 Millionen Euro von seinem Bankenkonsortium besorgt. Im gleichen Zeitraum habe Wirecard auch weit mehr Geld ausgegeben als sonst. Demnach sei in Konzernkreisen von mehreren Hundert Millionen Euro die Rede, die in den vergangenen Monaten als Kredite von Wirecard an nahestehende Firmen flossen. Dabei sollen auch Firmen in Asien bedacht worden sein, die zusammen mit dem flüchtigen Ex-Vorstand Jan Marsalek und Ex-Konzernchef Markus Braun im Zentrum des Skandals stehen.

Der Verdacht scheint nicht unbegründet. Denn Marsalek und andere Wirecard-Manager mussten damit rechnen, dass die mutmaßlichen Betrügereien durch die bis April laufende Sonderuntersuchung der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG auffliegen würden, schreibt die Zeitung.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Braun, Marsalek und weitere Manager unter anderem wegen des Verdachts der Untreue, Bilanzfälschung und Börsenmanipulation. Dabei geht es auch um den Vorwurf, dass sie über dubiose Kreditvergaben mehr als eine halbe Milliarde Euro veruntreut haben sollen. Im Fokus stehen dabei auch Kredite in Höhe von 365 Millionen Euro, die Wirecard bereits vor dem Jahr 2019 den Firmen Al Alam (Dubai), Pay Easy (Manila) und O Cap Management (Singapur) gewährte. Sie sollen Wirecard geholfen haben, nicht vorhandene Geschäfte in Asien vorzutäuschen. Bis zum ersten Halbjahr 2020 sollen die Kredite für diese drei Firmen und weitere Partner-Unternehmen auf fast 870 Millionen Euro gestiegen sein.

Das Unternehmen Al Alam wurde Anfang Mai plötzlich liquidiert. Was mit den Krediten in Millionenhöhe passierte, ist bislang unklar. Pay Easy wurde von dem mutmaßlich verstorbenen Christopher B. und seiner Ehefrau betrieben. B. war früher bei Wirecard beschäftigt, ebenso wie der Chef von O Cap Management. Mithilfe der Ex-Manager soll über die Jahre ein Firmengeflecht rund um Wirecard entstanden sein.

Während Wirecard seine Partner-Firmen offenbar mit immer neuen Krediten bedachte, besorgte sich der Konzern gleichzeitig frisches Geld von seinen Hausbanken. Ende 2019 sei die bereitgestellte Kreditlinie in Höhe von 1,75 Milliarden Euro nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft gewesen, schreibt die SZ. Doch als Wirecard im Juni Insolvenz anmeldete, habe der Konzern plötzlich Verbindlichkeiten in Höhe von 1,6 Milliarden Euro gehabt. Wo die Millionenkredite aus dem ersten Halbjahr 2020 geblieben sind, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Marsaleks Anwalt wollte sich zu dem "SZ"-Bericht nicht äußern. Brauns Anwälte erklärten, ihr Mandant weise alle erhobenen Vorwürfe gegen ihn zurück.

Quelle: ntv.de, jpe