Wirtschaft

Vorwürfe im Wirecard-Skandal Scholz verteidigt eigenes Vorgehen

Im milliardenschweren Wirecard-Bilanzskandal steht Bundesfinanzminister Scholz in der Kritik. Es geht um mangelnde Aufklärung. Scholz verweist darauf, dass Wirecard seit zehn Jahren von namhaften Wirtschaftsprüfern begutachtet worden sei.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat Vorwürfe einer mangelnden Aufklärung in dem milliardenschweren Wirecard-Bilanzskandal zurückgewiesen. Seit zehn Jahren sei die Firma von einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit gutem Ruf überprüft worden, sagte der SPD-Politiker im ZDF. Diese habe keine Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Seit Frühjahr 2019 habe es dann verschärfte Prüfungen gegeben. Ende letzten Jahres seien insgesamt drei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften aktiv gewesen, sagte Scholz zu Vorwürfen aus der Opposition, er habe zu spät gehandelt. "Weil wir zu denen zählen, die sich nicht wegducken, haben wir alles auf den Tisch gelegt", fügte der Minister mit Hinweis auf einen Bericht des Finanzministeriums an den Finanzausschuss des Bundestages hinzu. "Jeder muss in dieser Situation die Bereitschaft haben, alles aufzuklären, was notwendig ist."

Wirtschaftsprüferrecht im Visier

Scholz kündigte erneut eine Reform des Wirtschaftsprüferrechts an. Die Aufsichtsbehörden müssten zudem im Notfall umfassender aktiv werden können. Ziel müsse sein, zu verhindern, dass Bilanzen Jahr für Jahr geprüft würden, ohne dass Unregelmäßigkeiten entdeckt würden.

Die Obleute im Finanzausschuss wollen dem Vernehmen nach zu Wochenbeginn eine Sondersitzung beschließen, die noch in der Sommerpause stattfinden soll. Vier Fraktionen - Union, Grüne, Linke und FDP - seien dafür, hatte es zuletzt aus Koalitionskreisen geheißen. Auch Politiker der SPD signalisierten Zustimmung. In der Wirecard-Bilanz fehlen 1,9 Milliarden Euro, weswegen der Zahlungsabwickler Insolvenz anmelden musste.

Quelle: ntv.de, bad/rts