Wirtschaft
Mit einem modernen Gemälde verglich der britische "Guardian" den Fahrradberg von Xiamen.
Mit einem modernen Gemälde verglich der britische "Guardian" den Fahrradberg von Xiamen.(Foto: imago/VCG)
Dienstag, 28. November 2017

Expansion auch nach Deutschland: Sharing-Hype füllt Chinas Fahrradfriedhöfe

Von Max Borowski

Der Konkurrenzkampf der Fahrrad-Verleiher hat sich für Chinas Städte zum Albtraum entwickelt. Mit Lkws sammeln die Stadtverwaltungen Zehntausende Räder ein und türmen sie zu bizarren "Kunstwerken" auf.

Vor zwei Jahren etwa war es eine innovative, nachhaltige Idee. Start-ups begannen in chinesischen Städten Fahrräder zum Verleih anzubieten. Mit ihrer App sollten sich die Kunden anmelden, sich ein mit GPS-Ortung ausgestattetes Rad schnappen und an einem beliebigen Ort zurücklassen. Einerseits erwies sich der Plan aus ausgesprochen erfolgreich: Investoren steckten laut einem Bericht der "South China Morning Post" innerhalb von nur 18 Monaten umgerechnet mehrere Milliarden US-Dollar in die rund 40 chinesischen Bike-Sharing-Firmen. Allein die beiden größten Unternehmen Mobike und Ofo brachten etwa sechs Millionen Räder auf die Straßen. Einzelne Dienste zählten mehr als 20 Millionen Kunden.

Wildwuchs: Diese Fahrräder wurden in Schanghai aus dem Verkehr gezogen und warten wohl vergeblich darauf, dass sie von ihren Besitzern wieder abgeholt werden.
Wildwuchs: Diese Fahrräder wurden in Schanghai aus dem Verkehr gezogen und warten wohl vergeblich darauf, dass sie von ihren Besitzern wieder abgeholt werden.(Foto: imago/VCG)

In anderer Hinsicht ist die Branche aber bislang komplett gescheitert. Davon zeugen riesige Halden zehntausender, bunter Leihräder die sich inzwischen in vielen chinesischen Großstädten auftürmen. Denn die Fahrräder, mit denen der konkurrierenden Anbieter die Innenstädte förmlich fluten, werden immer mehr zum Ärgernis. Ist auf den Gehwegen oder Plätzen nicht genug Platz vorhanden, türmen verärgerte Anwohner und ratlose Bike-Sharing-Kunden die Räder teilweise einfach aufeinander. Mit Lkws lassen die Stadtverwaltungen inzwischen die zu Verkehrshindernissen und Sicherheitsrisiken gewordenen Räder zu Tausenden abtransportieren und auf Halden deponieren.

Die mit Kletterpflanzen überwucherten Räder auf einer dieser Deponien zeugen davon, dass sich kaum eine Firma die Mühe macht, ihr abtransportiertes Eigentum zurückzuholen. In der 3,5-Millionen-Einwohner-Stadt Xiamen türmte die Stadtverwaltung auf einer Schrotthalde Zehntausende Räder zu einem riesigen Berg auf. Als eindrucksvolles Symbol des völlig außer Kontrolle geratenen Bike-Sharing-Hypes verbreiten sich Luftaufnahmen des farbigen Schrotthaufens in den Medien und sozialen Netzwerken rund um die Welt.

Erste Beschwerden in Berlin

Nicht nur für die Städte wird der Leihrad-Boom immer mehr zum Albtraum. Auch die Investoren dürften ihre Milliarden größtenteils nicht wiedersehen. Nach mehreren kleinen Pleiten in den vergangenen Monaten hat nun die Nummer drei auf dem Markt Insolvenz angemeldet. Weitere Pleiten dürften folgen. Laut der "South China Morning Post" hat bislang keiner der Anbieter mit dem Bike-Sharing einen Gewinn gemacht. Bei Kosten von etwa 300 Dollar pro Rad und Leihgebühren von umgerechnet nur sieben Cent für 30 Minuten scheint das beim derzeitigen Konkurrenzkampf auch kaum möglich.

Während auf dem Heimatmarkt die Blase zu platzen beginnt, drängen die ersten chinesischen Anbieter ins Ausland. Marktführer Mobike - mit einem Milliardeninvestment des Internetgiganten Tencent im Rücken -  hat gerade seine ersten Räder in Berlin in Betrieb genommen. Erste Beschwerden über kaputte Leihräder verschiedener Anbieter, die auf deutschen Bürgersteigen vor sich hin rosten, gibt es bereits. Die Bilder von Chinas riesigen Fahrradfriedhöfen lassen befürchten, dass das erst der Anfang ist.

Quelle: n-tv.de

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