Wirtschaft

"Pandora Papers" zeigen South Dakota ist eine wahre Steueroase

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In South Dakota hat sich Vermögen in Trusts im vergangenen Jahrzehnt auf mehr als 360 Milliarden Dollar mehr als vervierfacht.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

International ist die Biden-Regierung sehr engagiert dabei, Steuerschlupflöcher zu schließen. Doch auch im eigenen Land locken einige Bundesstaaten das Vermögen von Reichen aus aller Welt an. Spezialisierte Kanzleien werben sogar mit den vorteilhaften Bedingungen und großer Diskretion. 

South Dakota ist insbesondere für das imposante Präsidenten-Monument Mount Rushmore und seine ebenso imposanten Bison-Herden bekannt. Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat sich der US-Bundesstaat im Mittleren Westen aber auch zu einer wahren Steueroase entwickelt: Die "Pandora Papers" zeigen, wie South Dakota und andere US-Bundesstaaten mit Steuerschlupflöchern das Vermögen von Reichen aus aller Welt anlocken - während die US-Regierung zugleich gegen Steueroasen im Ausland zu Felde zieht.

"Im vergangenen Jahrzehnt haben South Dakota, Nevada und mehr als ein Dutzend weiterer US-Bundesstaaten sich in Anführer des Geschäftsmodells verwandelt, mit dem Finanzgeheimnis hausieren zu gehen", schreibt das internationale Recherchenetzwerk ICIJ, das hinter den "Pandora Papers" steht. "In South Dakota hat sich Vermögen in Trusts im vergangenen Jahrzehnt auf mehr als 360 Milliarden Dollar mehr als vervierfacht." Ein prominenter Kunde: Ecuadors Präsident Guillermo Lasso, der jegliches Fehlverhalten bestreitet.

Nicht allein im Werben um großes Geld

South Dakota hat über die Jahre Gesetze verabschiedet, mit denen sich Vermögen vor Gläubigern, Steuerbehörden und ausländischen Regierungen in Trusts, einer Art Investmentfonds, abschotten lässt. Unter anderem kann das Geld steuerfrei vererbt werden. In Sioux Falls, der größten Stadt des Prärie-Bundesstaates, werben spezialisierte Kanzleien mit den vorteilhaften Bedingungen und großer Diskretion.

Laut den "Pandora Papers" wurden in den vergangenen Jahren dutzende Millionen Dollar von Steuerparadiesen in der Karibik und in Europa nach South Dakota verschoben. Schon in den 1980er Jahren hatte der ländlich geprägte Bundesstaat angesichts wirtschaftlicher Probleme versucht, die Finanzindustrie mit günstigen Bedingungen anzulocken.

Doch South Dakota ist nicht allein im Werben um das große Geld. "Fast die Hälfte der US-Bundesstaaten ist in dem Wettbewerb", sagt Chuck Collins von der Denkfabrik Institute for Policy Studies, der die "Pandora Papers"-Autoren bei ihren Recherchen unterstützte. Auch Alaska, Wyoming und Nevada würden "ihre Standards absenken", um für reiche Anleger attraktiver zu werden. Delaware - pikanterweise der Heimatstadt von US-Präsident Joe Biden - wiederum sei die Anlaufstelle Nummer eins, wenn es um die Gründung von Briefkastenfirmen gehe.

Biden will "zusätzliche Transparenz" für Finanzsystem

Die ICIJ-Autoren verweisen auf Nachforschungen des israelischen Finanzexperten Adam Hofri-Winogradow, denen zufolge es sich im vergangenen Jahr bei 17 der 20 Staaten oder Regionen mit den laxesten Regeln für Trusts um US-Bundesstaaten handelte. Schlecht schneiden die USA auch in Ranglisten der Nichtregierungsorganisation Tax Justice Network ab. In dem Ranking für die größte Geheimhaltung und das größte Volumen bei Offshore-Finanzdienstleistungen landen die USA auf Platz zwei hinter den Cayman-Inseln. Demnach verzeichnet das Land für mehr als 20 Prozent aller Finanzdienstleistungen für Ausländer weltweit.

Derweil setzt sich die Biden-Regierung international für eine Angleichung der Unternehmensbesteuerung ein und will Steuerschlupflöcher schließen. Biden-Sprecherin Jen Psaki beteuerte als Reaktion auf die "Pandora Papers", der Präsident wolle "zusätzliche Transparenz" in das Finanzsystem der USA und das internationale Finanzsystem bringen.

Quelle: ntv.de, jki/AFP

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