Wirtschaft

Verbrauch und Abgase manipuliert VW trickste auch bei Automatikgetrieben

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Mit manipulierter Automatik: Tiguan im VW-Werk in Wolfsburg.

(Foto: picture alliance / Julian Strate)

In Braunschweig beginnt heute die Verhandlung über die Klage von 400.000 Diesel-Besitzern gegen VW. Nun wird bekannt, dass es auch Tricksereien in großem Maßstab an Automatikgetrieben gegeben haben soll. Doch waren die illegal?

Der Volkswagen-Konzern hat offenbar in größerem Stil auch an den Automatikgetrieben seiner Fahrzeuge manipuliert, um die Abgase und Verbrauchswerte auf dem Teststand künstlich niedrig zu halten. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Aussagen von Beschuldigten im Dieselskandal gegenüber den Staatsanwaltschaften Braunschweig und München sowie auf interne Unterlagen des Unternehmens. Unter den Aussagen ist die eines führenden VW-Ingenieurs.

Die Aussagen werden zu einem für VW besonders unangenehmen Zeitpunkt publik. In Braunschweig begann heute die Verhandlung der Musterfeststellungsklage von mehr als 400.000 Besitzern manipulierter Dieselautos gegen den Autobauer. Sie werden vom Verbraucherzentrale Bundesverband und dem ADAC vertreten, die eine Entschädigung für die VW-Kunden fordern. Der Konzern argumentiert hingegen, dass die Manipulation inzwischen durch Softwareupdates behoben sei, und die Autobesitzer keinen Schaden erlitten hätten.

Dem "Handelsblatt"-Bericht zufolge enthielten die betroffenen Benziner, aber auch einige Diesel-Fahrzeuge mit Doppelkupplungsgetriebe eine Funktion, die das Schaltverhalten auf dem Teststand so steuerte, dass weniger CO2 und Stickoxide ausgestoßen wurden als auf der Straße. Auch sollen die Fahrzeuge auf dem Prüfstand teilweise weniger Sprit verbraucht haben.

VW: Regeln in USA und Europa nicht vergleichbar

Derartige Veränderungen an der Getriebesoftware waren der US-Umweltbehörde EPA bereits 2016 aufgefallen. Daraufhin zahlte VW im Rahmen eines Vergleichs rund 100 Millionen Dollar Entschädigung an die Besitzer von 98.000 Benzinern in den USA. Der Autobauer betonte, dass es sich dabei nicht um ein Schuldeingeständnis gehandelt habe. Zudem hieß es, das Problem sei auf die USA begrenzt. Die Bewertung und regulatorische Fragen seien mit denen in Europa und Deutschland nicht zu vergleichen, so der Konzern.

Die vom "Handelsblatt" zitierten Aussagen deuten jedoch daraufhin, dass das Ausmaß der Getriebemanipulation größer ist und auch den deutschen und europäischen Markt betrifft. Dem Bericht zufolge geht es um zahlreiche Modelle des Konzerns, darunter Tiguan, Passat sowie Touareg, aber auch Audi-Modelle. VW hingegen betont, bei den Diesel-Fahrzeugen habe es sich nur um den Audi A7 und A8 gehandelt. Dabei habe es sich zudem nur um eine technische "Non-Konformität" gehandelt. Für beide Modelle verfügte das Kraftfahrt-Bundesamt jedoch 2017 einen verpflichtenden Rückruf.

Bei den Benziner-Modellen bestätigt das Bundesverkehrsministerium CO2-Abweichungen, das KBA habe aber "keine Auffälligkeiten hinsichtlich der Verwendung unzulässiger Strategien" festgestellt.

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP

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