Wirtschaft

Gebremst durch Lieferprobleme Wärmepumpe verdrängt Gasheizung zunehmend

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Begehrt: Luft- und Wasserwärmepumpe an einem neuen Wohnhaus.

(Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Auch unter dem Eindruck einer drohenden Gasknappheit im kommenden Herbst und Winter lassen immer mehr Haushalte in Deutschland sich Wärmepumpen einbauen; der Absatz von Gasheizungen hingegen geht deutlich zurück. Das Problem: extreme Lieferschwierigkeiten bei der Wärmepumpe.

Die Wärmepumpe verdrängt in Deutschland einem Medienbericht zufolge zunehmend die Gasheizung. Das "Handelsblatt" berichtete unter Berufung auf Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), Heizungsbauer hätten im ersten Halbjahr dieses Jahres 25 Prozent mehr Wärmepumpen ausgeliefert als im Vorjahreszeitraum. Damit steige der Marktanteil der Wärmepumpe im Geschäft mit neuen Heizungen von 17 auf 21 Prozent.

Eine Berechnung des "Handelsblatts" aus den Zahlen zeigt außerdem, dass der Absatz von Gasheizungen im zweiten Quartal 2022 um zehn Prozent zurückgegangen ist.

Bei Bestellung jetzt Einbau nicht vor Frühjahr 2023

Allerdings gibt es derzeit laut dem Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) bei keiner Produktgruppe so große Lieferschwierigkeiten wie bei der Wärmepumpe, berichtet die Zeitung weiter. Eine Erhebung des ZVSHK zeigt demnach, dass 94 Prozent der Innungsbetriebe aktuell über Lieferprobleme vonseiten des Großhändlers oder Herstellers berichten. Zu Beginn der Corona-Pandemie waren es lediglich 31 Prozent.

"Unsere Betriebe könnten im Moment jede Wärmepumpe installieren, wenn sie denn welche hätten", erklärte ZVSHK-Sprecher Frank Ebisch an diesem Donnerstag. "Wenn Sie heute eine Wärmepumpe ordern, können Sie frühestens im Frühjahr nächsten Jahres mit dem Einbau rechnen", erklärte Ebisch. Zwar bauten die deutschen Hersteller aktuell ihre Produktionsstrecken aus. "Aber aktuell können sie nicht liefern."

Hohe Nachfrage auch nach Heizkesseln und Heizkörpern

Das Problem hat sich demnach in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschärft: Zu Beginn der Pandemie, im März 2020, berichteten erst 31,4 Prozent der Sanitärbetriebe von Lieferproblemen. Eine hohe Nachfrage gibt es derzeit nicht nur nach Wärmepumpen, sondern auch nach Heizkesseln und Heizkörpern sowie nach Steuerungs- und Regeltechnik.

Die Drosselung russischer Gaslieferungen hat Befürchtungen vor einer schweren Energiekrise im Herbst und Winter geweckt. Auch darum hatte die Bundesregierung Ende Juli Änderungen bei der staatlichen Förderung der Energieeffizienz im Gebäudesektor beschlossen. Im Klima- und Transformationsfonds ist der Gebäudebereich der wichtigste Posten. Im Jahr 2023 stehen hier laut Bundesregierung rund 16,9 Milliarden Euro und bis 2026 insgesamt 56,2 Milliarden Euro zur Verfügung.

Reduzierter Fördersatz für Wärmepumpen-Einbau

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Der Großteil davon soll für Sanierungen verwendet werden, nur ein kleiner Teil für Neubauten. "Der Effekt für Energieeinsparung und Klimaschutz liegt bei der energetischen Gebäudesanierung rund um das 4,5-Fache höher als im Neubau", erklärte Wirtschaftsminister Robert Habeck von den Grünen. Für Komplettsanierungen gilt nun für Anträge, die seit 28. Juli eingegangen sind, ein maximaler Fördersatz von 45 Prozent. Vorher waren es 50 Prozent.

Für Einzelmaßnahmen wie den Einbau einer Wärmepumpe gelten ab dem 15. August reduzierte Fördersätze. "In Zukunft bekommt der oder die Einzelne etwas weniger an Förderung als vorher, aber dafür können viele Menschen von den Förderprogrammen profitieren", erklärte Habeck.

Quelle: ntv.de, abe/AFP

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