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Heizkosten-Schock lindern Was bringen smarte Thermostate?

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Explodierende Energiekosten machen smarte Thermostate rentabler.

(Foto: kwe)

Smarte Thermostate können helfen, den Energieverbrauch und damit Heizkosten zu senken. Verschiedenen Berechnungen nach liegt das Einsparpotenzial irgendwo zwischen 5 und 20 Prozent. Angesichts der steil steigenden Preise für Gas und Heizöl kann sich das ganz schön läppern.

Schon vor dem Ukraine-Krieg war es wegen der sich rasch verschärfenden Klimakrise sinnvoll, Heizenergie zu sparen. Doch angesichts der sich anbahnenden Verknappung und weiter steil steigender Preise denken viele Menschen jetzt ernsthafter darüber nach. Ein relativ einfaches und schnell umsetzbares Mittel, um kontrollierter und damit effizienter zu heizen, sind smarte Thermostate.

Auch ein paar Prozent können sich lohnen

Wie hoch das Einsparpotenzial durch solche Regler ist, schwankt vermutlich stark von Haushalt zu Haushalt. Hersteller Tado° beziffert ihr Einsparpotenzial auf durchschnittlich 22 Prozent. Stiftung Warentest kam 2019 bei einem Test von zehn verschiedenen smarten Thermostaten nur auf eine Ersparnis von fünf bis acht Prozent. Jens Schuberth vom Umweltbundesamt geht laut BR von 10 bis 15 Prozent aus. Angesichts der explodierenden Energiepreise können aber selbst die pessimistischeren Warentest-Werte einen spürbaren Unterschied in der Haushaltskasse machen.

Je teurer Brennstoffe sind, desto rentabler ist auch die Anschaffung von smarten Thermostaten, die nicht billig sind. Bei Preisen zwischen 40 und 70 Euro pro Regler kommen beispielsweise bei einer Wohnung mit sechs Heizkörpern schon 240 bis 420 Euro zusammen, Zubehör wie Fenster-Sensoren, Raum-Thermometer oder Austausch-Batterien nicht einberechnet. Hat man noch kein vernetztes Zuhause, muss man unter Umständen zusätzlich etwa 50 bis 100 Euro in eine Smart-Home-Zentrale investieren.

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Die Heizkosten werden auf absehbare Zeit weiter steigen.

(Foto: co2online)

In der Heizsaison 2020/21 hätte sich das laut "Heizspiegel" für ein kleines Einfamilienhaus mit 110 Quadratmeter Grundfläche und Gasheizung bei durchschnittlichen Kosten von 890 Euro noch nicht so schnell gerechnet. Doch bereits für die aktuelle Saison haben sich die Kosten bereits auf 1755 Euro nahezu verdoppelt. "Ab 2023 müssen sich Gaskunden auf eine Verdreifachung der Abschläge einstellen, mindestens", warnt Netzagentur-Chef Klaus Müller.

Auch wer mit Öl heizt, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen. Laut Statista hat sich der durchschnittliche Preis für einen Liter Heizöl seit Juni 2021 von 69 Cent auf etwa 1,43 Euro ebenfalls verdoppelt.

Längere Heizphasen durch Homeoffice

Bei solchen Preisen rentiert sich eine Anschaffung smarter Regler eventuell bereits bei einer Einsparung von 5 bis 8 Prozent. Unter Umständen lässt sich aber auch mehr herausholen. Denn Warentest legte damals zugrunde, "dass die Bewohner einen typischen Acht-Stunden-Arbeits­tag haben und in ein warmes Zuhause zurück­kommen wollen". Doch seit Beginn der Corona-Pandemie arbeiten viele Menschen zu Hause und möchten dies zumindest teilweise auch weiter tun. Außerdem gibt es weit detailliertere Abstufungen als abends und morgens warm, ansonsten kalt.

Laut Verbraucherzentrale bringt alleine schon jedes Grad weniger ungefähr eine Einsparung von sechs Prozent. Wenn man also abends einen leichten Pulli statt eines T-Shirts trägt oder sich unter eine Decke kuschelt, sinkt der Energieverbrauch deutlich. Übertreiben sollte man es aber nicht, denn unter 16 Grad droht Schimmelbildung. Oft ist es auch teurer, einen komplett ausgekühlten Raum auf Zimmertemperatur zu bringen als ihn bei Abwesenheit moderat weiterzuheizen.

Smarte Thermostate genauer und komfortabler

Ein weiterer Vorteil von smarten Reglern ist ihre Genauigkeit. Ein herkömmliches Thermostat erlaubt lediglich einen Wert zwischen 1 und 5 einzustellen. Stufe 1 entspricht etwa 12 Grad, jede weitere rund 4 Grad mehr. Smarte Thermostate dagegen erlauben es, die Temperatur aufs halbe Grad genau zu regeln.

Ein dicker Pluspunkt ist die Möglichkeit, Zeiträume exakt festzulegen. So kann man beispielsweise wochentags morgens das Badezimmer genau die 30 Minuten, die man dort verbringt, bevor man das Haus verlässt, schön warm heizen. Vielleicht sollen es auch vor dem Schlafengehen ein paar Grad mehr sein, die restliche Zeit darf es dort ruhig kühler sein.

Außerdem bieten vernetzte Thermostate Komfort-Funktionen, die das Energiesparen angenehmer machen. Beispielsweise kann man sie per App oder Notebook von unterwegs bedienen und einstellen. Viele Geräte pausieren auch selbstständig, wenn man ein Fenster öffnet oder das Haus verlässt.

Sparsame Nutzer sparen kaum mehr

Es lassen sich noch weitere Situationen nennen, in denen ein smartes Thermostat seine Vorteile ausspielen kann. Man erkennt aber an den Beispielen, dass sich das alles größtenteils auch manuell regeln lässt, wenn man die Disziplin dafür aufbringt und nicht allzu vergesslich ist. Für das Einsparpotenzial ist es also entscheidend, wie sich durch die Anschaffung smarter Thermostate das bisherige Heizverhalten verbessert.

Das weitaus größere Einsparpotenzial liegt unter anderem in einer besseren Gebäudedämmung oder einer Erneuerung der Heizanlage. Im Eigenheim kann man Nachtabsenkungen et cetera bereits am Kessel zentral programmieren. Für Mieter kann sich der Umstieg auf smarte Thermostate angesichts der enorm gestiegenen Energiepreise dagegen durchaus rechnen. Wenn sie allerdings schon bisher sehr sparsam heizen, ist der zusätzliche Nutzen nicht allzu groß.

Problem für Stromnetze?

Theoretisch können smarte Thermostate problematisch für Stromnetze werden, wenn unter anderem verstärkt Wärmepumpen zum Einsatz kommen. Wissenschaftler der Cornell-Universität im US-Bundesstaat New York haben in einer Studie festgestellt, dass die morgendliche Spitzenlast durch den Einsatz solcher Regler in rund 2200 Haushalten um 40 Prozent höher lag als Modellrechnungen normalerweise erwarten ließen. Allerdings setzten alle ausgewerteten Haushalte die gleichen Thermostate eines Herstellers ein und die Forscher vermuten, dass die meisten Nutzer die Werkseinstellungen unverändert ließen. Denn die Spitzen traten um exakt 6:05 auf, der voreingestellten Zeit der Geräte.

Testsieger von AVM

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Wer sich für smarte Thermostate entscheidet, sollte nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Qualität achten. Die beste Lösung für Stiftung Warentest war das AVM Fritz DECT301 (ca. 55 Euro) für Besitzer einer Fritzbox. Ausschlaggebend war die einfachste Handhabung (Note 1,9) unter den Testkandidaten, außerdem ist keine zusätzliche Smart-Home-Basis nötig. Das Gerät arbeitet ohne Sensoren, die automatisch erkennen, wenn ein Fenster geöffnet wird, drosselt die Heizung beim Lüften laut Warentest aber auch ohne gut.

Was die Wärmeregulierung betrifft, zeigte der Home-Control-Regler von Devolo (ca. 60 Euro) die beste Leistung (1,5). Weil die Handhabung aber nur "befriedigend" (3,0) bewertet wurde, belegt das Thermostat im Warentest-Vergleich lediglich Rang 3. Den zweiten Platz eroberte das Thermostat Homematic IP (ca. 60 Euro), das die zweitbeste Wärmeregulierung (1,9) bietet und sich bei der Handhabung (2,1) nur knapp dem FritzDect 301 geschlagen geben musste.

Quelle: ntv.de

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