Wirtschaft

Megahype um Social-Media-App Wer trifft sich im Clubhouse?

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(Foto: dpa)

Eine neue App sorgt für jede Menge Gesprächsstoff. Das liegt wohl auch daran, dass nicht jeder Zugang hat und die Betreiber damit einen künstlichen Hype verursachen.

Caro Daur, Joko Winterscheidt oder Louisa Dellert: Die Promidichte bei Clubhouse, einer neuen Social-Media-App, ist in den letzten Tagen explosionsartig gestiegen. Nachdem sich der Twitter-Konkurrent im vergangenen Sommer in den USA viral verbreitete, ist nun der Hype um die App aus dem US-Bundesstaat Utah in Deutschland angekommen. Dabei kann sie derzeit nur auf dem iPhone verwendet werden, nicht auf Android-Smartphones.

Den Rummel um Clubhouse kann man auch an den Top-Listen der Downloads im App-Store von Apple ablesen. Am heutigen Montag verdrängte die Audio-Anwendung den populären Messengerdienst Telegram in Deutschland von Platz zwei der Liste der am häufigsten heruntergeladenen Gratis-Anwendungen. Auf Platz 1 liegt der Messenger Signal.

Anders als bei Tiktok, Instagram oder Snapchat geht es bei Clubhouse nicht um Bild- oder Videoinhalte. Stattdessen kommen die Nutzer der App in Audio-Chatrooms zusammen und tauschen sich hier über vorher festgelegte Themen aus. Sie reichen von Politik über Marketing und Social-Media-Trends bis hin zur Klimadebatte oder Sport. Nutzer der App können den virtuellen Gesprächsrunden jederzeit beitreten, den Moderatoren und sogenannten Speakern zuhören oder sich aktiv am Gespräch beteiligen - ohne Video. So entsteht eine Mischung aus einem Live-Podcast und einer Konferenz über Telefon. Im Prinzip kann jeder Nutzer einen solchen virtuellen Diskussionsraum eröffnen und andere Nutzer in diese Runde einladen.

Zurzeit tummeln sich vor allem Leute aus der Wirtschafts- und Startup-Szene, der Politik, der Medienbranche und viele Prominente und Influencer auf Clubhouse. Wer mitmachen will, braucht eine Einladung. Ohne die geht bei Clubhouse gar nichts. Eingeladen werden können Nutzer über Freunde und Bekannte, die schon in der App registriert sind. Das funktioniert ausschließlich über die Handynummer. Dadurch, dass momentan nur ein kleiner Kreis mitmachen kann, wird der Eindruck erweckt, dass es sich hierbei um etwas Besonderes handelt. "Diese künstlich erzeugte Knappheit ist ein alter Marketing-Trick, der aber gut funktioniert und bei vielen eine Art 'Fear of missing out', also die Angst etwas zu verpassen, erzeugt", sagt ntv-Startup-Expertin Janna Linke.

Kritik von Datenschützern

Nach Angaben von Clubhouse hat diese künstliche Verknappung einen rein praktischen Grund. Bei der jetzigen App-Version handele es sich um eine Art Testversion. Bei zu vielen Nutzern würde die Software derzeit zusammenbrechen - deshalb lasse man vorerst nur eine begrenzte Zahl zu. Doch schon bald wolle man die App ohne "Invite" anbieten.

Ein weiteres Problem: Wer eine andere Person zu Clubhouse einladen möchte, muss der App erlauben, dass sie auf Kontaktdaten aus dem Telefonbuch zugreifen darf. So könnten nicht nur sensible Daten des Nutzers zu den Machern der Plattform gelangen, sondern auch Daten aus dessen Umfeld, kritisieren Datenschutzexperten. Die App zeichnet sämtliche Gesprächsinhalte mit und speichert diese auf seinen Servern. Verstöße gegen die Community-Guidelines könne man so besser feststellen, heißt es in den Nutzungsbedingungen zur Begründung.

Das Datenschutzkonzept von Clubhouse, das vermutlich auch gegen die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstößt, hinderte am Wochenende viele Influencer in Deutschland nicht daran, schnell auf den Clubhouse-Zug aufzuspringen. So versammelten sich über 1000 Menschen virtuell in einem Clubhouse-Raum, in dem die Digitalministerin im Bundeskanzleramt, Dorothee Bär, mit der Unternehmerin Tijen Onaran, der Journalistin Niddal Salah-Eldin und vielen anderen über das "Diversity-Jahr 2021" diskutierte.

Clubhouse wurde im April 2020 gestartet und löste zunächst in den USA in der Corona-Krise einen Boom aus, der an die Anfänge von Whatsapp oder Snapchat erinnert. Der Wagnis-Kapitalgeber Andreessen Horowitz, der auch früh in Silicon-Valley-Stars wie Airbnb, Facebook, Instagram, Lyft und Twitter investiert hatte, steckte im Mai 2020 zwölf Millionen Dollar in Clubhouse. Damit wurde das Startup mit 100 Millionen Dollar bewertet - zu einem Zeitpunkt, als nur 1500 Nutzer bei der Anwendung aktiv waren. Darunter befanden sich aber schon prominente User wie der Rapper Drake, der Comedian Kevin Hart und die US-Schauspielerin Tiffany Haddish.

In der Clubhouse-App können die Anwender verschiedene Rollen einnehmen. Als Moderatoren können sie Audio-Chats starten und andere User auf die Bühne holen und ihnen das Mikrofon übergeben. Sprecher beteiligen sich aktiv an der Diskussion. Die Masse der Anwenderinnen und Anwender beschränkt sich auf eine Zuhörer-Rolle. Sie können aber virtuell die Hand heben, um den Moderator auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie etwas zu der Gesprächsrunde beitragen wollen.

Mit der ersten großen Clubhouse-Welle im deutschsprachigen Internet kommt nun ein neuer Schwung von Einladungen auf den Markt. Das kann man auch an den Durchschnittspreisen ablesen, die bei Ebay Kleinanzeigen dafür verlangt werden. Die sanken zuletzt auf 15 Euro.

Quelle: ntv.de, mit dpa

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