Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 522 Kann Wasser schlecht werden?

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Ob aus dem Hahn oder in der Flasche: Wasser ist die Grundlage für Leben. Die Trinkwasser-Qualität in Deutschland ist hoch. Dennoch ist das, was aus der Leitung kommt, nicht immer einwandfrei. Welche Dinge Einfluss darauf haben können, weiß ein Experte.

Wasser ist nicht gleich Wasser. Das ist allen klar, die sich intensiv damit beschäftigen. Manche schwören auf Wasser, das tief aus der Erde kommt, andere wiederum bevorzugen das mit den wenigsten Mineralien und wieder andere trinken ausschließlich, was klar und kalt aus dem Hahn in ihrer Küche fließt. Die wenigsten Menschen gehen in Deutschland davon aus, dass das Wasser, das sie täglich zu sich nehmen, schlecht ist. Aber kann denn Wasser überhaupt schlecht werden?

"Die Antwort auf die Frage, ob Wasser schlecht werden kann, ist ganz klar: ja", sagt Söhnke Mücke, Trinkwasser-Experte von Ivario, einem Anbieter von Wassertests. "Ursache dafür sind ungünstige hygienische Bedingungen." Prinzipiell wird dem Trinkwasser in Deutschland eine hohe Qualität zugestanden. Die Grundlage für diese Einschätzung sind die Richtlinien aus der gültigen Trinkwasserverordnung. "Tatsächlich ist das Wasser, was in Deutschland aus dem Wasserwerk kommt, von hoher Qualität, da es ständig überprüft wird", erklärt Mücke weiter.

Gesamtkeimzahl ist entscheidend

Koloniebildende Einheit

Koloniebildende Einheit (KBE) ist eine Größeneinheit, die die Zahl lebender Mikroorganismen in einem Material angibt. Da einige Individuen dicht beieinanderliegen oder aneinanderhaften, wurde der Begriff eingeführt. Sie stimmt nicht mit der tatsächlichen Zahl der Keime im Material überein. Dennoch können mit KBE Grenzwerte bestimmt beziehungsweise ermittelt werden.

Einer der Parameter der Trinkwasserverordnung ist die Gesamtkeimzahl. Um die Qualität des Wassers beziehungsweise dessen Genießbarkeit einschätzen zu können, wird die Gesamtkeimzahl in kolonienbildenden Einheiten gemessen. "Im Trinkwasser in Deutschland dürfen höchstens 100 kolonienbildende Einheiten pro 100 Milliliter nachgewiesen werden", so Mücke. Wasser, das aus dem Wasserwerk in die Haushalte kommt, liegt durch regelmäßige Kontrollen und daraus folgende Maßnahmen unter diesem Wert. Veraltete Leitungen und Armaturen in Häusern und Haushalten können allerdings die Qualität des Leitungswassers wesentlich beeinträchtigen.

In allen handelsüblichen Wasserleitungen bilden sich mit der Zeit sogenannte Biofilme. Je nachdem, wie die umgebenden Bedingungen wie Temperatur, Durchfluss und Material sind, können diese im schlechtesten Fall eine schnelle Vermehrung von krankmachenden Bakterien begünstigen.

Ein weiteres Problem für die Wasserqualität kann das Material der Wasserleitung und der Armatur sein. Schwermetalle wie Blei oder Nickel sind gesundheitsgefährdende Stoffe im Trinkwasser. Aus diesem Grund wurde beispielsweise der Grenzwert für Blei im Jahr 2013 auf 10 Mikrogramm pro Liter herabgesetzt. Vor allem für Babys, Kleinkinder und alle Personen mit geschwächtem Immunsystem sind solche Verunreinigungen durch Bakterien oder Schwermetalle im Wasser gefährlich. Im Normalfall kann man solche Verunreinigungen weder sehen noch riechen oder schmecken. Von Wasser, das schlecht riecht, komisch aussieht oder eigenartig schmeckt, sollte man sowieso die Finger lassen.

Bakteriennester am Perlator

"Eine weitere Schwachstelle ist der Perlator", sagt Mücke und meint damit das Endstück des Wasserhahns. "Den Perlator sollte man unbedingt regelmäßig reinigen und spülen", so der Experte. An dieser Stelle bleiben die Keime gut hängen und vermehren sich. Wer zusätzlich einen wassersparenden Aufsatz benutzt, ohne diesen besonders zu pflegen, der tut den Bakterien quasi extra einen Gefallen und setzt die Wasserqualität zugunsten des Wassersparens aufs Spiel.

Vermieter sind zwar verpflichtet, die Richtwerte der Wasserverordnung einzuhalten, jedoch nicht dazu, das Wasser regelmäßig zu testen. Jeder, der wissen will, welche Qualität das Wasser hat, das aus dem Hahn kommt, muss sich also selbst kümmern. Mückes Erfahrung ist, dass "von 10.000 Proben von Privathaushalten aus allen Teilen der Republik zirka 16 Prozent belastet sind." Jede siebte Probe, sagt er, habe entweder zu viele Keime gehabt oder sei mit Schwermetallen belastet gewesen. "Rechnet man das hoch, dann betrifft das in Deutschland rund fünf Millionen Haushalte, die Trinkwasser nutzen, das gemäß der Trinkwasserverordnung nicht in Ordnung, also schlecht ist", resümiert Mücke.

Und Wasser in Flaschen?

Bei Wasser in Flaschen ist das anders. Wasser, das in Glasflaschen luftdicht verpackt ist, ist praktisch auch unbegrenzt haltbar. Wasser in Plastikflaschen dagegen sollte nach dem aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdatum, zu dessen Angabe die Hersteller von Tafelwasser gesetzlich verpflichtet sind, nicht mehr getrunken werden. Es könnte sein, dass die PET-Flasche über einen längeren Zeitraum hinweg hormonähnlich wirkende Stoffe direkt ins Wasser abgibt. Zudem werden solche Prozesse durch zu warme Lagerung oder durch direktes Sonnenlicht beschleunigt. Welche Auswirkungen diese Stoffe langfristig auf die Gesundheit haben, kann wissenschaftlich nicht genau benannt werden. Aus diesem Grund wird vorsichtshalber vor dem Verzehr dieses Wassers abgeraten.

Übrigens: Wenn das Haustier das angebotene Wasser nicht trinkt, sollte man selbst auch die Finger davon lassen. Viele Tiere haben diesbezüglich wesentlich feinere Sinne als Menschen und können deshalb bakterielle Verunreinigungen auch eher wahrnehmen.

Quelle: n-tv.de

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