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Leerstand in den Innenstädten? Wo das Filialsterben bei Douglas Lücken reißt

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Douglas setzt verstärkt auf Online-Shopping: "Wir wissen um die Wünsche unserer Kundinnen."

(Foto: dpa)

Deutschlands größte Parfümeriekette Douglas setzt mitten in der Corona-Krise den Rotstift an. Fast jede siebte Filiale in Deutschland soll schließen. Betroffen sind Dutzende Geschäfte in prominenter Lage in deutschen Innenstädten. Ein Überblick.

Hiobsbotschaft im deutschen Einzelhandel: Die Parfümeriekette Douglas richtet sich stärker auf das Online-Shopping aus und zieht sich im großen Stil aus dem klassischen Filialgeschäft zurück. Rund 60 der mehr als 430 Douglas-Standorte in Deutschland würden geschlossen, teilte das Unternehmen Ende Januar mit.

Die Verhandlungen mit den Mitarbeitern sind dem Vernehmen nach bereits angelaufen. In Deutschland verlieren etwa 600 Beschäftigte ihren Job. Der aus einer Hamburger Seifenfabrik hervorgegangene Parfümerie-Riese will die betroffenen Beschäftigten eigenen Angaben zufolge bei der "beruflichen Neuorientierung" unterstützen und bietet zudem eine Abfindung an, die "besser" sei als "derzeit in der Branche üblich". Insgesamt beschäftigt Douglas in Deutschland 5200 Menschen.

Der Großteil davon wartet, wie fast der gesamte deutsche Einzelhandel, seit Wochen auf die Rückkehr zur Normalität. Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie dürfte die strategischen Neuausrichtungen bei Douglas durchaus beschleunigt haben. Trotz "massiver" Umsatzeinbrüche im Filialgeschäft aufgrund des mehrmonatigen Lockdowns konnte der Konzern seinen Jahresumsatz zuletzt fast halten.

Das Kunststück gelang Douglas nur "dank der Zuwächse im E-Commerce", also im elektronischen Handel übers Internet, wie es recht nüchtern im jüngsten Geschäftsbericht heißt. Der Konzernumsatz 2019/20 lag mit einem Volumen von 3,2 Milliarden Euro nur um 6,4 Prozent unter dem Rekordwert des Vorjahres. Das Weihnachtsgeschäft in den deutschen Fußgängerzonen fiel weitgehend aus, stattdessen kauften die Kunden die typischen Douglas-Produkte im Netz.

Douglas spricht von einem nachhaltig veränderten Käuferverhalten "in Richtung online". Bereits seit Sommer 2020 sei deshalb die gesamte europäische Filialstruktur auf den Prüfstand gestellt worden. Die Folgen der Ansteckungswelle in der zweiten Jahreshälfte hätten "den allgemeinen Trend zum Online-Shopping zusätzlich beschleunigt".

Auch Vorzeige-Standorte betroffen

Wenn das Beispiel Douglas Schule macht, dann könnten sich in den deutschen Innenstädten bald weitere Lücken auftun. Die Parfümeriekette gibt im Rahmen der Neuausrichtung auf den Online-Handel nämlich nicht nur angemietete Flächen in Kleinstadt-Malls oder nur per Auto erreichbaren Einkaufszentren auf. Auf der Liste der bisher bekannten Filialschließungen stehen auch Vorzeige-Standorte in Top-Lagen wie etwa in der Münchner Luitpoldstraße, in der Kölner Hohen Straße nahe des Doms oder in der Europa-Passage an der Binnenalster in Hamburg.

Für Douglas-Chefin Tina Müller gibt es keine Zweifel: "Wir wissen um die Wünsche unserer Kundinnen, kennen das Kaufverhalten genau und werden den schon 2018 begonnenen Wandel zum E-Commerce vorantreiben." Europaweit sind rund 500 Filialen der insgesamt 2400 Niederlassungen betroffen.

Quelle: ntv.de

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