Leben

Das Geheimnis der 100-Jährigen Frau Baltadzhieva, Bulgarien und der Bacillus

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Heute schon ein Joghurt gegessen? Nein? Warum nicht?

(Foto: soe)

Auf nach Bulgarien, in die Kulturhauptstadt 2019 - auf nach Plowdiw! Das Jahr ist zwar bald vorbei, aber die Kultur bleibt. Und wenn wir schon von Kulturen sprechen - die finden sich ja auch im Joghurt. Womit wir nicht mehr in Sachen Theater oder Museum unterwegs wären, sondern beim Essen landen. In Bulgarien gehört Joghurt sowieso zum Kulturgut. In Plowdiw war dieses Jahr zwar eine Menge los, weil die Stadt eben eine der beiden Kulturhauptstädte Europas war, es wird aber weiterhin Gründe geben, warum man sich den Namen dieser Stadt merken sollte. Und wenn Sie denken: "Ach, diese alte, südbulgarische Stadt liegt ja hinter den sieben Bergen", dann haben Sie gar nicht mal so Unrecht, denn tatsächlich wurde Plowdiw auf sieben Hügeln erbaut. Vermarktet hat die ganze Sache mit den sieben Hügeln die Stadt Rom tatsächlich besser, selbst Athen kann da mithalten, aber eine Reise ist auch Plowdiw wert. Klar, hier ist nicht alles Gold was glänzt, und keine Reportage über Bulgariens zweitgrößte Stadt kommt ohne einen Hinweis darauf aus, dass hier gerade ein neues Mekka für Jungunternehmer entsteht, dass kulturell Interessierte beim Klang des Namens Plowdiw (mit zwei sehr weichen W) feuchte Augen bekommen und dass es im Viertel Stolipinovi die größte Roma-Siedlung auf dem Balkan gibt. Gleich neben Stolipinovi jedoch liegt ein Institut, in dem eine junggebliebene, ältere Dame an Dingen forscht, die für die Menschheit tatsächlich bahnbrechend sein könnten. Deswegen trifft sich n-tv.de mit Professor Maria Baltadzhieva auf einen leckeren Natur-Joghurt, um über Bakterien, Stäbchen, Darmflora, Pickel und Parkinson zu sprechen.

n-tv.de: Frau Professor Baltadzhieva, Ihnen hat es ausgerechnet dieser eine, dieser Lactobacillus Bulgaricus, angetan - warum kann der so viel? Ein Zufall?

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So sehen also glückliche Kühe aus.

(Foto: imago/Nature Picture Library)

Maria Baltadzhieva: Nein (lacht). Das ist tatsächlich ein Geschenk der Natur an dieses wunderbare Land. Hier mag nicht alles in Ordnung sein, aber wo ist es das schon auf der Welt? Ich forsche seit 55 Jahren an Milch und Milchprodukten, denn Milch ist nach wie vor eines der wichtigsten und reinsten Lebensmittel. Ich habe nach Stämmen gesucht, die die Milch biologisch aktiv verändern, damit ein guter Joghurt hergestellt werden kann.

Es ist also eine Kombination aus vielen Gründen …

Genau, aus klimatischen Bedingungen und einer einzigartigen Flora und Fauna. Wir haben wunderbare Gebirgsregionen, auf deren Wiesen die Kühe weiden, deren Milch wir verwenden. Es gibt dort eine Artenvielfalt von Pflanzen, die besonders gut für die Entwicklung von Mikroorganismen ist. Ich habe aus all unseren Gebirgsregionen typische Proben genommen und isoliert. Die besten stammen aus den Rhodopen, ganz in der Nähe von Plowdiw, aus einer Höhe von 1500 m. Dort habe ich Joghurt aus einer Tonschüssel genommen, in der ein Schäfer seinen Käse macht - der Schäfer war 100 Jahre alt und hat noch gearbeitet. Einen ähnlichen Stamm habe ich zum Beispiel auch noch im Pirin-Gebirge gefunden.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts hat der russische Forscher Elie Metchnikoff die Flora Bulgariens einer großen Forschung unterzogen - warum?

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Schöne Aussicht - auf einem der Hügel Plowdiws.

(Foto: imago images / Danita Delimont)

Weil er schon im Jahr 1905 die Ursachen für die Alterung erforscht hat, in verschiedenen Ländern. Eines davon war Bulgarien. Er hat festgestellt, dass es in Bulgarien mehr Hundertjährige gab als an den meisten Orten der Welt. Bei seinen Forschungen entdeckte er dann, dass die Hundertjährigen ihr ganzes Leben lang überwiegend Milchprodukte zu sich genommen haben. Das waren natürlich vor allem Leute aus den Gebirgsregionen, die mit Viehzucht und Milchverarbeitung beschäftigt waren.

Also alles Käse?

Könnte man so sagen. Das Hauptnahrungsmittel dieser Menschen war und ist Joghurt und Käse. Metchnikoff stellte fest, dass in der Mikroflora des Darmtraktes der betroffenen Personen ein Stäbchen-Bakterium angesiedelt war, und zwar der Lactobacillus Bulgaricus, der dort nur vorkommen konnte, wenn man dieses Bakterium enthaltende Produkte wie Käse und Joghurt aus speziellen Regionen regelmäßig zu sich nimmt. Und er war überrascht, dass dieses winzige "Stäbchen" - trotz des niedrigen pH-Wertes im Magen - dann im Darm festgestellt werden konnte.

Er war also überrascht, dass dieses Bakterium so überlebensfähig ist ...

Elias Metchnikoff

Metchnikoff war Anfang des 20. Jahrhunderts Forschungsdirektor am Pasteur-Institut in Paris. Seit Jahren beschäftigte den Zoologen, Bakteriologen und Immunologen, wie und warum der Mensch altert. Seiner Auffassung nach waren Fresszellen die Hauptschuldigen eines vorzeitigen Alterns. Altern war demnach eine Folge von "Disharmonien in der Organisation des Verdauungsapparates", der Dickdarm ein schädliches Organ, ein Reservoir unverdauter Nahrung, welches die Ansiedelung von Fäulnisbakterien fördere. Das führe zu einer Art Selbstvergiftung, vor allem bei zunehmendem Alter. In diesem Zusammenhang setzte Metchnikoff auf die Bakteriologie. Vor allem war er fasziniert von Milchsäurebakterien und ihrer Rolle in der Darmflora. Sie hatte Louis Pasteur entdeckt, als er in den 1860er Jahren die Weingärung studierte. 1905 stieß der bulgarische Forscher Stamen Grigorow auf das sogenannte "Bacillus bulgaricus", das als Milchsäurebakterium für die Umwandlung von Milch in Joghurt verantwortlich ist. Metchnikoff erfuhr von den Forschungen und veröffentlichte zwei Jahre später seine Ideen zur Gesundheit der bulgarischen Landbevölkerung. Er erklärte die hohe Lebenserwartung der dortigen Bauern durch den täglichen Verzehr frischen Joghurts. Es gebe nicht nur schlechte, sondern auch "gute" Bakterien. Der Bacillus Bulgaricus, den man in bulgarischer Sauermilch gefunden habe, erledige diese Aufgabe am perfektesten, so der Nobelpreisträger. Bulgarischer Joghurt wurde zum Lebenselixir. Alle möglichen Krankheiten sollten durch ihn geheilt werden können. Apotheken und Drogerien in Europa und bald auch in den USA offerierten fertigen Joghurt und ebenso Starterkulturen in Pulver- und Tablettenform. (Quelle: Alimentarium)

Ja. Im Magen befinden sich über 300 Mikroorganismen, die durch die Nahrung hineingelangen. Das spezielle "Stäbchen" des Lactobacillus Bulgaricus blockiert die Wirkung der anderen schädlichen Mikroorganismen. Es beginnt zu wachsen, und bei der Entwicklung wird eine Vielzahl biologischer Komponenten ausgeschieden, die das Magenmilieu verändern. Der Lactobacillus Bulgaricus kann so also Darm und Dickdarm von schädlichen Stoffen säubern. Natürlich sind nicht alle Stämme so wirksam wie der, mit dem ich arbeite. Deswegen muss er dringend so erhalten werden, wie er ist.

Warum sollte ich das Präparat, die Kapsel, die Sie in Ihrem Institut herstellen, prophylaktisch nehmen?

Sie sollten solch eine Kapsel einnehmen, wenn Sie Ihr Immunsystem stärken wollen. Der Lactobacillus Bulgaricus hat außerdem eine Anti-Aging-Wirkung, wirkt fettverbrennend und ist wirksam gegen Pickel. Meine größte Freude war es aber, als entdeckt wurde, dass wir mit dem Präparat Osteoporose behandeln können, was besonders für Frauen wichtig ist. Denn an erster Stelle standen die Forschungen in Bezug auf Darmgesundheit, Stoffwechsel, Immunsystem und Osteoporose.

Es heißt, dass der Lactobacillus Bulgaricus das Fortschreiten von Parkinson verlangsamen kann ...

Ein Kollege in Wien, der Parkinson hatte, hat angefangen, die Kapseln zu nehmen. Und was soll ich sagen - das Zittern verschwand. Das hat natürlich Fragen nach sich gezogen und für Aufsehen gesorgt, etliche Medien haben darüber berichtet.

Es ist also quasi eine Nebenbei-Entdeckung gewesen?

Ja. Am besten helfen die Kapseln meiner Ansicht nach aber gegen Hauterkrankungen. Wenn in einem Darm überwiegend gute Bakterien sind, dann gibt es keinen Platz für die schlechten, so einfach ist das tatsächlich. Man könnte auch sagen, dass der Darm das zweite Gehirn unseres Körpers ist.

Vom bulgarischen Milchbauern in den Bergen bis zur Kapsel im Glas: was kann so eine kleine Kapsel? Der Bauer ernährt sich sein Leben lang ausschließlich von den reinen Nahrungsmitteln vor der Tür ...

Wir alle können in unserem hektischen Alltag ja nicht ständig bulgarischen Joghurt oder Käse essen. Da die Kapseln den Lactobacillus Bulgaricus in hochkonzentrierter Form beinhalten, wäre das die ideale Art und Weise, seinem Körper etwas Gutes zu tun.

Wie viele Kapseln muss ich also zu mir nehmen, um quasi auf einen ähnlichen Stand zu kommen wie er?

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In ihrem Labor forscht Professor Baltadzhieva seit über 16 Jahren an neuen Methoden, wie der Lactobacillus Bulgaricus die biologisch aktiven Eigenschaften ausgewählter Stämme mit bekannten biologisch aktiven Produkten kombinieren kann.

(Foto: soe)

Das ist natürlich subjektiv, aber je früher Sie damit anfangen, desto besser. Normalerweise täglich eine. In harten Zeiten, also zum Beispiel dann, wenn die Grippezeit bevorsteht oder unser Immunsystem durch die Einnahme von Antibiotika geschwächt ist, nimmt man am besten zwei. In einer Kapsel sind 400 Milliarden lebende Mikroorganismen. Durch die Umweltveränderungen um uns herum ist es notwendig geworden, Probiotika zu sich zu nehmen. Ich rate natürlich zu unserem Forschungsprodukt.

Was tun bei Laktose-Intoleranz?

Auch wenn es Lactobacillus heißt, ist gar nicht so viel Lactose in der Kapsel. Der Lactobacillus Bulgaricus ist eine Energiequelle, der die Lactose abbaut, und es verbleiben nur minimale Mengen.

Was bedeutet die Forschung am Lactobacillus Bulgaricus Ihnen persönlich?

Ich bin glücklich, dass ich mit 86 Jahren zwölf Stunden am Tag arbeiten kann!

Mit Maria Baltadzhieva sprach Sabine Oelmann

Quelle: ntv.de