Liebe und Familie

Väter damals und heute So hat sich die Vaterrolle gewandelt

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Väter heute legen Wert auf viel Zeit mit ihren Kindern.

(Foto: imago/PhotoAlto)

Vätermonate, Elternabende, Vorlesen: Die Ansprüche an Väter haben sich im Laufe der Zeit geändert. Der "neue" Vater beteiligt sich mehr an der Kindererziehung, geht aber auch viel arbeiten. Die stärkere Teilhabe am Familienleben führt oft zu Vereinbarkeitskonflikten von Privat- und Berufsleben.

Der moderne Vater kümmert sich engagiert um seine Kinder und verbringt gerne Zeit mit ihnen. Er ist emotional, mitfühlend und liebevoll. Papa kümmert sich heute auch öfter, wenn das Kind krank ist: Die Zahl der Anträge von Vätern für Kinderkrankengeld hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Mittlerweile nehmen zudem ein Drittel aller Väter Elterngeld in Anspruch. Im Durchschnitt bleiben sie drei Monate zu Hause bei der Familie. Dies hat auch positive Auswirkungen auf die Partnerschaft: Eine Studie aus Schweden hat gezeigt, dass die Scheidungsrate bei Vätern in Elternzeit beim ersten Kind 30 Prozent niedriger lag, als bei jenen Familien, bei denen der Mann weiterhin arbeiten ging.

Das stärkere Engagement vieler Väter kommt nicht nur den Kindern zugute: "In unserem Väterreport von 2015 berichten aktive Väter über ein höheres Wohlbefinden, sind zufriedener mit ihrer Zeitverwendung und ihrer Partnerschaft. Das gilt übrigens auch für die Mütter", sagt Soziologin Dr. Claudia Zerle-Elsäßer vom Deutschen Jugendinstitut. 69 Prozent der jungen Papas geben an, sich mehr an der Kindererziehung zu beteiligen, als ihre eigenen Väter.

Traditionelle Familienmodelle noch am häufigsten

Vom absoluten Familienoberhaupt im 17./18. Jahrhundert über den entfremdeten Vater während der zwei Weltkriege, bis hin zum bürgerlichen Vater als Versorger der Familie – die Vaterrolle befand sich im ständigen Wandel. Dieser ist noch lange nicht abgeschlossen. Traditionelle Rollenmodelle finden sich bis heute in vielen Familien. Meist arbeiten beide Elternteile, wobei die Frau meist eine Teilzeitstelle in Anspruch genommen hat. Das liegt nicht nur am stärkeren Arbeitswunsch vieler Mütter: "Mittlerweile haben nicht nur Männer, sondern auch Frauen den Zwang, für die finanzielle Sicherheit der Familie zu sorgen", erläutert Dr. Zerle-Elsäßer.

In Teilzeit arbeitende Väter sind immer noch eine Seltenheit. Noch seltener ist das sogenannte Familienernährerinnen-Modell, bei dem die Frau arbeiten geht und der Mann sich um die Kinder kümmert. Dieses konträre Rollenmodell ist sehr oft nicht freiwillig gewählt und nur eine Übergangsphase. Als Gründe führt Dr. Zerle-Elsäßer unter anderem Arbeitslosigkeit des Vaters oder eine gute Karriereperspektive der Frau an. Die umgekehrte Rollenverteilung führt – zumindest in den unfreiwillig zustande gekommenen Konstellationen – laut Dr. Zerle-Elsäßer jedoch dazu, dass die Mütter "zu Hause mehr putzen, um das vermeintlich falsche Rollenbild wieder zurechtzurücken und diese Männer gar nichts oder nur wenig zu Hause machen, weil es nicht mit ihrem Männlichkeitsmodell übereinstimmt".

Vollzeitarbeit macht Väter glücklich

Dr. Claudia Zerle-Elsäßer forscht am Deutschen Jugendinstitut zu den Themen Vaterschaft, Familien und Digitalisierung.

Dr. Claudia Zerle-Elsäßer forscht am Deutschen Jugendinstitut zu den Themen Vaterschaft, Familiengründung und -erweiterung, Familiale Lebensführung sowie Digitalisierung.

Obwohl Männer heutzutage mehr für ihren Nachwuchs da sind, halten sie oft weiter an der Ernährerrolle fest. Das wundert Dr. Zerle-Elsäßer nicht: "Arbeit, Erfolg und Karriere sind Teil eines bestimmten Männlichkeitsbildes", erklärt sie und ergänzt "Einkommen erwirtschaften ist ein wichtiger Teil von Vaterschaft". Nach der Geburt des Kindes arbeiten viele Väter wohl auch deshalb mehr als vorher. Sie wollen ihren Job nicht verlieren und mehr Geld verdienen, um den – zeitlich befristeten – Ausfall des Einkommens der Mutter zu kompensieren.

Über 91 Prozent aller Väter sind in Vollzeit erwerbstätig, wobei viele bis zu 50 Wochenstunden auf der Arbeit verbringen. Eine Studie der Philipps-Universität Marburg zeigt, dass Väter am zufriedensten sind, wenn sie in Vollzeit oder länger arbeiten. Die Zufriedenheit der Väter ist laut den Ergebnissen sogar am höchsten, wenn diese 50 Stunden pro Woche im Büro sind. Der Arbeitssoziologe Martin Schröder erklärte dazu in Interviews: "Für Väter gibt es kaum etwas, das einen so negativen Einfluss auf die Zufriedenheit hat wie weniger zu arbeiten." Auch die Mütter sind glücklicher, wenn der Mann längere Zeit auf Arbeit verbringt. Die höchste Lebenszufriedenheit lag vor, wenn die Verteilung der Arbeitszeit von Vater und Mutter 80 zu 20 betrug.

Papas wünschen sich mehr Zeit mit Familie

Im Durchschnitt verbringen Väter heute zehn Wochenstunden mit ihren Kindern. Das ist vielen zu wenig: 79 Prozent wünschen sich mehr Zeit für ihre Familie. Nicht wenige Papas mit minderjährigen Kindern würden gerne weniger arbeiten, wobei eine vollzeitnahe Beschäftigung ohne viele Überstunden besonders gefragt ist.

Den vermeintlichen Widerspruch zur Marburger Studie erklärt sich Dr. Zerle-Elsäßer damit, dass lediglich die allgemeine Lebenszufriedenheit der Väter abgefragt wurde. Die Abfrage von bereichsspezifischen (Un-)zufriedenheiten könnte hier Licht ins Dunkel bringen. "Unseren Daten zufolge haben gerade beruflich hoch aktive Väter starke Vereinbarkeitskonflikte und Zeitunzufriedenheiten", sagt Dr. Zerle-Elsäßer. Sie habe die Studienergebnisse daher mit Interesse verfolgt. Schröder führt die höhere gesellschaftliche Akzeptanz des viel arbeitenden Vaters als eine Erklärung an: "Vielleicht ist es einfacher, so zu leben wie alle. Dann muss man sich nicht gegenüber Bekannten, Freunden, Eltern erklären", sagte er.

Gleichstellung in weiter Ferne

Bis engagierte Väter mehr Zeit mit ihren Familien verbringen können und von ihrer ökonomischen Mehrbelastung befreit werden, ist es scheinbar noch ein weiter Weg. Die Hürden sieht Dr. Zerle-Elsäßer unter anderem im Arbeitsmarkt, der oft etwas übergriffig sei: "Was es den Männern schwer macht, ist unser Arbeitsleben, das ganz stark auf die Präsenskultur hin ausgerichtet ist. Arbeiten tut nur, wer da ist und wer möglichst lange und viel da ist". Dr. Zerle-Elsäßer glaubt, dass eine 75-Prozent-Stelle eine gute Lösung darstellen würde: "Dann könnten beide einer ernstzunehmenden Erwerbstätigkeit nachgehen, als auch sich angemessen in der Kinderbetreuung engagieren", sagt sie. Jedoch stünden bisher verschiedene strukturelle Hürden wie beispielsweise die Gender Pay Gap und die mangelnde Vereinbarung von Familie und Beruf einer Angleichung der Zeitaufteilung von Mutter und Vater bei der Kindererziehung noch im Weg. Studien zufolge haben jedoch bereits 15 bis 20 Prozent der Familien dieses egalitäre Familienmodell trotz der Hürden umgesetzt.

Quelle: n-tv.de, imi

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