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Unterstützung für Digitalrechner Analog oder digital ist nicht die Frage

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Sind Analogrechneranlagen das nächste große Ding?

Bernd Ulmann gilt als König der Analogrechner, die zum "Next Big Thing" werden könnten. Wie die Rechenmaschinen funktionieren und warum man sie Digitalrechnern zur Seite stellen sollte, erklärt Ulmann im Podcast "So techt Deutschland".

Es ist ein bisschen so, als beträte man eine andere Welt, wenn man bei Bernd Ulmann im südhessischen Bad Schwalbach zu Besuch ist. Sein Haus ist bis unters Dach vollgestopft mit Analogcomputern. Man fühlt sich in alte Filme zur Mondlandung versetzt, wo kühlschrankgroße Computer wichtige Rechnungen ausführten. Fast jeder Quadratmeter im Haus ist belegt, es gibt gerade genug freie Flächen, um sich bewegen zu können. Bernd Ulmann ist nicht irgendein Computerfreak: "Meine wirkliche Leidenschaft gehört der Idee des Analogrechnens", sagt er im ntv-Podcast "So techt Deutschland". Ulmann und seine großen Rechenmaschinen seien "seit Jahrzehnten untrennbar miteinander verbunden." Schon als Jugendlicher war er von Analogrechnern begeistert. Sein Wohnhaus im Taunus ist über die Jahre zu einem einzigartigen Museum geworden.

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Bernd Ulmann gilt als König der Analogrechner.

(Foto: ntv)

Analogrechner bestehen aus Einzelteilen, die in einem Digitalrechner stecken: Transistoren, Widerstände oder Kondensatoren. Die Idee bei einem Analogrechner sei erst einmal, dass man nicht Schritt für Schritt rechne, wie das ein Digitalrechner mache, erklärt Ulmann. Bei einem Analogrechner baue man sich ein Modell des zu lösenden Problems. Ein Eimer Wasser, der auf einer Waage unter einem Wasserhahn stehe, könne nur durch eine Funktion auf- und zugedreht werden, nennt Ulmann ein Beispiel. Die Waage misst dabei das Gewicht des Eimers. "Damit habe ich ein Integral berechnet. Das ist eine ganz natürliche Form, eine Integration durchzuführen", erklärt Ulmann. Ein Digitalrechner würde eine solche Berechnung in viele kleine Schritte aufteilen, diese nacheinander ausführen und entsprechend Energie verschwenden.

Der Vorteil der Analogcomputer sei ihr geringer Energieverbrauch. "Zum Beispiel könnten medizinische Implantate perspektivisch stark von analogen Rechentechniken profitieren", sagt Ulmann und erklärt auch gleich warum. "Die Implantate würden so wenig Energie verbrauchen, dass sie keinen Energiespeicher mehr brauchen." Solche Geräte könnten seiner Meinung nach durch die Abwärme im Körper ihre Energie gewinnen.

Es gehe nun darum, einen Analogrechner hochintegriert auf einem Chip unterzubringen. "Das ist mein Ziel", sagt Ulmann und schiebt schnell hinterher "Nicht meins alleine, das Ziel meines Teams." Aber wie bekommt man es hin, dass Analogrechner so klein werden wie die heutigen Digitalrechner? "Was die Technologie betrifft, werden das die gleichen integrierten Schaltkreise wie im Digitalrechner sein", erklärt Ulmann. Anders verhalte es sich mit der elektronischen Komponente.

Ulmann will in den kommenden Jahren einen ersten Technologie-Demonstrator entwickeln. Doch wie so oft fehlt das Geld. Es gebe zwar Verhandlungen mit der Bundesagentur für Sprunginnovationen, aber es sei noch kein Geld geflossen. "Wir sind im Moment ein Team von viereinhalb Personen. Aber um einen integrierten Schaltkreis zu entwickeln, braucht es eine deutlich größere Mannschaft", sagt Ulmann. Es sei eben etwas anderes ein Hardware-Startup zu machen als ein Software-Startup. Er bekomme immer wieder zu hören: "Jungs, nehmt euch doch ein Co-Working-Space". Aber Ulmann fügt mit einem Lächeln hinzu: "Der hat zwar eine Küche, ich brauche aber ein Labor". Der Technologie-Demonstrator zeige erst einmal nur, dass man die Technologie im Griff habe. Daraus könne man dann Produkte in Angriff nehmen: "Die Durststrecke ist deutlich länger", klärt Ulmann auf.

Ein Digitalrechner ist eine Allzweckwaffe. Ein Analogcomputer sei ein Spezialrechner, genau wie ein Quantencomputer: "Ein Analogrechner ist in einigen Gebieten so gut, dass es töricht wäre, ihn nicht einem Digitalrechner zur Seite zu stellen, damit er den Digitalrechner unterstützt." Die Zukunft liegt für Ulmann in einer Mischung aus analoger und digitaler Technologie.

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Quelle: ntv.de