Panorama

"Zählweisen nicht vergleichbar" ALM: Deutschland kann bei PCR-Tests mithalten

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Der ALM spricht von der "Wiener Zählweise" in Österreichs Hauptstadt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wien gilt als Vorreiter bei den PCR-Kapazitäten. Täglich können in Österreichs Hauptstadt rund 800.000 Labortests durchgeführt werden. Aus deutscher Perspektive sind das erstaunliche Zahlen, doch die Labore hierzulande scheuen den Vergleich nicht.

Der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) weist den Vorwurf zurück, dass die deutschen PCR-Kapazitäten im internationalen Vergleich nicht mithalten könnten. "Wenn Vergleiche angestellt werden, dann müssen auch Äpfel mit Äpfeln verglichen werden. Dieses betrifft sowohl die Art durchgeführter Tests als auch deren Zählweise", sagte ALM-Vorstandsmitglied Evangelos Kotsopoulos laut einer Mitteilung.

So seien Zählweisen nicht immer 1:1 vergleichbar. Es würden teils auch Antigen- bzw. Schnelltests sowie gepoolte Tests in die Rechnung einbezogen, während in der ALM-Statistik strikt PCR-Einzeltests erhoben würden. "Ohne Antigen-Schnelltests hätte die 'Wiener Zählweise' für Deutschland in der dritten Kalenderwoche mindestens 5,5 Millionen 'PCR-Tests' ergeben", erklärte ALM-Vorstandsmitglied Kotsopoulos. Umgerechnet wären das rund 785.000 PCR-Tests am Tag.

Österreichs Hauptstadt gilt als Vorreiter bei der PCR-Infrastruktur. Die Grundlage wurde dafür bereits 2020 gelegt. Mit dem Angebot "Alles gurgelt!" sei ein PCR-Test für zu Hause entwickelt worden, bei dem zur Überprüfung der Ausweis erfasst und das Gurgeln gefilmt werde, erklärte ein Sprecher des Gesundheitsressorts der Stadt. So werden pro Woche rund 2,1 Millionen Tests ausgewertet. Angesichts der Omikron-Variante und den nun rekordhohen Infektionszahlen ist den Angaben zufolge die Kapazität aufgestockt worden: von 500.000 Tests täglich auf 800.000. Mittels Pooltestung können dabei mehrerer dieser Proben gleichzeitig überprüft werden. Schlägt ein Pool positiv an, werden die Proben einzeln erneut überprüft.

Nach "deutscher Zählweise" seien vergangene Woche rund 2,4 Millionen PCR-Tests durchgeführt worden, teilte der ALM am Dienstag mit und berief sich auf Daten von rund 180 Laboren. Jeder dritte Befund sei positiv gewesen, in der Woche zuvor rund jeder vierte (bei knapp zwei Millionen PCR-Tests). Je höher die Positivrate bei hohen Fallzahlen ist, desto größer ist die Untererfassung. "Die Auslastung der Labore wird im bundesweiten Durchschnitt mit 95 Prozent angegeben und erreicht somit in den meisten Bundesländern die Belastungsgrenze", hieß es weiter vom Verband.

"Wir sind in Deutschland wirklich gut aufgestellt. Angesichts des medizinisch tatsächlich benötigten Bedarfs ist die aktuelle Erwartungshaltung nur schwer nachzuvollziehen", sagte Vorstand Michael Müller. Die Kapazitäten seien auch immer weiter gesteigert worden. Nach der Bund-Länder-Runde stelle sich nun vielmehr die Frage, welche Testkapazitäten über welchen Zeitraum und für welche Fragestellung aufgebaut werden sollen und welches Ziel damit verfolgt werde, hieß es. Eine reine Anschaffung von mehr Geräten nütze nichts angesichts von Sorgen vor Personalausfällen und wachsender Überlastung.

Quelle: ntv.de, ses/dpa

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