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Ableger der Delta-Variante AY.4.2 breitet sich aus - ein Grund zur Sorge?

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In Großbritannien ist AY.4.2 derzeit für sechs Prozent der sequenzierten Coronavirus-Proben verantwortlich.

(Foto: picture alliance / ROBIN UTRECHT)

In mehreren Ländern verzeichnen die Gesundheitsbehörden erste Corona-Infektionen mit der neuen Variante AY.4.2 - auch Delta Plus genannt. Die ist anscheinend noch einmal ansteckender als die hochansteckende Delta-Variante. In Israel hat Ministerpräsident Naftali Bennett deshalb eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Sollte AY.4.2 Sorgen bereiten?

Warum wird AY.4.2 auch Delta Plus genannt?

Das ursprüngliche Coronavirus Sars-CoV-2 mutiert, seit es Ende 2019 erstmals im chinesischen Wuhan aufgetreten ist. Weltweit zirkulieren deshalb Tausende verschiedene Ableger des Wildtyps. Die schwierige Frage, die sich Virologen und Epidemiologen unaufhörlich stellen, ist: Welche davon sind gefährlich? Im Moment beobachten sie vor allem die Variante AY.4.2 - einen Ableger der vorherrschenden Delta-Variante. Wo sie zuerst aufgetreten ist, ist unklar. In Großbritannien wurde sie erstmals im vergangenen Juli identifiziert.

Wie gefährlich ist AY.4.2?

Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden war AY.4.2 Ende September für sechs Prozent der untersuchten Corona-Infektionen verantwortlich - Tendenz steigend. Demnach enthält die Variante mehrere Mutationen, die das Virus ansteckender machen: Aktuell wird gemutmaßt, dass AY.4.2 etwa 10 Prozent infektiöser sein könnte als die Delta-Variante. Die wiederum war 60 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante, die zeitweise für die allermeisten Infektionsfälle auch in Deutschland verantwortlich war. Die auch als britische Mutante bekannte Alpha-Variante war wiederum etwa 35 Prozent ansteckender als der Wildtyp von Sars-CoV-2.

"Es ist nichts im Vergleich mit dem, was wir bei Alpha und Delta gesehen haben", sagt der Biologe François Balloux vom University College London. Delta Plus sei bisher selten und derzeit unter Beobachtung.

Wirken die bisherigen Impfstoffe gegen AY.4.2?

Nach ersten Erkenntnissen: ja. Weitere Untersuchungen sollen klären, welchen Gefahr AY.4.2 tatsächlich für vollgeimpfte Menschen darstellt. Nach Angaben der BBC sind britische Experten allerdings zuversichtlich, dass es sich nicht um eine sogenannte Escape-Variante handelt, die den Impfstoffen bei der Infektion entkommt. Auch vom Robert-Koch-Institut (RKI) wird sie deshalb noch nicht als Variant of Concern (VOC) geführt: Variante, die Sorgen bereitet.

Allerdings warnt unter anderem Biontech-Chef Ugur Sahin davor, dass das Virus vereinzelt beginnt, die Immunantwort zu umgehen. "Es ist erst der Anfang", sagte der Entwickler des Corona-Impfstoffes vor gut einer Woche bei CNN. "Wir sollten uns auf eine unerwartete Evolution des Virus vorbereiten. Das kann man nicht ausschließen."

Wo ist AY.4.2 bisher aufgetreten?

Die meisten Fälle und Informationen sind bisher aus Großbritannien bekannt. Auch in anderen europäischen Ländern ist AY.4.2 bereits aufgetreten, allerdings in einem sehr viel kleineren Umfang. So hat Israel erst am Dienstag erstmals eine Delta-Plus-Infektion nachgewiesen. Bei dem Infizierten hat es sich nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums um einen elfjährigen Jungen gehandelt, der aus Kontinentaleuropa eingereist war.

Auch Russland meldet inzwischen "einige Fälle" von AY.4.2. Es sei möglich, dass sich die Variante weit verbreiten werde, berichtet die Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf Kamil Chafizow, den leitenden Forscher der staatlichen Verbraucherschutzbehörde. Dadurch könne die derzeit im Rekord wachsende Zahl der täglichen Neuinfektionen noch steiler ansteigen.

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Sollte AY.4.2 Sorgen bereiten?

Für eine genauere Einschätzung braucht es weitere Untersuchungen. Dabei wird sich zeigen, ob AY.4.2 tatsächlich ansteckender als bisherige Varianten ist oder die durch Impfstoffe hervorgerufene Immunantwort im Menschen zumindest teilweise umgehen kann. Beobachtet werden muss auch, ob die Variante eine schlimmere Form der Covid-19-Erkrankung verursachen könnte. In Israel hat Ministerpräsident Naftali Bennett nach dem ersten Fall eine Dringlichkeitssitzung mit Gesundheitspolitikern einberufen. Er fordert andere Länder dazu auf, bei der Untersuchung von AY.4.2 zusammenzuarbeiten.

Quelle: ntv.de, chr/AFP/rts

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