Panorama

EU-Zulassung für Januar erwartet Astrazeneca liefert 60 Prozent weniger Vakzin

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Weil das Vakzin von Astrazeneca in einem normalen Kühlschrank lagern kann, gilt der Stoff als großer Hoffnungsträger.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Den Impfstoff-Engpass bei der Firma Biontech hat die EU noch nicht verdaut, da gibt es bereits die nächste schlechte Nachricht: Auch der Hersteller Astrazeneca wird anfangs viel weniger Vakzin liefern als vereinbart. Die EU-Zulassung soll nächste Woche kommen und die Hoffnungen sind gewaltig.

Der britische Pharmakonzern AstraZeneca kürzt die Lieferungen seines Impfstoffs gegen das Coronavirus an die Europäische Union nach Angaben aus EU-Kreisen drastisch. Aufgrund von Produktionsproblemen werde die Zahl der Impfdosen im ersten Quartal mit 31 Millionen Stück rund 60 Prozent niedriger ausfallen als geplant, sagte ein hochrangiger EU-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Für das zweite Quartal habe AstraZeneca keine angestrebte Stückzahl genannt, sagte der Insider. Geplant gewesen sei eigentlich, dass AstraZeneca im ersten und im zweiten Quartal jeweils rund 80 Millionen Impfdosen an die 27 EU-Staaten liefere. Zur Begründung habe AstraZeneca gegenüber der EU Fertigungsschwierigkeiten in einem Werk des AstraZeneca-Partners Novasep in Belgien genannt.

Zuvor hatte eine Unternehmenssprecherin gegenüber ntv lediglich eingeräumt, die Menge werde zu Beginn niedriger sein. Grund seien geringere Erträge an einem Produktionsstandort "innerhalb unserer europäischen Lieferkette". Die Sprecherin fügte hinzu: "Wir werden im Februar und März mehrere zehn Millionen Dosen in die Europäische Union liefern, während wir die Produktionsmengen weiter erhöhen." Eine Verzögerung der Lieferungen sei aber nicht geplant.

Der Hersteller Astrazeneca hat zusammen mit der britischen Universität Oxford einen Impfstoff entwickelt, der in Großbritannien bereits genutzt wird. Für kommende Woche wird auch eine Zulassung in der Europäischen Union erwartet.

Österreichs Impfkampagne gefährdet

Nach einem Bericht des österreichische "Kurier" warnte das Unternehmen die EU-Staaten vor möglichen Lieferproblemen bei seinem Impfstoff. Laut der Zeitung seien alle 27 Impfstoffkoordinatoren des Staatenbundes am Vortag über die Kürzung informiert worden. Für Österreich war von zwei Millionen Dosen weniger die Rede. Zahlen für Deutschland liegen bislang nicht vor.

Die "Bild"-Zeitung berichtete, der Impfstoff müsse nach den Mutationen in einigen Ländern angepasst werden. Bereits auf Halde produzierte Impfstoffmengen könnten deshalb womöglich nicht ausgeliefert werden. Zudem seien die Auswirkungen auf die Produktion nach einem Brand in einem Werk in Indien noch nicht klar.

Bundesregierung hält sich bedeckt

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums wollte eine Lieferlücke nicht bestätigen. "Wir gehen weiter davon aus, dass der Impfstoff von Astrazeneca Ende kommende Woche für die EU zugelassen wird. Die EU hat viel in die Vorproduktion dieses Impfstoffes investiert. Nach der Zulassung wird klar, wie viel Impfstoff wann zusätzlich für Deutschland zur Verfügung steht."

Am Dienstag hatte bereits das Pharmaunternehmen Biontech eine Drosselung der Liefermengen gemeldet und den Bundesländern eine neue Übersicht über die zu erwartenden Lieferungen bis Mitte Februar geschickt. Dem Lieferplan zufolge müssen die Länder vor allem in der Woche vom 25. Januar damit rechnen, dass sie gegenüber den ursprünglichen Planungen weniger Impfstoff geliefert bekommen. Kooperationspartner Pfizer hatte vergangene Woche überraschend erklärt, dass es im belgischen Werk die Produktion für eine Kapazitätsausweitung zunächst drosseln müsse. Daraufhin hatten sich sechs EU-Staaten bei der Kommission darüber beschwert.

Quelle: ntv.de, mau/rts