Panorama

Jahrzehntelange Brand-Folgen Australien steht das Schlimmste noch bevor

Seit Oktober wüten in Australien Hunderte Buschfeuer. Mittlerweile sind neben den Tausenden Feuerwehrkräften sogar Reservisten des Militärs im Einsatz, um gegen die Brände zu kämpfen und die Opfer zu versorgen. Millionen Hektar sind bereits abgebrannt, doch es könnte sogar noch dramatischer werden.

Wie ist derzeit die Lage im Katastrophengebiet?

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Die Feuerwehrkäfte gehen über ihre Grenzen hinaus - trotzdem ist die Lage mehr als bedrohlich.

(Foto: imago images/AAP)

Nach offiziellen Angaben sind bei den bisherigen Buschbränden in Australien etwa sieben Millionen Hektar niedergebrannt, das entspricht ungefähr einem Fünftel der Fläche Deutschlands. 25 Menschen sind bei den Feuern ums Leben gekommen. Mehr als 1800 Häuser und Gebäude sind beschädigt oder komplett abgebrannt.

In den Bundesstaaten New South Wales und Victoria wüten aktuell noch mehr als 180 Feuer. Einige Gebiete sind weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten. In der australischen Hauptstadt Canberra ist die Luft durch den Rauch gefährlich verschmutzt. Die Regierung rief die Menschen vor Ort dazu auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. Auch die Zahl der verfügbaren Schutzmasken ist knapp geworden.

Wie sehen die Wetterprognosen aus?

Die Rauchwolken ziehen von Australien inzwischen bis nach Neuseeland. Dem "Sydney Morning Herald" erklärten Wetterexperten, dass es das bisher noch nicht gegeben hat. Und auch wenn die Feuerwehrkräfte Tag und Nacht im Einsatz sind, sind die Aussichten für eine positive Entwicklung schlecht. So erklärte der australische Premierminister Scott Morrison heute: "Die Feuer brennen immer noch, und sie werden noch über Monate brennen." Am vergangenen Samstag erreichten die Temperaturen westlich der Metropole Sydney fast 50 Grad Celsius. Ein Ende der Dürre ist damit nicht in Sicht, sodass sich immer wieder neue Feuer entzünden können.

Klimaexperte Prof. Neville Nicholls von der Monash University in Melbourne warnt bei news.com.au vor weiteren extremen Wetterverhältnissen wie "Zyklonen, Überschwemmungen und Hitzewellen", auf die sich die Rettungsdienste des Landes vorbereiten müssten. Seiner Ansicht nach ist eine Entspannung nicht in Sicht: "Wir sind noch einen Monat von der gefährlichsten Zeit für Hitzewellen in Südaustralien entfernt. Wir hatten diesen Sommer bereits schwere Hitzewellen. Normalerweise erreichen sie jedoch Mitte und Ende des Sommers den Höhepunkt", zeigt sich der Wissenschaftler pessimistisch.

Wie reagieren die Rettungskräfte und die Regierung?

Seit Oktober sind Tausende Feuerwehrkräfte in den betroffenen Bundesstaaten im Osten und Südosten des Landes im Einsatz. Die Regierung tat sich mit der Reaktion auf die Katastrophe allerdings schwer - und reagierte langsam: Immer wieder kritisieren australische Bürger ihren Premierminister. Denn während die Retter bei den Buschbränden bereits ihr Leben riskierten, weilte Scott Morrison auf Hawaii im Urlaub. Nach dem öffentlichen Aufschrei kehrte der Premier schließlich zurück und entschuldigte sich bei den Australiern.

Die Lage ist mittlerweile so ernst, dass nun auch 3000 Reservisten des Militärs am Wochenende aufgerufen wurden, die Feuerwehr bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Es ist die größte Zwangseinberufung in der Geschichte des Landes. Die Reservisten sollen dabei helfen, Menschen in den Katastrophengebieten mit Lebensmitteln, Wasser und Treibstoff zu versorgen. Außerdem soll laut Morrison eine neue nationale Agentur beim Kampf gegen die Folgen der Brände helfen.

Auch die Australier selbst helfen einander, wo sie nur können. Neben Geldspenden bringen viele Menschen auch Lebensmittel und Sachspenden für den alltäglichen Bedarf bei Hilfsorganisationen vorbei. Bei einer Spendenannahmestelle in Victoria bildete sich am vergangenen Wochenende laut dem Sender 7news eine Schlange von mehr als 1300 Autos, die voll beladen mit Sachspenden für die Brandopfer waren.

Was passiert mit den Tieren?

Schätzungsweise Hunderte Millionen oder gar Milliarden Tiere wie Koalas, Kängurus und andere Arten sind bereits qualvoll in den Flammen ums Leben gekommen. Wo es möglich ist, versuchen Anwohner und Einsatzkräfte, die Tiere zu retten und in Sicherheit zu bringen. Besonders dramatisch ist die Lage auf der beliebten Känguru-Insel, wo die Hälfte der geschätzt 50.000 Koalas den Flammen zum Opfer fiel, wie Sam Mitchell vom dortigen Wildpark mitteilte. Der Bestand auf der Insel ist für den Erhalt der Tierart zentral, da er als einziger nicht von einer gefährlichen Infektionskrankheit befallen ist.

Wie die Zukunftsaussichten für die Tier- und Pflanzenwelt sind, wenn die Brände endlich gelöscht sind, ist noch völlig unklar. Der Biologe Professor Andrew Beattie geht davon aus, dass landesweit bereits sogar Milliarden von Tieren durch die Feuer ums Leben gekommen seien, "wenn man Säugetiere, Vögel, Reptilien und größere Insekten wie Schmetterlinge mit einrechnet". Es sei "ziemlich sicher, dass in großen Teilen dieser sehr ausgedehnten Brandgebiete der größte Teil der Tierwelt tot ist", betont der Biologe. Die Zukunft der am schwersten verbrannten Gebiete hängt nach Beatties Worten von Faktoren wie dem Niederschlag und dem Klima in den kommenden Monaten ab. Es könne bis zu 40 Jahre dauern, bis die Habitate wiederhergestellt seien.

Wie soll den Betroffenen künftig geholfen werden?

Für den Wiederaufbau der betroffenen Gebiete will die australische Regierung umgerechnet 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Mit diesem Geld soll unter anderem den Farmern geholfen werden, ihre Höfe wieder aufzubauen.

Auch viele Prominente spenden für die Feuer-Opfer von Australien: Hollywoodschauspielerin Nicole Kidman spendete 500.000 australische Dollar. Die gleiche Summe will auch Sängerin Pink zur Verfügung stellen. Russell Crowe rief bei den Golden Globes zu einem Wandel der weltweiten Klimapolitik auf und erklärte: "Die Tragödie in Australien basiert auf dem Klimawandel."

Quelle: ntv.de, mit dpa und AFP