Panorama

"Nach neuen Erkenntnissen" Axel Springer trennt sich von "Bild"-Chef Reichelt

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Julian Reichelt war nach einer Beurlaubung im Frühjahr zunächst in seine Chef-Position bei "Bild" zurückgekehrt.

(Foto: picture alliance / Norbert Schmidt)

Die Vorwürfe gegen Julian Reichelt drehen sich um Beziehungen zu Mitarbeiterinnen und einen angeblichen Machtmissbrauch in diesem Zusammenhang. Nach einer internen Untersuchung bleibt Reichelt zunächst auf seinem Posten. Nun wendet sich das Blatt.

Der Medienkonzern Axel Springer hat mit sofortiger Wirkung "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt von seinen Aufgaben entbunden. Das teilte das Unternehmen mit. Neuer Vorsitzender der "Bild"-Chefredaktion wird Johannes Boie. Der 37-Jährige ist derzeit Chefredakteur der zu Springer gehörenden Zeitung "Welt am Sonntag".

Springer begründet das Ende der Zusammenarbeit mit Reichelt an der Spitze von Deutschlands größter Boulevardzeitung so: "Als Folge von Presserecherchen hatte das Unternehmen in den letzten Tagen neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten von Julian Reichelt gewonnen. Diesen Informationen ist das Unternehmen nachgegangen. Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat." Deshalb halte der Vorstand eine Beendigung der Tätigkeit nun für unvermeidbar.

Im Frühjahr hatte Springer das interne Verfahren angestoßen. Medien hatten über Vorwürfe zu Machtmissbrauch und Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen berichtet. Der Konzern prüfte dann in einem internen Verfahren Vorwürfe und kam zu dem Ergebnis, dass Reichelt seinen Posten behalten sollte. Nach einer befristeten Freistellung kehrte Reichelt zunächst wieder zu Deutschlands größter Boulevardzeitung zurück.

Der Konzern betont in der Mitteilung, es habe im Rahmen des Compliance-Verfahrens gegen Reichelt nie den Vorwurf sexueller Belästigung oder sexueller Übergriffe gegeben. Gegeben habe es "den Vorwurf einvernehmlicher Liebesbeziehungen zu BILD-Mitarbeiterinnen und Hinweise auf Machtmissbrauch in diesem Zusammenhang". Weiter hießt es, "bewiesen und eingeräumt wurde eine frühere Beziehung zu einer Mitarbeiterin von BILD. Umstritten blieb, ob dieser Mitarbeiterin dadurch berufliche Vorteile gewährt wurde". Nach dem Verfahren habe der Vorstand in diesem Frühjahr beschlossen, "dass es künftig die Pflicht geben soll, persönliche Beziehungen am Arbeitsplatz, die einen Interessenkonflikt auslösen können, transparent offenzulegen", schreibt der Konzern. "Eine Umsetzung ist mitbestimmungspflichtig, entsprechende Diskussionen hierzu mit dem Betriebsrat dauern an."

Recherche über Reichelt gestoppt

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Die "New York Times" hatte nun am Wochenende einen langen Bericht über den Medienkonzern Axel Springer auch mit Blick auf die Pläne zur Übernahme der US-Mediengruppe Politico veröffentlicht. In dem Artikel ging es auch um "Bild"-Chefredakteur Reichelt und die im Frühjahr erstmals öffentlich bekannt gewordenen Vorwürfe gegen ihn. Die Zeitung verwies auch auf bislang nicht veröffentlichte monatelange Recherchen eines Investigativ-Teams der Ippen-Mediengruppe. Die Ippen-Veröffentlichtung wurde gestoppt, wogegen das Investigativ-Team des Verlags protestierte. Laut einem im Internet bekanntgewordenen Schreiben der Redakteure geht es bei ihren Recherchen im Kern um "Machtmissbrauch gegen Frauen und weitere Missstände" bei Axel Springer und vor allem durch den bisherigen "Bild"-Chef Reichelt.

Springer-Chef Mathias Döpfner sagte nun: "Julian Reichelt hat BILD journalistisch hervorragend entwickelt und mit BILD LIVE die Marke zukunftsfähig gemacht. Wir hätten den mit der Redaktion und dem Verlag eingeschlagenen Weg der kulturellen Erneuerung bei BILD gemeinsam mit Julian Reichelt gerne fortgesetzt. Dies ist nun nicht mehr möglich." Außerdem teilte Springer mit, das Unternehmen habe rechtliche Schritte gegen Dritte eingeleitet, die versucht haben sollen, die Compliance-Untersuchung vom Frühjahr mit rechtswidrigen Mitteln zu beeinflussen und zu instrumentalisieren.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/rts

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