Panorama
Warum ausgerechnet in NRW? "Eine Frage des Blutes", sagte BKA-Vizepräsident Peter Henzler.
Warum ausgerechnet in NRW? "Eine Frage des Blutes", sagte BKA-Vizepräsident Peter Henzler.(Foto: picture alliance/dpa)
Mittwoch, 05. Dezember 2018

"Schockempfindlicher Schlag": BKA feiert Erfolg im Kampf gegen Mafia

In Zusammenarbeit mit internationalen Behörden gelingt dem Bundeskriminalamt ein empfindlicher Schlag gegen die 'Ndrangheta-Mafia in Deutschland. Der Clan dominiert den europäischen Rauschgifthandel und greift auf globale Strukturen zurück.

Bei der Großrazzia gegen die Mafiaorganisation 'Ndrangheta sind in Deutschland 14 Verdächtige festgenommen worden. Es wurden zudem 95.000 Euro Bargeld sowie Luxusgüter und mehrere Autos, die mutmaßlich als Kurierfahrzeuge genutzt wurden, beschlagnahmt, wie der Vizepräsident des Bundeskriminalamts (BKA), Peter Henzler, sagte. Die Razzia mit Hunderten Einsatzkräften, die sich vor allem auf Nordrhein-Westfalen und Bayern erstreckte, war Teil einer großangelegten Polizeiaktion in mehreren europäischen Staaten und in Südamerika, bei der insgesamt etwa 90 Verdächtige festgenommen wurden.

Henzler sagte weiter, dass man der Ndrangheta "einen schockempfindlichen Schlag verpasst" habe und lobte den "hervorragenden Informationsaustausch" mit den internationalen Behörden. Er wertete die großangelegte Razzia als "justiziellen Erfolg, weil wir eine sehr professionelle Gruppierung getroffen haben". Diese habe über Jahre hinweg einen beträchtlichen Rauschgifthandel betrieben. "Es ist kein Tropfen auf den heißen Stein. Bezogen auf die weltweiten mafiösen Strukturen, ist es ein Wespenstich, allerdings ein schmerzhafter."

Bereits 2016 hatten die deutschen Behörden Informationen von der italienischen Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft erhalten, dass sich in Nordrhein-Westfalen eine 'Ndrangheta-Zelle gebildet hätte. "Eine Frage des Blutes", wie Henzler sagte. Viele familiäre Verbindungen ließen sich noch auf die Zuwanderung von italienischen Gastarbeitern zurückführen. Bei der Tätergruppierung der festgenommenen Personen handele es sich zudem um Familienmitglieder, die 2007 noch Opfer bei den Mafiamorden in Duisburg zu beklagen hatten. Henzler betonte, den Mitgliedern der Zelle stünden Strafandrohungen von "fünf Jahren Freiheitsstrafe aufwärts" bevor. Ihnen wird die Mitgliedschaft in einer mafiösen Bande, Geldwäsche sowie organisierter Rauschgifthandel vorgeworfen.

Kokain in der Lkw-Achse verbaut

Vor allem der Schmuggel und Verkauf von Kokain sei ein gewichtiges Geschäftsmodell der 'Ndrangheta, erläuterte Henzler. Über Süd- und Mittelamerika sei Kokain im dreistelligen Kilogrammbereich geordert und in Containern nach Rotterdam und Antwerpen verschifft worden. Dort hätten Mittelsmänner den Weitertransport in präparierten Fahrzeugen sichergestellt. Henzler nannte als Extrembeispiel, dass Rauschgift sogar in den Achsen von Lkws verbaut worden sei. Um die Kurierfahrten zu vertuschen, wurden die Fahrzeuge regelmäßig umgemeldet und bekamen so neue Kennzeichen.

Die Erlöse aus den Rauschgifthandel flossen laut Henzler überwiegend in italienische Immobilien und Restaurants und Eiscafés. Diese wurden sowohl zur logistischen Vorbereitung genutzt als auch um das Personal zu halten. Dabei wurden regelmäßig die Inhaber getauscht, um die Ermittlungen zu erschweren. Selbst in der Kommunikation untereinander hätten die Mafiamitglieder nur manipulierte Smartphones benutzt, um Messenger-Dienste zu verwenden, die sich nur schwer überwachen lassen. "Eine wirkungsvolle Maßnahme", wie Henzler anmerkte, "aber auch das hat alles nichts genützt".

Quelle: n-tv.de