Panorama

"Sicherheitsreport 2022" Bei den Sorgen rückt die Inflation nach vorn

Die Sorgen der Deutschen ändern sich immer wieder, je nach Welt- und Wirtschaftslage. Zu Beginn des Jahres 2022 dominieren in der Allensbach-Umfrage zum "Sicherheitsreport 2022" Inflationsängste. Corona gerät langsam in den Hintergrund.

Die steigende Inflation ist gerade die größte Sorge der Deutschen. Zu diesem Ergebnis kommt der "Sicherheitsreport 2022". In der aktuellen Umfrage des Centrums für Strategie und Höhere Führung und des Instituts für Demoskopie Allensbach gaben 70 Prozent der Befragten an, sie seien beunruhigt über die hohe Inflationsrate. 66 Prozent der Bundesbürger sind zudem über die wirtschaftlichen Schäden der Covid-19-Pandemie beunruhigt.

Der Anteil der Menschen, die sich persönlich durch die Geldentwertung bedroht fühlen, ist binnen eines Jahres von 32 auf jetzt 51 Prozent angestiegen. Dagegen ist die Angst vor Arbeitslosigkeit zurückgegangen. Vor einem Jahr machten sich noch 18 Prozent der Bundesbürger Sorgen um ihren Arbeitsplatz, aktuell sind es 14 Prozent. "Insgesamt ist die große Mehrheit bisher finanziell bemerkenswert gut durch die zweijährige Krise gekommen, aber die hohe Inflationsrate alarmiert die Bevölkerung zunehmend und trifft überdurchschnittlich die schwächeren sozialen Schichten", erläutert Allensbach-Chefin Renate Köcher in einer Mitteilung.

Wachsende Kriegsangst

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Beim Lebensmitteleinkauf spüren viele, dass es teurer geworden ist.

(Foto: dpa)

Auch das persönliche Bedrohungsgefühl durch Kriege steigt. 62 Prozent der Deutschen befürchten, dass die Lage in Europa und in der Welt immer unberechenbarer wird. 37 Prozent der Bevölkerung machen sich gar große Sorgen, dass Deutschland in militärische Konflikte hineingezogen werden könnte. Russland und China werden mit Abstand als die größten Bedrohungen für den Weltfrieden wahrgenommen. Die Überzeugung, dass von Russland große Gefahren ausgehen, ist binnen eines Jahres von 32 auf 66 Prozent angestiegen, die Einschätzung von China als Sicherheitsrisiko von 46 auf 60 Prozent. Dabei gibt es bemerkenswert große Unterschiede zwischen der west- und der ostdeutschen Bevölkerung, die beide Länder weitaus weniger als Gefahrenherde sieht als die westdeutsche.

Der Rückhalt für die Bundeswehr und die NATO ist in der Bevölkerung gestiegen. 79 Prozent sind überzeugt, dass wir die Bundeswehr brauchen, ein Anstieg um 6 Prozentpunkte seit 2019. Gegenläufig ist der Anteil der Bevölkerung, die die Bundeswehr für entbehrlich halten, von 14 auf 9 Prozent geschrumpft.

Skeptisch blicken die Bundesbürger jedoch auf die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Allerdings haben die Entwicklungen in Afghanistan nicht zu einer wesentlich kritischeren Haltung geführt. 47 Prozent der Deutschen wären generell für einen Rückzug aus Auslandseinsätzen, das ist ein Anstieg um nur 3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Speziell der Einsatz in Mali wird von der Mehrheit abgelehnt, nur 16 Prozent der Deutschen befürworten eine Beteiligung an dem Einsatz.

Weniger Corona-Sorgen

Das Coronavirus macht den Deutschen inzwischen deutlich weniger Sorgen. Zwar treibt 60 Prozent der Bundesbürger die Sorge um, dass die Pandemie mit der aktuellen Corona-Politik nicht in den Griff zu bekommen ist. Trotzdem sinkt das persönliche Bedrohungsgefühl. Fühlten sich im Vorjahr noch 43 Prozent der Bundesbürger von neuen weltweiten Pandemien bedroht, sind es aktuell nur noch 31 Prozent. Auch die Sorge, sich selbst zu infizieren, ist gesunken.

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Beim Abwägen von Sicherheit und Freiheit in der Pandemie gibt es nach wie vor eine starke Präferenz in Richtung Sicherheit - jedoch mit abnehmender Tendenz. Votierten 2021 noch 77 Prozent der Bundesbürger dafür, dass möglichst große Sicherheit Priorität haben müsse, sind es aktuell noch 66 Prozent. Bemerkenswert groß ist das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit der medizinischen Versorgung auch in Pandemiezeiten. 76 Prozent haben großes Vertrauen, dass sie medizinisch gut versorgt werden, wenn sie einen Arzt brauchen, 70 Prozent vertrauen auch der Notfallversorgung in Krankenhäusern.

Der Sicherheitsreport wird seit 2011 jährlich erhoben. Für die neuesten Zahlen wurden 1.090 Personen über 16 Jahren vom 6. bis 20. Januar 2022 befragt.

Quelle: ntv.de, sba

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