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Zwei Jahre Haft für Ahmad A. Berliner Richterin verurteilt "Clan-Chef"

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Vor Gericht stritt der Angeklagte ab, dass er dem landesweit bekannten Miri-Clan als "Patron" vorstehe.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der lange Arm des Gesetzes greift durch: Ahmad A., selbsternannter "Patron" der aus dem Libanon stammenden Miri-Familie, muss für brutale Gewalttaten mehr als zwei Jahre hinter Gitter. Nur dank seines Geständnisses entgeht der gebürtige Syrer einer noch härteren Strafe.

Im Fall des wegen gefährlicher Körperverletzung und weiterer Straftaten angeklagten Ahmad A. hat das Berliner Amtsgericht Tiergarten ein unerwartet hartes Urteil gefällt. Die Richterin verurteilte den 38-jährigen Familienvater, der sich selbst auch Ahmad "Patron" Miri nannte, zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten ohne Bewährung, sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro. Zusätzlich muss der gebürtige Syrer, der nach Informationen von ntv.de seit mehr als 30 Jahren in Deutschland lebt und als geduldeter Kriegsflüchtling gilt, die Kosten des Verfahrens tragen.

Wann A. seine Freiheitsstrafe antreten muss, ist noch offen. Der Haftbefehl gegen ihn wurde nach der Urteilsverkündigung zunächst ausgesetzt. A. saß nach Verstößen gegen Meldeauflagen seit dem 8. Januar in Untersuchungshaft. Die Richterin sah nach dem Urteilsspruch jedoch keine Hinweise mehr auf Verdunkelungs- oder Fluchtgefahr. A. hat die Möglichkeit, in Berufung zu gehen. Sein Anwalt wollte sich zum weiteren Vorgehen zunächst nicht äußern.

In dem Verfahren in der Hauptstadt musste sich A. für zwei verschiedene Gewalttaten vor Gericht verantworten. A. hatte dem Urteil des Gerichts zufolge im November 2017 die Wohnungstür einer Frau eingetreten und sie zusammen mit mindestens einem weiteren Täter mit einem Ast geschlagen. Die Frau leidet nach Angaben des Gerichts bis heute unter dem Angriff. Wegen dieser Tat wurde er nun wegen schwerer Körperverletzung in Verbindung mit Sachbeschädigung verurteilt.

In einem weiteren Fall ging es bei der Verhandlung ebenfalls um Körperverletzung. Eineinhalb Jahre nach dem brutalen Angriff auf die Frau lauerte A. mit Komplizen vor einer Berliner Shisha-Bar einem Bekannten auf. Im Lauf der Auseinandersetzung schlug er diesen mit einem Schlagring ins Gesicht. Sein Opfer erlitt eine stark blutende Wunde und ein Schädel-Hirn-Trauma.

Erschwerend hinzu kam noch ein Verstoß gegen das Waffengesetz. Bei seiner Festnahme stellten Beamte unter anderem auch A.s Smartphone sicher. Auf dem Gerät entdeckten Ermittler Aufnahmen, die A. in der Silvesternacht 2018/19 zeigen, wie er eine Schreckschusspistole auf offener Straße abfeuert.

Das schnelle Urteil am zweiten Tag der Hauptverhandlung kam vor allem durch eine Einigung zustande, wie eine Sprecherin des Amtsgerichts gegenüber ntv.de betonte. Die Richterin habe dem Angeklagten im Fall eines Geständnisses angeboten, auf eine noch längere Freiheitsstrafe zu verzichten. Staatswanwaltschaft und A.s Verteidiger hätten diesem Angebot zugestimmt, hieß es.

Die gegen A. verhängte Geldstrafe setzt sich aus 150 Tagessätzen à 30 Euro zusammen und bezieht sich auf den Verstoß gegen das Waffengesetz. Vor Gericht stritt A. ab, dass er dem mittlerweile landesweit bekannten Miri-Clan als "Patron" vorstehe. Der nach eigenen Angaben selbstständige Manager in der Musikbranche gab an, sich nur "zum Scherz" in den sozialen Netzwerken als "Clan-Chef" bezeichnet zu haben.

Quelle: ntv.de, mmo