Panorama

Missbrauchsskandal in Kirche Bischöfe beschließen Aufarbeitungs-Kriterien

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Ackermann zufolge tragen die Bischöfe und Diözesen Verantwortung für begangenes Unrecht.

(Foto: Harald Tittel/dpa/Archivbild)

2018 kündigt die katholische Kirche einen umfangreichen Aufarbeitungsprozess des Missbrauchsskandals an. Nun unterzeichnet die Bischofskonferenz eine gemeinsame Erklärung mit verbindlichen Kriterien. Bei der Umsetzung ist man jedoch noch keinen Schritt weiter.

Knapp zwei Monate nachdem die katholischen deutschen Bischöfe sich auf die Einrichtung unabhängiger Kommissionen zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals geeinigt haben, ist die entsprechende Erklärung auch offiziell unter Dach und Fach. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Stephan Ackermann, und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesrepublik, Johannes-Wilhelm Rörig, unterschrieben eine "Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland".

Ende April hatte der Ständige Rat der DBK sich verbindliche Kriterien und Strukturen für eine umfassende und unabhängige Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz unter Einbeziehung von Betroffenen verständigt. Kernpunkt der Vereinbarung ist die Einrichtung unabhängiger Aufarbeitungskommissionen in jedem einzelnen Bistum in Deutschland. Rörig sprach damals von einer "historischen Entscheidung".

"Diese gemeinsame Erklärung ist die entscheidende Grundlage für eine transparente Aufarbeitung und beispielgebend für andere gesellschaftliche Akteure", sagte Rörig laut Mitteilung. Ackermann betonte: "Die Aufarbeitungsprozesse, die mit dem heute unterzeichneten Text angestoßen werden, gehören zu der institutionellen Verantwortung, die die Bischöfe und Diözesen für begangenes Unrecht übernehmen."

"Jahrelanges Pingpongspiel"

Wie konkret die Vereinbarung umgesetzt werden soll, ist in vielen Bistümern unterdessen noch unklar. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Bistümern in Bayern und Nordrhein-Westfalen im Mai ergab, gibt es dort bislang kaum genaue Pläne. Einige Diözesen erwarten sogar, sich mit anderen zusammen zu tun. Der Jesuitenpater Klaus Mertes nannte diesen Weg in einem Beitrag für die in Freiburg erscheinende "Herder Korrespondenz" falsch und die Verhandlungen zwischen der DBK und Rörig ein "jahrelanges Pingpongspiel", das "zusätzlich das Ansehen dessen, was ja tatsächlich schon auf den Weg gebracht wurde", mindere.

Mertes fordert in seinem Gastbeitrag eine staatliche Kommission zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche. "Der Staat müsste nach Beratungen im Parlament einen Rahmen dazu anbieten und Standards festlegen. Hier ist die Politik gefragt." Er ist ehemaliger Leiter des Berliner Canisius-Kollegs und hatte 2010 sexuelle Straftaten von Geistlichen an Schülern öffentlich gemacht.

Im Jahr 2018 hatte die Kirche die sogenannte MHG-Studie und damit schockierende Zahlen zu sexuellem Missbrauch öffentlich gemacht. Die Studie wurde unter anderem kritisiert, weil die Wissenschaftler keinen direkten Zugang zu den Personalakten hatten. Die Kirche kündigte daraufhin umfangreiche Reformen an. Die einzelnen Kommissionen sollen Defizite aus der Studie im Grunde ausbügeln und auch aufdecken, wer aus der Kirchenspitze Täter möglicherweise gedeckt haben könnte.

Quelle: ntv.de, lri/dpa