Panorama

Nach Enthüllung Bloggerin Hingst ist gestorben

Sie war mehrfach ausgezeichnet, dann kam heraus: Die angeblich jüdische Familiengeschichte der Bloggerin Marie Sophie Hingst stimmte so nicht. Nun ist sie tot in ihrer Wohnung in Dublin aufgefunden worden.

Die Bloggerin Marie Sophie Hingst ist tot. Dies berichtet der "Spiegel" unter Berufung auf deren Mutter. Zuerst hatte die "Irish Times" den Todesfall gemeldet. Dem Bericht zufolge wurde Hingst bereits am 17. Juli tot in ihrer Wohnung in Dublin gefunden. Offenbar geht die Polizei nicht von Fremdeinwirkung aus.

Hingst war 2017 zur Bloggerin des Jahres gewählt worden. Ende Mai deckte der "Spiegel" auf, dass sie mit erfundenen Geschichten über angebliche jüdische Vorfahren ihre Leser und das Archiv der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem getäuscht hatte. Recherchen einer misstrauischen Leserin und des Stadtarchivs Stralsund überführten sie demnach. Hingst hatte behauptet, ihre Verwandten hätten in der Ostsee-Stadt gelebt.

Auch soll sie 22 gefälschte "Opferbögen" in Yad Vashem eingereicht haben. Diese sollten den Eindruck erwecken, dass große Teile ihrer Familie während der NS-Zeit ermordet wurden. Dabei stammte die promovierte Historikerin aus einer evangelischen Familie, wie das Stadtarchiv Stralsund mit Unterlagen belegt. Zudem sollen von den angeblichen Holocaust-Opfern nur drei Personen wirklich existiert haben.

Hingst war in der Blogger-Szene bekannt. Ihr Blog soll zuletzt rund 240.000 regelmäßige Leser gehabt haben. 2018 bekam sie auch einen Preis der "Financial Times". Im März hatte sie den Bildband "Kunstgeschichte als Brotbelag" veröffentlicht. Unter dem gleichnamigen Hashtag waren bei Twitter berühmte Gemälde als Brotbelag nachgestellt worden.

Hingst wurde kurz vor der Wende in Lutherstadt Wittenberg geboren. Sie studierte Geschichte und Ostasienwissenschaften in Berlin, Lyon und Los Angeles und promovierte am Trinity College in Dublin. Nachdem bekannt geworden war, dass sie ihre Familiengeschichte gefälscht hatte, wurde ihr der Preis "Bloggerin des Jahres 2017" aberkannt.

Quelle: ntv.de, ghö