Panorama

Pandemie-Maßnahmen in 90 Staaten Coronavirus bremst Milliarden Menschen aus

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, schränken Behörden weltweit die Bewegungsfreiheit ein. Offiziellen Angaben zufolge sollen derzeit mehr als 3,9 Milliarden Menschen in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Das ist fast genau die Hälfte der Menschheit.

Mehr als 3,9 Milliarden Menschen weltweit und damit rund die Hälfte der Weltbevölkerung sollen derzeit wegen der Coronavirus-Pandemie zu Hause bleiben. Diese Zahl ergibt sich aus einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP, die auf offiziellen Angaben beruht. In mehr als 90 Ländern der Erde sind demnach Ausgangssperren oder andere Maßnahmen in Kraft, die den Kontakt zwischen Menschen reduzieren sollen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen.

In Deutschland gilt derzeit keine einheitliche Regelung zur Ausgangssperre. Zwar sollen in allen Bundesländern soziale Kontakte auf das äußerste Minimum reduziert werden und in der Öffentlichkeit ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern eingehalten werden, bisher gelten jedoch nur in Bayern, Sachsen und im Saarland Kontaktverbote. Im Berliner Senat sollte zuletzt eine Entscheidung über die Einführung eines speziellen Bußgeldkatalogs fallen. Unter anderem für Besuche, Versammlungen und die Teilnahme an Veranstaltungen könnten dann bis zu 10.000 Euro Bußgeld erhoben werden. Passanten, die keinen Ausweis bei sich führen, droht eine Strafzahlung von 25 bis 75 Euro.

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In vielen Teilen der Welt gibt es striktere Regelungen: Thailand zum Beispiel führt ab Freitag eine sechsstündige nächtliche Ausgangssperre von 22.00 bis 4.00 Uhr morgens ein. Bei Verstößen drohen zwei Jahre Haft oder eine Geldstrafe in Höhe von 40.000 Bahnt (etwa 1000 Euro), teilten die Behörden mit. Ausnahmen gelten nur für medizinisches Personal, im Bankensektor, für die Lieferung von Medikamenten oder Treibstoff, den Transport von Menschen, die zu Flughäfen reisen oder für alle anderen, die nachts arbeiten. In dem asiatischen Land gibt es bislang 1875 bestätigte Infektionen - das sind 80 Prozent mehr als vor einer Woche. Bis Donnerstag starben mindestens 15 Menschen an der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19.

"Vergessen, was es heißt, vor die Tür zu gehen"

In Indien - dem bevölkerungsreichsten Land nach China - gilt seit dem 25. März eine dreiwöchige Ausgangssperre. Laut Premierminister Nerendra Modi sollen die 1,3 Milliarden Menschen "vergessen, was es heißt, vor die Tür zu gehen". Bisher gibt es in Indien rund 2000 erkannte und per Labortest bestätigte Coronavirus-Fälle, unter ihnen 50 Menschen, die an den Folgen der Infektion gestorben sind.

Die Zahlen sind auch deshalb relativ niedrig, heißt es, weil Indien verhältnismäßig wenig testet. Besonders in den Slums ist die Ansteckungsgefahr sehr hoch, Medienberichten zufolge müssen die meisten Armen aufgrund der Ausgangssperre eher den Hungertod fürchten als die Gefahr, sich möglicherweise mit dem Virus anzustecken. Fraglich ist auch, ob das staatliche Gesundheitssystem in Indien eine Infektionswelle verkraften kann.

Die indische Polizei geht teilweise gewaltsam gegen diejenigen vor, die sich der Ausgangssperre widersetzen. Die Nationale Kampagne gegen Folter hat in den vergangenen Tagen mehr als 170 Fälle dokumentiert, in denen die Beamten Schlagstöcke gegen Menschen einsetzten. Mindestens ein Mensch wurde demnach zu Tode geprügelt. In anderen Fällen wurden Menschen auf der Straße mit Desinfektionsmittel besprüht.

Saudi-Arabien ist unterdessen in der arabischen Welt besonders stark von der Pandemie betroffen. Bis auf Gemüseläden, Apotheken, Tankstellen und Banken sollen alle Geschäfte geschlossen bleiben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur SPA. Das Land weitete zudem seine Ausgangsbeschränkungen für die Städte Mekka und Medina aus, die zuletzt ansteigende Fallzahlen verzeichneten.

In den beiden heiligen Städten gilt laut SPA ab sofort eine 24-stündige Ausgangssperre. Bislang galt dort eine 15-stündige Ausgangssperre. Das Land zählt laut Gesundheitsministerium 21 Todesopfer und 1885 bestätigte Infektionen. Ob die muslimische Pilgerfahrt, der Hadsch, wie geplant Ende Juli stattfinden kann, ist noch unklar. Im vergangenen Jahr reisten 2,5 Millionen Gläubige aus aller Welt zu den heiligen Stätten des Islams.

Quelle: ntv.de, lri/AFP/dpa